Test Bulls Machete R2: Mit seiner neuen Rennmaschine zeigt der Kölner Hersteller, wie nah sich Straßenrad und Gravel-Racebike inzwischen gekommen sind. Im 2×12-Trimm beweist das neue Modell eine so große Vielseitigkeit, dass man sich die zusätzliche Anschaffung eines Gravelbikes eigentlich sparen kann.
Beim Rennrad hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Zu den klassischen Rennmaschinen gesellten sich irgendwann Endurance-Modelle mit aufrechterer Sitzhaltung und leichteren Gängen. Dann wurde Cyclocross (wieder) populär und weckte ein Bewusstsein dafür, dass sich Rennlenker und Gelände nicht ausschließen mussten. Daraus und aus dem Trend, Langstreckenrennen über unbefestigte Straßen zu fahren, wurde das Gravelbike geboren; dieses wiederum inspirierte die Branche zu Endurance-Rennrädern mit zusätzlicher Funktionalität – Platz für breitere Reifen, Montagemöglichkeiten für Taschen und Anbauteile und vieles mehr.
Bulls Machete R2: Erlaubt ist, was funktioniert
Und spätestens seit der typische Rennrad-Reifen 28 bis 30 mm breit ist, haben sich auch die Sehgewohnheiten geändert. Beim Rennrad ist heute erlaubt, was gefällt (und funktioniert) – und das hat zu Roadbikes wie dem Bulls Machete R2 geführt, die vor zehn Jahren wohl noch nicht denkbar gewesen wären.

Was haben die Kölner gemacht? Den Modellnamen „Machete“ kennt man von Bulls seit ein paar Jahren: Es war das erste Carbon-Gravelbike der Marke, zu deren Engagement im MTB-Sport passend vom Mountainbike her entwickelt mit hoher Front, flachem Lenkwinkel und Federgabel-Option. Von den Bulls-Werksfahrern war es Alban Lakata, der das Machete besonders intensiv nutzte: Der mehrfache MTB-Marathon-Weltmeister fuhr damit 2022 bei der ersten Gravel-Weltmeisterschaft auf Platz 29 und bestritt in den folgenden Jahren etliche weitere Schotterrennen.
Neuentwicklung für Straße, Gravel und Cyclocross
Dazu muss man natürlich sagen, dass das Bulls Machete nicht wirklich für „Gravel race“ konzipiert war und von Lakata mit anderen Komponenten und flachem Carbon-Cockpit passend gemacht werden musste. Schon damals mag man sich also bei Bulls Gedanken über ein passenderes Bike gemacht haben, und das wurde auf der Hausmesse 2025 als Bulls Machete RX vorgestellt. Seine Eckpunkte: deutlich sportlichere Geometrie, gut 45 mm Reifenfreiheit, UDH-Hinterbau und SRAM 1×13.
Gleichzeitig zeigte Bulls einen auf demselben Rahmen basierendes Rennrad – und damit sind wir endlich beim Thema. Als Bulls Machete R2 mit Shimano Ultegra Di2 beweist dieses Bike nämlich, dass die Branche inzwischen so dahin gekommen ist, praktisch keinen Unterschied mehr zwischen Rennrad, Crosser und Gravelbike machen zu müssen. Jedenfalls nicht dann, wenn man sich an ein allgemein interessiertes Publikum wendet, die nicht in einer der drei Disziplinen ganz spezielle Ansprüche haben.
Ein Interesse am Bulls Machete R2 setzt allerdings gewisse sportliche Ambitionen voraus. Denn die Synthese aus Straße, Cross und Schotter funktioniert nur mit einer aggressiven Sitzgeometrie, mit der sich das Bulls an veritablen Profi-Rennmaschinen sowie an Gravel-Racebikes wie dem Specialized Crux orientiert. Entschärft wird die sportliche Haltung auf dem Bulls durch ganze 5 cm Spacer unterm Lenkervorbau, doch wer die entfernt und das Steuerrohr entsprechend kürzt, sitzt wie ein Rennfahrer. Mit einem Lenkwinkel, der bei allen vier Rahmengrößen 72° beträgt, befindet sich das Bulls ebenfalls in guter Gesellschaft: Der Wert entspricht typischen Race-Gravelbikes und findet sich auch an Endurance-Rennrädern, die auf ruhigen Geradeauslauf zugeschnitten sind. Die 425 mm langen Kettenstreben finden sich ebenfalls an vielen Gravel Racern.
Rennradgruppe und Carbon-Laufräder
Die Komplettierung mit der verlässlichen und präzisen Shimano Ultegra Di2 ist ein weiterer Pluspunkt. Dazu spezifiziert Bulls einen „Mavic Allroad“-Laufradsatz, der gut geeignet ist für breitere Straßenreifen wie die schnellen 38er Schwalbe Pro One sowie natürlich für Gravelreifen. Mit einem Berggang unterhalb von 1:1 lassen sich mit dem Bulls auch Steilstücke bewältigen; bei hohem Tempo zahlen sich neben der modernen Formgebung des Rahmens auch die aerodynamisch optimierten Carbonfelgen aus. Bei mittlerer Rahmenhöhe scheint ein Gewicht von knapp neun Kilo realistisch, womit das Bike auch in dieser Hinsicht überzeugt. Und natürlich gefällt das Machete mit Details wie dem verdeckten Achsgewinde rechts an der Gabel, der integrierten Sattelklemme sowie hochwertigen Bauteilen wie der Carbon-Sattelstütze und dem einteiligen Carbon-Cockpit. Und natürlich erlaubt das Bulls die erwähnte Montage von Zubehör wie einer Tasche unterm Oberrohr.
Für Weltmeister Alban Lakata hat Bulls damit das perfekte Renn- und Trainingsgerät geschaffen – der Österreicher nutzt sein Machete nämlich zum Straßentraining wie als Renngerät im Gelände und muss sich nicht mehr mit Umstellungsproblemen herumärgern. Wobei sich das Bulls Machete R2 natürlich nicht (nur) an Rennfahrer wendet: Mit 4.999 Euro ruft der Kölner Anbieter für sein vielseitiges Rennrad einen angemessenen Preis auf. Umso mehr, als dass man sich beim Kauf des Machete R die zusätzliche Anschaffung eines Gravelbikes eigentlich sparen kann – ein zweiter Laufradsatz mit Stollenreifen reicht schon…






