Produktnews / E-MTB: In den allermeisten Fällen enthalten Updates für E-Bike Antriebssysteme allenfalls kleinere Verbesserungen, vielleicht mal ein neues Feature. Doch das Update, das ab sofort (Stand: 17.02.2026) für die Specialized 3.1 Antriebe verfügbar ist, liefert mehr: Mit deutlich mehr Leistung, einer überarbeiteten Schiebehilfe, einem verfeinertem Micro Tune und diversen Detailverbesserungen im Ansprechverhalten schnüren die Kalifornier ein Gesamtpaket, das den Charakter des Levo 4 spürbar nachschärfen dürfte. Wir haben uns die Details des Updates 1.D.4 (Motor) und 19.3.7 (Display) angesehen und auch bereits erste Fahreindrücke.
Das neue Update steht allen Modellen der Turbo Levo 4 Familie zu Verfügung, die mit dem Specialized 3.1 Motor und dem MasterMind T3 Display ausgestattet sind. Specialized nutzt hier die Reserven der Hardware, um per Software-Update die mechanische Spitzenleistung signifikant anzuheben.
Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick
Motor (Firmware 1.D.4)
S-Works 3.1 Motor: 850 W Peak Power (+18%), 111 Nm (unverändert).
Standard 3.1 Motor: 810 W Peak Power (+22%), 105 Nm Drehmoment (+4%).
Micro Tune: Einstellbar in 10%-Schritten von 100–400% Support.
Fahrgefühl: Sanfteres Abregeln bei 25 km/h, besseres Ansprechverhalten.
Bug Fixes: 1:1 Übersetzungs-Fehler, Traktionsverlust-Aussetzer behoben.
Display (Firmware 19.3.7)
Walk Assist: Drei neue Modi (Walk+, Walk, Walk-) mit bis zu 80 Nm.
Auto Modus: Neue Positionierung zwischen OFF und ECO.
Anzeige: Fix für „Max Speed“ Anzeige.
Leistungsspritze: Bis zu 850 Watt Spitzenleistung
Das Highlight des Updates ist zweifellos die Steigerung der „Peak Power“. Hierbei unterscheidet Specialized auch weiterhin zwischen dem Standard 3.1 Motor und der S-Works Variante.
Besitzer eines S-Works Levo 4 dürfen sich über einen Zuwachs von satten 18 Prozent bei der mechanischen Spitzenleistung freuen. Der Motor drückt nach dem Update bis zu 850 Watt auf die Kurbelwelle. Wichtig für die Einordnung: Das maximale Drehmoment bleibt bei den bekannten 111 Nm. Was bedeutet das für die Praxis auf dem Trail? Da das Drehmoment gleich bleibt, wird sich der „Punch“ beim Anfahren im niedrigen Drehzahlbereich nicht radikal verändern. Die 850 Watt Spitzenleistung bedeuten jedoch, dass der Motor dieses Drehmoment auch bei höheren Trittfrequenzen länger aufrechterhalten kann. Gerade in steilen, technischen Uphills, bei denen man mit hoher Kadenz arbeitet, dürfte sich der Motor spritziger und kräftiger anfühlen, ohne obenraus „zu verhungern“.
Noch deutlicher fällt der Sprung beim Standard 3.1 Motor aus. Hier hebt Specialized das Drehmoment auf 105 Nm an und steigert die mechanische Spitzenleistung um beachtliche 22 Prozent auf nun 810 Watt. Damit rücken Standard- und S-Works-Modelle leistungstechnisch näher zusammen, wenngleich das Topmodell weiterhin die Nase vorn hat.
Specialized weist jedoch darauf hin, dass diese Leistungssteigerung nicht ohne physikalische Konsequenzen bleibt: Wer die neue Maximalleistung permanent abruft, wird eine Verringerung der Reichweite feststellen. Die Physik lässt sich eben nicht austricksen – mehr Watt verbrauchen mehr Energie. Wer seine gewohnten Touren fahren möchte, sollte dies bei der Einstellung der Unterstützungsstufen berücksichtigen.
Dynamic Micro Tune: Präzision statt Zufall
Neben der rohen Kraft widmet sich das Update auch der Feindosierung. Die bekannte Funktion „Dynamic Micro Tune“ wurde grundlegend überarbeitet und dürfte für Fahrer, die gerne die volle Kontrolle über ihren Output haben, ein Segen sein. Bisher waren die Abstufungen oft schwer greifbar. Mit der neuen Firmware setzt Specialized auf lineare, vorhersehbare Schritte. Der Unterstützungsfaktor lässt sich nun in 10-Prozent-Schritten von 100 % bis 400 % regeln.
Warum ist das relevant? Weil es die Vorhersehbarkeit des Motors verbessert. Ein Beispiel aus den neuen Daten für den S-Works Motor verdeutlicht das:
In der Einstellung 100/100 (Ease/Motor Power) benötigt der Fahrer etwa 213 Watt Eigenleistung, um die volle Motorunterstützung abzurufen. Das entspricht etwa einem Viertel der maximalen 850 Watt. Reduziert man die Einstellung auf 50/100, muss der Fahrer bereits 425 Watt selbst beisteuern, um den Motor ans Limit zu bringen.
Diese Linearität hilft enorm, wenn man in einer Gruppe mit unterschiedlich starken Fahrern oder auf verschiedenen Bikes unterwegs ist. Man kann die Unterstützung exakt so „tunen“, dass man das eigene Fitness-Level oder die Topografie perfekt spiegelt. Niedrige Einstellungen fördern die Fitness und sparen Akku auf Flachpassagen, während hohe Einstellungen (bis zu 400 % Support-Faktor) steilste Rampen glätten. Die Tabelle der Unterstützungsfaktoren ist nun logisch aufgebaut: Jede 10-Prozent-Stufe addiert einen konsistenten Schub. Das eliminiert das Rätselraten, wie viel „Mehr“ der nächste Klick am Lenker wirklich bringt.
Neue Schiebehilfe: Drei Gänge für alle Fälle
Ein Feature, das oft stiefmütterlich behandelt wird, aber gerne mal über Frust oder Lust entscheidet, ist der Walk Assist. Auch hier haben die Entwickler auf das Feedback der Community gehört und die Funktion im Menü „Motor Tune“ auf dem MasterMind T3 Display stark erweitert.
Anstatt einer einzigen Geschwindigkeit gibt es nun drei wählbare Modi für die Schiebehilfe:
WALK+ (5,0 km/h, 80 Nm): Dies ist der Modus für das Grobe. Wenn der Trail so steil und verblockt ist, dass Fahren unmöglich wird, oder wenn das Bike schwer beladen ist, hilft das hohe Drehmoment von 80 Nm, das Rad fast eigenständig den Berg hinaufzuschieben. 5 km/h sind dabei ein zügiges Schritttempo.
WALK (4,0 km/h, 70 Nm): Der neue Standard für mäßige Steigungen. Eine Balance aus Geschwindigkeit und Kraft.
WALK- (3,0 km/h, 55 Nm): Ideal für flaches Gelände oder Situationen, in denen man präzise manövrieren muss und das Bike nicht „wegspringen“ soll.
Ein interessantes Detail am Rande: Specialized begrenzt die Geschwindigkeit bewusst auf 5,0 km/h (ca. 3,1 mph), obwohl gesetzlich bis zu 6 km/h erlaubt wären. Die Begründung ist plausibel: Höhere Geschwindigkeiten machen das Bike im unwegsamen Gelände schwer kontrollierbar.
Fahrgefühl und Display-Optimierungen
Nicht immer sind es die großen Zahlen, die das Fahrerlebnis verbessern. Oft sind es die kleinen Nuancen in der Software-Abstimmung. Das Update 1.D.4 adressiert genau diese Feinheiten.
So wurde das Ausfaden der Unterstützung an der 25 km/h-Grenze überarbeitet. Das berüchtigte „Gegen-die-Wand-Fahren“, wenn der Motor abrupt abschaltet, soll der Vergangenheit angehören. Der Übergang zwischen Motor-Support und reiner Muskelkraft verläuft nun nahtloser und natürlicher. Das dürfte vor allem auf flachen Transfer-Stücken für ein deutlich angenehmeres Fahrgefühl sorgen.
Auch die Reaktionsfreudigkeit wurde optimiert, insbesondere aus dem sogenannten „Overrun“ (Nachlauf) heraus. Das Ziel: sanftere Übergänge und eine präzisere Unterstützung, wenn sich die Trittfrequenz plötzlich ändert.
Auf der Seite des Displays (Firmware 19.3.7) gibt es ebenfalls eine logische Anpassung: Der AUTO-Modus wurde verschoben. Er befindet sich nun intuitiv zwischen OFF und ECO. Das macht Sinn, da viele Fahrer den AUTO-Modus als „Set-and-Forget“-Einstellung nutzen, bevor sie in die stärkeren Modi schalten. Die Modi ECO, TRAIL und TURBO bleiben als Kern-Gruppe zusammen. Wer schnell von AUTO auf maximale Power wechseln will, dem gibt Specialized einen Tipp an die Hand: Einfach ECO auf 100/100 konfigurieren – so springt man direkt zur vollen Leistung. Alternativ bietet sich die „AUTO+“ Einstellung an, die generell mehr Unterstützung bereitstellt als der Standard-Auto-Modus.
Bug Fixes: Schluss mit Kinderkrankheiten
Ein Blick in die „Bug Fixes“ Sektion des Updates zeigt, dass Specialized auch tief im System aufgeräumt hat. Einige der behobenen Fehler sind durchaus spezifisch, zeugen aber von einer genauen Analyse verschiedener Nutzungsszenarien.
Besonders technisch interessant ist der Fix für den „1:1 Gear Ratio Error“. Bisher konnte es vorkommen, dass der Motor eine Fehlermeldung auswarf, wenn man längere Zeit (über 10 Sekunden) mit einer konstanten Kadenz in einem Übersetzungsverhältnis von 1:1 fuhr. Das kann beispielsweise passieren, wenn man ein 32er Kettenblatt vorne fährt und hinten auf dem 32er Ritzel der Kassette liegt (oft der 4. Gang bei einer 10-52 Kassette). Dieser Fehler wurde eliminiert.
Weitere behobene Probleme betreffen:
Leistungsabfall bei leichtem Pedalieren: In Situationen mit minimalem Pedaldruck (z.B. beim Wenden auf schmalen Pfaden) konnte die Unterstützung wegbrechen und erst nach komplettem Stoppen der Kurbel wiederkehren. Dies wurde behoben.
Traktionsverlust: Wenn das Hinterrad kurzzeitig durchdrehte oder den Bodenkontakt verlor (z.B. beim Überrollen einer Wasserrinne bergauf), kam es zu Aussetzern. Auch hier soll der Motor nun konstant weiterschieben.
Range Extender Logik: Ein Fehler, der die Motorleistung reduzierte, obwohl der interne Akku noch voller als der Range Extender war, wurde korrigiert.
Display-Bugs: Ein eingefrorener „Max Speed“-Wert von Null sowie Probleme beim Umschalten der Screens per Remote-Button gehören ebenfalls der Geschichte an.
Erste Impressionen aus der Praxis
Wir konnten das Update bereits einige Wochen vor dem offiziellen Release auf einem Levo 4 Pro und einem Levo mit S-Works Motor ausführlich testen. Zunächst fällt vor allem bei der non S-Works Variante die gestiegene Leistung auf: Der Motor schiebt kräftig an, bereits bei niedrigen Kadenzen und zieht bei schnelleren Kurbelumdrehungen mit ordentlich Power weiter an. Ähnlich wie es die neuen Leistungsdaten bereits vermuten lassen ist der Abstand zum S-Works Motor mit dem Update kleiner geworden. Bei Letzterem spürt man jedoch nach wie vor vor allem das höhere Drehmoment – wenn man bei starken Steigungen beispielsweise aus dem Sattel muss.
Die vielen weiteren Verbesserungen treten hinter der gestiegenen Leistung etwas in den Hintergrund – nicht, weil das Fahrgefühlt nicht weniger wichtig wäre, sondern weil der Specialized 3.1 Antrieb in diesem Punkt bereits seit seiner Vorstellung im Vorjahr mit zum besten gehört, was man derzeit auf dem Markt bekommt. Dass man das natürliche Unterstützungsverhalten und die sehr sanfte Kraftentfaltung jedoch auch vor dem Hintergrund der nun doch deutlich höheren Leistung beibehalten konnte, ist aller Ehren wert.
Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck am Test zu beiden Motoren – der S-Works und der regulären Variante – auf dem Prüfstand. Sobald wir die entsprechenden Daten haben, verlinken wir sie hier in diesem Artikel.
Ein Muss für Levo 4-Fahrer
Das Update-Paket, das Specialized hier schnürt, ist beachtlich. Es ist selten, dass ein bestehendes Bike im Laufe seines Lebenszyklus spürbar stärker wird. Die Kombination aus bis zu 850 Watt Peak-Power und den vielen Detailverbesserungen werten den Antrieb und das gesamte Bike deutlich auf.
Die Installation ist dabei denkbar einfach und kundenfreundlich gelöst: Das Update kann „Over-the-Air“ (OTA) direkt über die Specialized App auf das Bike gespielt werden. Ein Besuch beim Händler ist nicht zwingend notwendig, aber natürlich möglich, falls man sich unsicher fühlt oder keine App-Verbindung nutzen möchte.
Für Besitzer eines Levo 4 mit 3.1 Motor ist dieses Update ein Pflicht-Download. Es kostet nichts, bringt aber in fast allen Belangen – von der rohen Power bis zur Bedienbarkeit – klare Vorteile.

