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Schöner Schottern mit und ohne „E“: Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com

11. August 2026 by Caspar Gebel

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com: Graveln mit E- und Bio-Bike? Ja bitte! Eine Tour mit den zwei Modellen aus dem Stevens-Programm zeigt, wie gut die Paarung dazu geeignet ist, Fitness-Unterschiede auszugleichen.

Gut trainierte Radfahrerin oder Einsteigerin ohne besonderen sportlichen Background? Auf dem Gravelbike könnten diese zwei eigentlich prima harmonieren. Denn irgendwelche besonderen „Skills“ muss man nicht mitbringen, um auf dem Gelände-Bike mit Rennlenker Spaß zu haben – abgesehen davon, dass man sich vielleicht auf die anfangs ungewohnte Sitzhaltung einstellen muss. Doch das Graveln selbst ist einfach: Die Geschwindigkeiten sind eher niedrig (anders als auf dem Rennrad), die Strecken nicht sehr anspruchsvoll zu fahren (anders als Mountainbike-Trails) und der motorisierte Verkehr auf Feld- und Waldwegen praktisch nichtexistent. Und so steht Gravel-Touren allein, zu zweit oder in der Gruppe eigentlich nichts im Wege – höchstens die Fitness bzw. Formunterschiede, die gerade gemeinsame Fahrten erschweren können.



 

Stevens Gavere Com: Gravel-Allrounder mit 2×12 Gängen

Und schon sind wir beim Thema, das mit gutem Grund „Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com“ heißt. Den die Frage ist nicht, was besser ist – Bio- oder E-Gravelbike. Vielmehr geht es (wieder mal) darum, dass sich beide Spielarten eigentlich ziemlich gut ergänzen. Los geht’s mit dem Stevens Gavere Com, in dessen Namen die reiche Cyclocross-Tradition der Hamburger Marke anklingt. Mit dem klassischen Crosser hat das Gavere 2026 freilich wenig gemein: Beim in sechs Größen verfügbaren Alu-Gravelbike ist die Sitzgeometrie eher komfortabel konzipiert mit hohem Lenker und kurzem Vorbau; dazu sind Rahmen und Gabel auf die Verwendung bis zu 50 mm breiter Reifen ausgelegt. Wird das Gavere mit Schutzblechen gefahren, ist immer noch Platz für 45 mm breite Reifen; dass diese Option von Stevens mitbedacht wurde, zeigen die drei vollausgestatteten Versionen des Gavere.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Stevens Gavere Com: vielseitiges Alu-Gravelbike zum günstigen Preis.


 

Stevens Gavere Com: die Highlights

  • Alu-Rahmen und Carbongabel mit zahlreichen Montagepunkten, Reifenfreiheit 50 mm
  • Komfortable Geometrie und sechs Rahmengrößen
  • Shimano GRX 2×12
  • Fulcrum Lite GR Radsatz, Tubeless ready, Bereifung Schwalbe G-One R Performance TLE 45 mm
  • Preis 1.999 Euro
  • Gewicht 10,6 kg (o. P.)

 



In erster Linie ist das Stevens Gavere Com aber natürlich ein Sportrad, und zwar ein ziemlich vielseitiges. Mit 2×12-Schaltung ist es nämlich ebenso im Gelände wie auf der Straße zu gebrauchen, da das Shimano-GRX-Getriebe eine große Übersetzungsbandbreite mit einer ziemlich engen Abstufung vereint: Die 46/30er Kettenblatt-Übersetzung in Verbindung mit der eng gestaffelten 11-36er Kassette bietet immer noch ausreichend lange Schnellgänge und dazu einen leichten Berggang wie ein Race-Gravelbike. Shimanos 1×12-Alternative ist da deutlich grober aufgestellt, wie wir noch am Stevens E-Getaway 9.4.3 sehen werden – was am E-Gravelbike natürlich kein Thema ist.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Der 2×12-Antrieb bietet für jeden Einsatzbereich einen großen Übersetzungsumfang.
Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Die GRX-610-Controls liegen gut in der Hand und funktionieren tadellos.

Stevens montiert die GRX-Gruppe an einen klar und modern gestalteten Aluminiumrahmen, der in blassem Lila zeitgemäß lackiert ist und mit glatten Rohrübergängen an den Hauptrohren fast wie ein Carbonrahmen wirkt. Schaltzüge und Bremsleitungen sind komplett innenverlegt, außerdem ist der Rahmen auf die Montage von drei Flaschenhaltern, einer Tasche auf dem Oberrohr sowie Gepäckhalterungen an der Gabel vorbereitet. Ein sehr modernes Merkmal ist das verdeckte Gewinde rechts an der Vollcarbongabel; andererseits setzt Stevens an diesem Rad noch auf den markentypischen Direct-mount-Schaltauge statt der neuen UDH-Aufnahme. Diese findet sich im Programm der Marke nur am Rennmodell Camino RS, das auch mit SRAM 1×13 angeboten wird.



Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Komplett innen geführte Leitungen finden sich an allen Stevens-Gravelbikes.
Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Zahlreiche Montagepunkte machen das Gavere zur guten Wahl fürs Bikepacking.

Große Modellvielfalt mit deutlichen Preissprüngen

Zur Ausstattung gehört auch ein Fulcrum-Radsatz, der mit rollwiderstandsoptimierten Schwalbe-Reifen besohlt ist und eines der Merkmale ist, die das Stevens Gavere Com vom 500 Euro günstigeren Gavere Eco mit einfacherem Radsatz, 2×10-Schaltung und Alu-Gabel unterscheidet. Eine Stufe überm Testrad steht das Gavere Pro mit elektronischer SRAM Apex 1×12 und DT-Swiss-Laufrädern für 2.499 Euro. Die deutlichen Preisstufen stehen für Gravelbikes, die sich ebenfalls deutlich voneinander unterscheiden, was die Auswahl des individuell passenden Modell erleichtert. Auch beim Gewicht machen sich die Preise bemerkbar: Das Testrad wiegt ohne Pedale annehmbare 10,6 Kilo; die offiziell 10,2 Kilo des Gavere Pro dürften dem leichteren Radsatz zu verdanken sein und beim 11,7 Kilo schweren Gavere Eco drückt unter anderem die Alu-Gabel auf die Waage.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Wer an Steilstücken mit dem Stevens E-Getaway mithalten will, kommt ordentlich außer Puste.


Deutlich übersichtlicher geht es beim E-Getaway zu: Zwar heißt es mit vollem Namen „Stevens E-Getaway 9.4.3“, doch andere Modellvarianten gibt es (derzeit) nicht. Im Zentrum steht hier der Antrieb, nicht die Ausstattung, und der ist ziemlich interessant: Stevens verbaut den TQ HPR60, einen kompakten Mittelmotor mit 60 Nm Drehmoment und bis zu zweifachem Unterstützungsfaktor. Die Bedienung erfolgt per Tastenblock am Lenker, wobei Akkustand und Fahrmodus im kleinen Display im Oberrohr abgelesen werden. Im vergleichsweise schlanken Unterrohr steckt ein fest verbauter 360-Wh-Akku; weitere 160 Wh bekommt man mit dem Range Extender, welchen TQ für 550 Euro anbietet. Ob man den braucht?

Stevens E-Getaway: die Highlights

  • E-Gravelbike mit TQ HPR60 Motor und 360-Wh-Akku
  • Rahmen und Gabel Carbon mit vielen Montagepunkten, Reifenfreiheit 50 mm
  • Komfort-orientierte Geometrie und vier Rahmengrößen
  • Shimano GRX 1×12 mit10-45er Kassette
  • Carbon-Radsatz Fulcrum Soniq Carbon, Tubeless ready, Bereifung Schwalbe G-One R Pro Evolution TLE 45 mm
  • Preis 5.999 Euro
  • Gewicht 13,3 kg (o. P.)

 



Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Stevens E-Getaway: leichtes E-Gravelbike mit perfekter Motorisierung.

Stevens E-Getaway: Carbonrahmen und Aero-Radsatz

Unserer Erfahrung aus Touren im Bayerwald mit vierstelligen Höhenmetern sagen „nein“, denn der Antrieb arbeitet so geschmeidig, dass man ihn wirklich nur zur Unterstützung braucht. Solange die eigene Beinkraft reicht, kann das Stevens wie ein unmotorisiertes Gravelbike gefahren werden und fühlt sich auch so an. Wird’s einem irgendwann zu steil, kann man die Unterstützung fein dosieren und immer noch so viel Eigenleistung aufs Pedal bringen, dass man im Radsport-Modus unterwegs ist.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Der kompakte TQ-Motor ist stark genug für typisches Gravel-Terrain und mit 360-Wh-Akku ziemlich ausdauernd.
Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Die Bedienelemente sind dezent integriert.


Ohnehin ist es so, dass bereits 100 Watt zusätzlicher Leistung enormen Schub bedeuten – bergauf kann das den Unterschied zwischen schieben und mäßig intensiv pedalieren ausmachen. Und das kann der TQ-Motor mit seinem 360-Wh rein rechnerisch 3,5 Stunden leisten. Daran sieht man schon, dass auch längere Touren mit viel Kletterei mit dem Stevens möglich sind.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Die mechanische Shimano funktioniert top, wobei dem Rad auch eine elektronische Gruppe stünde.
Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Aero-Laufräder und Gepäckhalterungen zeugen von Vielseitigkeit, passen aber auch nicht ganz zusammen.

Mit bis zu 200 % Unterstützung und einer Maximalleistung von 350 Watt ist der TQ-Motor das Gegenmodell zu den extrem leistungsstarken MTB-Antrieben, die inzwischen die 2-PS-Grenze überschritten haben. Für ein E-Gravelbike ist er damit die perfekte Wahl, zumal er auch eine andere wichtige Eigenschaft nicht allzu stark beeinflusst, nämlich das Gewicht. Klar, beim Anheben spürt man, dass das Stevens E-Getaway mit seinen 13,3 Kilo schwerer ist als ein Bio-Gravelbike. Beim Fahren dagegen macht sich das Mehrgewicht eigentlich nur in einer Situation bemerkbar: wenn man ohne Motorunterstützung beschleunigt.



Die Motorisierung passt gut zum Konzept

Stevens lässt beim E-Getaway die kleinste wie die größte Rahmenhöhe weg; die verbleibenden vier Größen unterscheiden sich in Sachen Sitz- und Lenkgeometrie nur minimal vom Gavere, womit das E-Gravel ebenfalls auf höheren Fahrkomfort zugeschnitten ist. Damit holt der Hamburger Anbieter Einsteiger/innen ab, die nicht ganz so gestreckt sitzen wollen. Diese Zielgruppe dürfte sich nicht an der Komplettierung mit mechanischer Shimano GRX stören, deren 10-45er Kassette durchaus eine gute Wahl fürs E-Gravelbike darstellt, auch wenn das 44er Kettenblatt etwas groß erscheint. Ein alternatives Modell mit elektronischer Schaltung währe aber schon wünschenswert – etwa mit SRAM 1×13, zumal der Carbonrahmen bereits mit einer UDH-Aufnahme fürs Full-mount-Schaltwerk ausgerüstet ist. Den aerodynamisch optimierten Carbon-Laufradsatz hingegen braucht man vielleicht nicht am E-Gravelbike, obwohl er optisch natürlich einiges hermacht.

Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com
Auf ebenem Terrain sind sich Bio- und Elektrobike durchaus ebenbürtig.

 



In jedem Fall gehört das Stevens E-Getaway mit knapp 6.000 Euro zu den eher günstigen TQ-Gravelbikes am Markt. Gut möglich, dass der Anbieter den Erfolg des Konzepts abwartet, bevor die Modellpalette erweitert wird. Was wünschenswert wäre, denn besser kann ein E-Gravelbike eigentlich nicht funktionieren. Wer damit solo unterwegs ist, kann selbst entscheiden, wie intensiv er bzw. sie sich belasten will; in der Gruppe lassen sich Unterschiede bei Form und Fitness mit dem Unterstützungsmotor optimal ausgleichen. Und da der TQ-Antrieb fast lautlos arbeitet, hat eigentlich niemand auf der Tour das Gefühl, mit einem E-Bike unterwegs zu sein.

Ein harmonisches Zusammenspiel, wenn man sich aufeinander einstellt

In jedem Fall müssen sich E- und Bio-Gravende wechselseitig aufeinander einstellen, was bei unserem Duo im übrigen gut funktioniert hat. In der Ebene ist das Stevens Gavere im Vorteil, da die Motorunterstützung natürlich bei 25 km/h aussetzt. Oberhalb dieses Tempos rollt das E-Getaway zwar leichtfüßig mit, ist aber weniger spritzig – bemerkbar etwa bei Antritten oder Wellen, die mit höherem Tempo „weggedrückt“ werden. Sinkt das Tempo unter 25 km/h, herrscht je nach Unterstützungsmodus Waffengleichheit; bergauf ist die Sache dann eh klar. Harmonischer Fahrspaß ist mit den zwei Stevens-Modellen in jedem Fall garantiert – nun kann jede/r für sich entscheiden, ob die E-Unterstützung nötig ist oder ob ein Bio-Gravelbike reicht.

Fazit: Das günstige Alu-Gravelbike und das hochpreisige E-Modell wenden sich zweifellos an unterschiedliche Zielgruppen. Werden sie dann zusammen eingesetzt, beweisen sie, dass sie diese Gruppen sehr gut zusammenführen können. Das E-Getaway stellt in Sachen Motorisierung das derzeitige Optimum am Markt dar, zumal es ein mehr aus ausreichendes Maß an Motorkraft mit natürlichem Fahrgefühl und geringem Gewicht kombiniert. Das Gavere Com beweist derweil, für wie viel Fahrspaß auch ein bescheidenes Alu-Modell gut ist. Und während das Gavere in diversen Ausstattungs-Optionen zahlreiche Geschmäcker bedient, könnte man sich beim E-Getaway mehr Auswahl wünschen: Warum nicht beim Test-Modell die Carbonlaufräder weglassen und den Preis senken, dafür aber eine Oberklasse-Version mit dem Aero-Radsatz plus elektronischer SRAM 1×13 danebenstellen?



 

www.stevensbikes.de



Fazit:

Pro

  • Stevens E-Getaway: Optimal motorisiertes E-Gravelbike mit geringem Gewicht;Stevens Gavere Com: Preiswertes Alu-Gravelbike mit solider Komplettierung

Contra

Nichts

Fakten

RahmenmaterialCarbon
BremseScheibenbremse Hydraulisch
PreisStevens E-Getaway 5.999 Euro, Stevens Gavere Com 1.999 Euro
Web www.stevensbikes.de
Stevens E-Getaway und Stevens Gavere Com: Das günstige Alu-Gravelbike und das hochpreisige E-Modell wenden sich zweifellos an unterschiedliche Zielgruppen. Werden sie dann zusammen eingesetzt, beweisen sie, dass sie diese Gruppen sehr gut zusammenführen können. Das E-Getaway stellt in Sachen Motorisierung das derzeitige Optimum am Markt dar, zumal es ein mehr aus ausreichendes Maß an Motorkraft mit natürlichem Fahrgefühl und geringem Gewicht kombiniert. Das Gavere Com beweist derweil, für wie viel Fahrspaß auch ein bescheidenes Alu-Modell gut ist. Und während das Gavere in diversen Ausstattungs-Optionen zahlreiche Geschmäcker bedient, könnte man sich beim E-Getaway mehr Auswahl wünschen: Warum nicht beim Test-Modell die Carbonlaufräder weglassen und den Preis senken, dafür aber eine Oberklasse-Version mit dem Aero-Radsatz plus elektronischer SRAM 1x13 danebenstellen?

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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