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KomponentenTests

Komponenten: Specialized Power Sattel: Keine Nase, kein Problem?

5. Mai 2015 by Michael Faiß

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Test: Vor einigen Wochen überraschte Specialized mit der Vorstellung des neuen Power-Sattels. Die Kalifornier verfolgen damit einen in dieser Art völlig neuen und zugleich durchaus mutigen Ansatz. Basierend auf dem Triathlon- und Zeitfahrsattel Sitero hebt sich der Power nämlich durch seine besondere Form von der Masse der Sättel ab: Auf eine Nase wird nämlich fast ganz verzichtet. Zudem soll der Power von Triathlon über Straße bis zu Cross Country fahrbar sein.

Man muss sich zuerst schon mit der eigenwilligen Optik des Sattels anfreunden (das grelle Grün unseres Presseexemplars half dabei nicht unbedingt) – doch wer viel Zeit im Sattel verbringt, der weiß: Beim Sattel entscheidet ausschließlich das „Popometer“ – entweder er passt oder er passt nicht, alles andere ist sekundär. Im Handel ist der Power in vier verschiedenen Varianten erhältlich: S-Works, Pro, Expert und Comp.



[easytable]

,S-Works Power,Power Pro,Power Expert,Power Comp

Sitzschale,FACT Carbon,FACT Carbon,Carbon-verstärkt,Carbon-verstärkt



Rails,Carbon,Titan,Titan,CrMo Edelstahl

Polsterung,dünn,dünn,mittel,mittel

Breiten,143/155mm,143/155mm,143/155/168mm,143/155/168mm



Gewicht (143mm),159g,211g,233g,247g

UVP,249.90€,179.90€,119.90€,79.90€

[/easytable]


power4

Bei unserem Testmodell handelte es sich um die knapp 120€ teure Expert-Variante. Die Verarbeitung ist tadellos, der Kunststoffbezug macht einen guten und robusten Eindruck. Die Waage bliebt bei 235g stehen und das Gewicht liegt damit nur 2g über der Herstellerangabe – hier neigt man bei der Konkurrenz oftmals eher zum Schummeln, umso erfreulicher, dass man sich bei Specialized an die Wahrheit hält. Nochmals ein paar Worte zu der eigenwilligen Form des Sattels und den Hintergründen: Der Power ist optimiert für die Disziplinen, in denen man für längere Zeit eine eher aggressive Sitzposition auf dem Rad einnimmt: Zeitfahren, Rennrad, Triathlon und auch Cross Country-Athleten sind hier die Zielgruppe. In unterschiedlichen Messungen mit herkömmlichen Sätteln kam man immer wieder auf die Nase als Problemzone. Diese drückt nämlich bei gestreckter, nach vorn geneigter Sitzposition auf den Dammbereich des Fahrers und sorgt nach einiger Zeit für Schmerzen und Taubheitsgefühle. Die pragmatische Lösung bei Specialized – weg mit der Nase!

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power5

Die kurze Form des Sattels hat schon bei der Montage erste Folgen: Um eine vergleichbare Sitzposition wie bei einem herkömmlichen Sattel zu erreichen empfiehlt man seitens Specialized, den Power etwas nach hinten versetzt zu montieren – wer seinen momentanen Sattel bereits bis zum Anschlag nach hinten geschoben hat, muss eventuell auf eine Stütze mit der Setback zurückgreifen. Bei uns war es allerdings kein Problem, auch wenn wir den Sattel bis ganz zum Ende der Markierung schieben mussten, um eine vergleichbare Sitzposition wie beim zuvor mittig montierten Selle Italia SLR TT zu erhalten.

Praxis

In unserem Test kommt der Specialized Power auf einer Cross Country-Rennfeile zum Einsatz. Wie die Optik ist auch das erste Probesitzen äußerst gewöhnungsbedürftig: Das breite Hinterteil steht der fehlenden Nase gegenüber und auch die sehr großzügige mittige Aussparung kennt man so nur von wenigen Satteln in dieser Kategorie. Nach einigen Kilometern hat sich unser Hinterteil allerdings an den Power gewöhnt und die Vorzüge sind bereits deutlich spürbar. Auch wenn man anfangs beinahe das Gefühl hat, auf dem Sattel nach vorn überzukippen, erweist sich das Fehlen der Nase zumeist als großer Komfortgewinn: Auch nach längerer Zeit im Sattel drückt rein gar nichts im Schritt – wieso ist eigentlich niemand früher auf die Idee gekommen?



power2

Ist der Verzicht auf eine Nase also ausschließlich positiv? Leider nein, wie wir während unseres Tests bald feststellen mussten. Gerade im XC-Bereich, doch auch im Cyclocross und gar beim Rennrad ist die Sattelnase oftmals Notnagel, wenn man droht die Kontrolle über das (Hinter-)Rad zu verlieren. Das ist natürlich stark von Einsatzbereich und Fahrtechnik abhängig, doch wir sind bei der einen oder anderen rutschigen Bergab-Passage kurz ganz schön ins Schwitzen geraten, als unsere Oberschenkel ins Leere „griffen“. Das ist zwar mitnichten ein KO-Kriterium und sicherlich auch Gewohnheitssache, doch jeder Radfahrer weiß, wie schwer man solche Angewohnheiten und Reflexe wieder losbekommt.

Die Polsterung unserer Expert-Version fiel für unseren Geschmack im sportlichen Einsatz etwas zu dick aus. Wir haben etwas das direkte Feedback vom Bike vermisst und hatten generell ein etwas „schwammiges“ Gefühl. Schade, dass man gezwungen ist, die teuren Pro oder S-Works Modelle zu kaufen, wenn man gerne eine dünnere Polsterung hätte. Ein nützliches Feature sind außerdem noch die in die Sattelschale integrierten Gewindeösen für das Specialized-eigene SWAT-System (Storage, Water, Air und Tools). So lässt sich beispielsweise die Trinkflasche oder die Minipumpe direkt unter dem Sattel verstauen – ohne halbgare oder wackelige Lösungen mit Satteltaschen.



power6

Auf einen Blick – der Specialized Power Sattel

  • Neuartige Form mit reduzierter Nase
  • SWAT-Integration
  • Vier Varianten
  • Herstellerseite

Fazit

Hält der Specialized Power Sattel in der Praxis also die hochtrabenden Versprechungen? Diese Frage lässt sich eigentlich fast uneingeschränkt bejaen. Wir waren selbst überrascht, wie stark und insgesamt positiv sich die fehlende Nase in Verbindung mit der breiten Form und der großen Aussparung auswirkt. Die ersten Kilometer sind gewöhnungsbedürftig, doch danach folgte bei uns der Aha-Effekt. Wie bei jedem Sattel gilt jedoch auch für den Specialized Power: Ob er passt, kann letztendlich nur eine Probefahrt klären. Auch die fehlende „Lenkmöglichkeit“ per Nase ist ein Kriterium, das keineswegs auf alle Fahrer zutrifft.

Stichworte:NewsSattelSpecialized PowerTestsTicker

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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