Test Radon Spire 10.0: Der Bonner Versender hat eine Rennmaschine im Portfolio, die preis-leistungs-mäßig nicht zu toppen ist. Wie fährt sich die schlanke Rennmaschine, an der so ziemlich alles verbaut ist, was man sich aktuell wünschen kann?
Keine 5.000 Euro für ein Carbonrad mit Shimano Dura-Ace Di2? Das mag man kaum glauben, und den Wettbewerb wird es auch nicht trösten, dass das Radon Spire 10.0 eigentlich mit einem Streichpreis von 5.999 Euro ausgezeichnet ist. Dann wäre es immer noch extrem preiswert, aber immerhin hätte man nicht ganz so sehr das Gefühl, die Bonner hätten was zu verschenken. So aber kann man eine dicke Überraschung erleben, wenn man die Einzelteile zusammenrechnet: Die edle Komponentengruppe hat einen UVP von rund 3.900 Euro, der Newmen-Radsatz wird auf der Hersteller-Homepage mit 1.690 Euro gelistet. Das Carbon-Cockpit … aber eigentlich kann man bereits hier aufhören zu rechnen.
Radon Spire 10.0: Kundenfreundlichst kalkuliert
Hintergrund ist natürlich, das Radon als Radhersteller zu anderen Preisen einkauft als der Endkunde im Radladen. Dass es überhaupt möglich ist, ein Dura-Ace-Bike zu solch einem Preis anzubieten, kann einen allerdings schon nachdenklich machen, was die Kalkulation der Mitbewerber angeht. Können sich diese wenigstens damit trösten, dass man beim Radon angesichts des Hammerpreises Kompromisse eingehen muss?
Leider nein. Erst einmal ist das Rad extrem leicht – in Größe L für Fahrer ab ca. 1,80 Meter wiegt es gerade mal 6,85 Kilo. Das deutet auf ein geringes Rahmengewicht hin, das vom Anbieter mit 950 Gramm in kleinster Größe angegeben wird. Dann ist der Rahmen sehr modern gezeichnet, ohne extrem zu sein: Das Radon weist typische Aero-Merkmale wie ein ausgekehltes Sitzrohr und tief angebrachte Sitzstreben auf, das Steuerrohr ist sichtbar tailliert, ohne allerdings wie bei Aero-Bikes nach hinten verlängert zu sein. Auch der Übergang zur Gabel ist nicht sonderlich fließend. Insgesamt ist das Radon recht schlank gehalten und dürfte damit gerade Sportlerinnen und Sportler ansprechen, die mit den modernen flächigen Formen nicht so viel anfangen können.
Radon Spire 10.0: Die Highlights
- Rahmen: Radon Spire Carbon, Reifenfreiheit 30 mm
- Schaltgruppe: Shimano Dura-Ace Di2
- Laufradsatz: Newmen Streem Climbing Vonoa
- Gewicht: 6,85 kg (Gr. L, ohne Pedale)
- Preis: 4.999 Euro
- Sportlich geschnittene Rennmaschine mit superstarkem Preis-Leistungs-Verhältnis
Sportliche Geometrie und sehr geringes Gewicht
Potenzielle Interessenten sollten allerdings ambitioniert sein, denn die Geometrie des Spire ist ziemlich kompromisslos. Mit knappem Stack und langem Reach sitzt man so gestreckt und gebeugt auf dem Radon, wie es sich für eine reinrassige Rennmaschine gehört. Kurzer Radstand und eher steiler Lenkwinkel führen zu handlichem Lenkverhalten und großer Agilität im Wiegetritt.
| Rahmenhöhe | 49 | 52 | 54 | 56 | 59 |
|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge (mm) | 460 | 490 | 510 | 530 | 560 |
| Oberrohrlänge horizontal (mm) | 515 | 536 | 548 | 565 | 587 |
| Sitzwinkel | 75° | 74° | 73,5° | 73,2° | 73° |
| Steuerrohrwinkel | 71,5° | 72,5° | 73° | 73,5° | 73,5° |
| Kettenstrebenlänge (mm) | 408 | 408 | 408 | 408 | 408 |
| Steuerrohrlänge (mm) | 110 | 120 | 140 | 160 | 180 |
| Radstand (mm) | 975 | 975 | 981 | 994 | 1010 |
| Tretlagerabsenkung (mm) | 69 | 69 | 69 | 69 | 69 |
| Überstandhöhe (mm) | 743 | 767 | 787 | 808 | 832 |
| Reach (mm) | 379 | 384 | 388 | 397 | 406 |
| Stack (mm) | 508 | 523 | 542 | 563 | 588 |
| Gabelvorbiegung (mm) | 45 | 45 | 45 | 45 | 45 |
Außerdem ist das Rad ausgesprochen vortriebsstark und lässt sich blitzschnell auf Touren bringen, was ebenso für solide Rahmensteifigkeit spricht, wie es dem geringen Gewicht zu verdanken ist. Gerade der kaum mehr als ein Kilo wiegende Radsatz dürfte sich hier hervortun. Die Newmen-Räder sind in erster Linie gewichtsoptimiert, mit vorne 35 und hinten 58 mm tiefer Felge aber definitiv nicht un-aerodynamisch. Außerdem kommen vorne gerade mal 15 und hinten auch nur 18 Speichen zum Einsatz. 22 mm Maulweite sind optimal für aktuelle Reifenbreiten, und die außen bis zu 29,5 mm breiten Felgen dürften im Fahrtwind sehr gut mit den schnellen 28er Conti-Reifen harmonieren, die Radon verbaut.
Eine optimale Positionierung auf dem Radon Spire wird etwas durch die stark nach hinten versetzte Sattelstütze erschwert, in der man den Sattel tendenziell ziemlich weit vorschiebt. Immerhin ist die Stütze trotz ihrer aerodynamischen Form durchaus komfortabel, wie auch das ganze Rad kein bisschen hart wirkt. Gut, denn mehr als 30 mm breite Reifen passen nicht rein, und so kann man aus dem Reifenvolumen nur bedingt weitere Stoßdämpfung rausholen.
Profi-Komponenten mit langer Übersetzung
Wie ein Radprofi kann man sich mit der Shimano Dura-Ace Di2 fühlen. die Komponenten sind im Rennsport immer noch das Maß aller Dinge und überzeugen mit perfekter Funktion von Schaltung und Bremsen, wobei vor allem die Gangwechsel merklich geschmeidiger ablaufen als an der Shimano 105 Di2, die man an ähnlich ausgepreisten Rennrädern manch anderer Anbieter findet. Radon verbaut die Gruppe wirklich komplett inklusive dazugehöriger Bauteile wie Kassette und Kette; die Kettenblatt-Übersetzung von 52-36 Zähnen ist für heutige Verhältnisse lang, wird dem sportlichen Charakter des Radon allerdings gerecht.

Muss man beim Radon Spire 10.0 also irgendetwas vermissen? Wenn überhaupt ist es das auf eine Variante begrenzte Farbspektrum – in dieser Ausstattungsvariante bieten die Bonner das Rad nur in „Bizarreolive“ an. Andere Ausführungen gibt es in Mattschwarz (SRAM Force, 4.499 Euro) oder Weiß (Shimano Ultegra Di2, 3.699 Euro) – und jedes einzelne Modell ist so preisaggressiv, dass eigentlich immer noch ein paar Hundert Euro für eine individuelle Lackierung übrig sein müssten.
Wahoo Elemnt Roam: der Radcomputer der Class Cool
Großer Funktionsumfang, leichte Bedienbarkeit und intuitives Set-up: Mit diesen Eigenschaften hat sich der Touchscreen-Tacho zum Liebling der Rennrad-Community entwickelt. Und auch Velomotion hat sich für die „Class Cool“ für das vielseitige Gerät entschieden.
Was die „Class Cool“ am Lenker hat? Klar, gute GPS-Tachos gibt es viele, doch dass immer mehr Radsportlerinnen und Radsportler auf Wahoo schwören, hat sicher nicht nur mit der Gausschen Normalverteilung zu tun. Eher liegt es wohl daran, dass der Anbieter nicht alles anders, aber vieles besser macht als die Konkurrenz – und los geht es bereits damit, dass bei Wahoo der Radsport absolut im Zentrum steht, statt nur ein Randaspekt der Modellpalette zu sein.

Das wohl beste Beispiel dafür ist der Wahoo Elemnt Roam, der in der Mitte der Range die Vorteile von Topmodell und Basisversion vereint. Wie letzterer ist er recht kompakt, dabei bereits mit größerem Bildschirm ausgestattet als der günstige Bolt. Und mit dem Topmodell teilt er sich die Funktionalität des Touchscreens, welche gerade bei der Navigation ein großer Vorbild ist, indem sie die Kartendarstellung mit Zoomen und Verschieben deutlich vereinfacht. Das scharf abbildende Farbdisplay ist in dieser Hinsicht in zusätzliches Plus.
Von der Bedienung über sechs Tasten lässt Wahoo trotz des hochwertigen Bildschirms nicht – und hier zeigt sich wieder die Radsport-Expertise des Anbieters. Auch mit Handschuhen und ohne langen Blickkontakt ist es möglich, die Anzeigenfenster zu wechseln oder die Anzahl der Datenfelder aus dem Display zu ändern. Und auch die Einrichtung könnte leichter kaum sein, wobei ein großer Vorzug der Wahoo-Oberfläche die optimalen Individualisierungsmöglichkeiten sind. Was und wie viel angezeigt wird, können die Nutzenden selbst festlegen – und daraus ergibt sich eine intuitive Bedienlogik, mit der man einfach unglaublich gut zurechtkommt. Damit spricht der Wahoo Elemnt Roam ebenso die jungen „Digital Natives“ an wie jene, die die Bedienung elektronischer Geräte noch nicht im Kindesalter gelernt haben und deshalb einfache Zugänglichkeit schätzen.
Hier geht’s zum Wahoo Elemnt Roam 3.
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