Test Lapierre Pulsium 8.0 2026: Die vierte Generation des Allroad-Renners präsentiert sich deutlich weiterentwickelt. Dazu gehört ebenso eine sportlichere Geometrie wie der hohe Komfort des für Lapierre typischen Hinterbaus. Auch an der Reifenfreiheit hat der Hersteller geschraubt, womit das neue Modell noch einmal vielseitiger geworden ist – und übermäßig viel muss man für all diese guten Eigenschaften nicht bezahlen.
Beim Traditionshersteller aus Dijon ist viel in Bewegung. Mit der Zusammenlegung der Modelle Aircode und Xelius zum neuen Lapierre Xelius DRS verschlankten die Franzosen ihr Rennrad-Portfolio und hoben dabei die Trennung zwischen Road-Aero-Renner und Bergspezialist auf. Und nun hat das Allroad-Bike der Marke ein Update erhalten, wobei der Vorgänger nur gut zwei Jahre am Markt war. Mit dem Lapierre Pulsium 8.0 2026 liegt nun die vierte Generation des Komfort-Modells vor, und die hat einen deutlichen Schritt in Richtung höherer Sportlichkeit gemacht.

Lapierre Pulsium 8.0 2026: Die Highlights
- Preis 4.999 Euro
- Gewicht 7,89 Kilo (Gr. L, tubeless)
- 38 mm Reifenfreiheit
- Gewinde für Schutzbleche und Oberrohrtasche
- Sportliche, ausgewogene Geometrie
- Shimano Ultegra Di2 und DT Swiss ERC 1600 45 mm
Was ist neu am Lapierre Pulsium 2026? Vor allem eine Sache fällt sofort auf, wenn man sich das aktuelle Modell anschaut: Nach Allroad sieht dieses Rad eigentlich nicht aus. Stattdessen fallen aerodynamische Formen auf, mit denen man das Rad fast mit dem reinen Race-Modell Xelius verwechseln könnte. Einen Anteil daran hat nicht zuletzt der markentypische Verlauf der Sitzstreben, die berührungslos am Sitzrohr vorbei führen und ins Oberrohr münden. Dieses Komfort-Element ersetzt beim aktuellen Lapierre Pulsium das Elastomer-Element, über das die besseren Ausführungen das Vorgängers verfügten.
Lapierre Pulsium 8.0 2026: Vielseitig dank Gravelbike-Details
Bei genauerem Hinschauen findet man weitere Details, die an einer reinrassigen Rennmaschine fehlen dürften: So können ans Pulsium Schutzbleche montiert werden, und ganz Gravelbike verfügt der Rahmen über Gewinde auf dem Oberrohr. Und noch etwas ist kaum mit der schnellen Optik des Lapierre zusammenzubringen: Der Hersteller gibt nun mit 38 mm noch breitere Reifen frei, wobei es an der Gabel locker, am Hinterbau vielleicht gerade noch so für 40er reichen sollte. Wenn das nicht nach „Gravel light“ klingt…
Das Tolle dabei ist: Trotz dieses potenziellen Komfort-Vorsprungs fährt sich das Lapierre Pulsium wie eine richtige Rennmaschine, zumal man auch so auf dem Bike sitzt. Beim Testrad in Größe L fällt der Stack angesichts von 175 mm Steuerrohrlänge und der hoch bauenden Gabel mit 579 mm gut 2 cm größer aus als beim extrem geschnittenen Lapierre Xelius; gleichzeitig ist das Pulsium rund 15 mm kürzer. Im Vergleich zum Vorgänger ist das aktuelle Pulsium jedoch sportlicher geschnitten, und insgesamt ist dem Hersteller eine sehr gelungene Balance aus aerodynamisch günstiger Körperhaltung und Komfort gelungen. Nicht vergessen darf man dabei, dass an vielen stark rennorientierten Bikes Spacer untrem Vorbau zum Einsatz kommen, um deren Position zu entschärfen. Am Lapierre Pulsium kann man sich das sparen.
Ein weiteres Merkmal des Allround-Modells ist der etwas flachere Lenkwinkel, der allerdings nicht zu einem sonderlich behäbigem Charakter führt. Das Rad steuert sich sehr agil und erweist sich bergauf im Wiegetritt als angenehm lebendig; ein etwas längerer Radstand und die 415-mm-Kettenstreben sorgen zwar für einen sehr sicheren Geradeauslauf, stehen einem im positiven Sinne neutralen Charakter aber nicht im Wege.
Vorne schnell, hinten komfortabel
Wie viel Komfort kann man von einem Allroad-Bike erwarten? Die Franzosen kombinieren eine deutlich aerodynamisch geformte Gabel mit flachen, querstehenden und leicht gebogenen Sitzstreben, die wie beschrieben am Sitzrohr vorbei laufen. Auch auf eine Aero-Sattelstütze wird verzichtet, sodass man das Rahmenkonzept mit „vorne schnell, hinten komfortabel“ beschreiben könnte. Ober vielleicht besser „vorne straff“, denn die Gabel zeichnet sich durch Lenkpräzision und Bremssteifigkeit aus, kommt aber nicht unbedingt vibrationsdämpfend rüber, während das Heck des Pulsium auf keinen Fall hart wirkt. Klar, die 32 mm breiten Conti-Reifen tun das Ihre zum Fahrkomfort dazu. Doch auch mit schmaleren Pneus dürfte sich das Rad sehr angenehm fahren.
Die andere Seite der Medaille ist eine gefühlt hohe Rahmensteifigkeit, die zackige Beschleunigung erlaubt und das Lapierre im Wiegetritt bergauf sehr reaktiv erscheinen lässt. Hier bewähren sich Merkmale wie das breit bauende PreissFit-Tretlagergehäuse und wiederum die Sitzstreben mit rechteckigem Querschnitt. Insgesamt präsentiert sich das Lapierre Pulsium damit sehr ausgewogen – angenehm komfortabel, dazu steif und recht agil und jedenfalls aerodynamisch genug, um sich nicht abhängen zu lassen.

Am Carbonrahmen fallen neben den guten Montagemöglichkeiten Details wie eine innenliegende Sitzklemme mit von oben gut erreichbarer Schraube auf; der Akku der Shimano Ultegra Di2 ist unten im Sitzrohr platziert und kann durch eine verdeckte Öffnung unterm Tretlager einfach entnommen werden. Die Demontage der Sattelstütze ist damit kein Problem. Neben der bewährten Komponentengruppe verbaut Lapierre einen ausgesprochen wertigen DT-Swiss-Radsatz mit breiten Felgen und 22 mm Maulweite, der optimal auf moderne Reifenbreiten zugeschnitten ist. Ein einteiliges Carbon-Cockpit ist zwar nicht an Bord, dafür aber immerhin ein oben flach ausgeformter Carbonlenker mit innenliegenden Bremsleitungen und angenehmem „Flare“, d. h. leicht nach außen abgewinkelten Lenkerbögen. Dieses Detail schließt an die Thematik „Allroad / Gravel light“ an und wirkt an dem vielseitigen Renner sehr stimmig.
Gut ausgestattet und eher leicht
Knapp 7,9 Kilo wiegt das Lapierre Pulsium 8.0, wobei die Umrüstung auf Tubeless einen gewissen Gewichtsvorteil bringt. Das ist in dieser Preisklasse ein solider Wert, und ohnehin fällt das Rad mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis auf. 4.999 Euro sind angesichts der hochwertigen Komplettierung ein sehr faires Angebot und vielleicht ein weiterer Grund, aufs ausgewogene Pulsium statt aufs zugespitzte Xelius zu setzen. Denn dieses kostet mit identischem Aufbau und Carbon-Cockpit 500 Euro mehr.









