Test Velo de Ville Loady: Das vom Kompakt-E-Bike abgeleitete Lastenrad lässt sich einfach fahren und schwer beladen. Zwei Kinder, eine erwachsene Person oder ein Großeinkauf: Vieles von dem, was sonst nur mit dem Auto geht, lässt sich mit dem praktischen Long Tail erledigen. Und wer das top ausgestattete Testrad hochpreisig findet, bekommt im Konfigurator bereits für wenig mehr als 4.000 Euro eine tadellos ausgestattete Version.
Das Lastenrad als Lebensphase? Als die Welle der Cargobikes for ein paar Jahren anrollte, war das ein typischer Gedanke: Na gut, ein paar Jahre macht das Sinn. Doch was machen wir mit dem großen Rad, wenn die Kids alleine zur Schule fahren? Inzwischen hat sich herausgestellt: Ein Familien-Bike kann viel mehr als nur Elterntaxi. Wer’s nicht glaubt, muss nur ein paar Runden mit einem Fahrzeug wie dem Velo de Ville Loady drehen.

Der Hersteller aus Westfalen ist ein echter „Hidden Champion“ der Fahrradbranche. Velo de Ville hat sich einen festen Platz auf dem deutschen Markt erarbeitet – ganz ohne lautes Marketing, aber mit einem cleveren Konzept. In dessen Zentrum steht der Konfigurator, mit dem jedes Fahrrad zum Unikat wird. Schaltungsvariante, Ausstattungspaket, Motor beim E-Bike, Rahmenfarbe – jedes Detail kann von der Kundin bzw. vom Kunden individuell festgelegt werden. Das setzt zwar nicht zwingend die Beratung beim Händler voraus, denn konfigurieren kann man auch zuhause vor dem Rechner. Die Abwicklung erfolg aber in jedem Fall über den Fachhandel, was für diesen große Vorteile hat. Musterräder müssen natürlich im Laden stehen, doch da jedes Velo de Ville auf Kundenwunsch gefertigt wird, bleibt dem Händler die mit einiger Ungewissheit behaftete Vororder erspart.
Long Tail mit individueller Komplettierung
Auch das Cargobike entsteht auf diese Weise – doch bevor es mit dem Konfigurieren losgeht, muss man sich natürlich erst einmal mit dem Bike im Allgemeinen beschäftigen. Was zeichnet das Velo de Ville Loady aus? „Long Tail“ nennt sich die Bauform mit verlängertem Hinterbau und entsprechend geräumigem Gepäckträger – ein Konzept, das gegenüber dem sogenannten „Long John“ Vor- und Nachteile hat. Bei einem Modell wie dem Velo de Ville FR8 (wie „Fracht“) ist zwischen Fahrer und Vorderrad Platz für eine große Transportfläche, die schwerpunktgünstig niedrig angebracht ist – der Boden befindet sich in etwa auf der Höhe des Tretlagers.
Mit diesem Transportbike könnte man auch eine Waschmaschine befördern, was beim Loady natürlich nicht geht. Denn beim Long Tail ist das Hinterrad einer planen Ladefläche im Weg. Dafür eignet sich die Grundform des Gepäckträgers umso besser für den Personentransport, denn zwei Kinder können bequem hintereinander sitzen. Außerdem lassen sich auf den großen Trittbrettern geräumige Packtaschen abstellen (Setpreis 299 Euro), und der umlaufende Bügel des Trägers erlaubt es, Getränkekisten zu transportieren, die einfach draufgestellt werden. Und mit 75 Kilo Zuladung ist der Hackträger so stabil, dass auch eine erwachsene Person mitgenommen werden kann.

Hohe Zuladung und sichere Fahreigenschaften
Beim Loady ist die große Transportkapazität mit einem großen Vorteil verbunden: Das Long Tail fährt sich wie ein normales E-Bike, während ein Long John sehr feinfühlig gesteuert werden muss. Umstellungsprobleme vom normalen Rad gibt es beim Velo de Ville Loady nicht, das außerdem rund 25 Kilo leichter ist als das FR8 – Grundgewicht 33 zu 58 Kilo. Damit hat das 20-Zoll-Bike einen deutlichen Handling-Vorteil, außerdem ist es auch bei hohem Tempo fahrstabil und vermittelt viel Sicherheit. Und so lässt sich das Loady wie ein Standard-E-Bike nutzen, wenn mal nicht Kinder und Einkäufe herumgefahren werden. Hier kommt auch der attraktive Preis des Long-Tail-Bikes ins Spiel: Wer sich beim Konfigurieren zurückhält und den kräftigen Bosch-Performance-Motor nebst 400-Wh-Akku und Neungang-Kettenschaltung wählt, bekommt für 4.050 Euro ein voll ausgestattetes Lastenrad inklusive Sitzbank, Trittbretter und Handrail.
Zum Standard gehört der solide Zweibeinständer mit Arretierhebel am Lenker; typisch fürs Loady ist auch der höhenverstellbare und drehbare Speedlifter-Vorbau, den es von seinem Verwandten übernommen hat, dem 20-Zoll-Bike. Bereits der Basis-Scheinwerfer ist mit 70 Lux ziemlich hell, sodass hier ein Upgrade nicht unbedingt nötig ist. Eine interessante Option ist allerdings die Blinkeranlage von Busch & Müller (+ 279 Euro): Wer sie am Rad hat, muss nicht mehr per Hand einen Fahrtrichtungswechsel anzeigen – gerade beim Cargobike lässt man ja ungern den Lenker los. Ebenfalls sinnvoll ist der Frontkorb, den Velo de Ville in zwei Varianten ab 99 Euro anbietet und der zusätzliche zehn Kilo Gepäck trägt.
Zahlreiche Optionen je nach Bedarf und Budget
Natürlich gibt es im Konfigurator von Velo de Ville auch für Motor und Schaltung mehrere Optionen. In Sachen Durchzug, Fahrkomfort und Wartungsarmut ist das Testrad bestens aufgestellt mit Bosch Performance CX (+ 300 Euro) nebst 545-Wh-Akku (+ 299 Euro), stufenlosem automatischem Enviolo-Getriebe (+ 750 Euro) sowie Gates-Riemenantrieb (+ 299 Euro). Wer regelmäßig zwei Kinder befördert und/oder längere Steigungen bewältigen muss, ist mit dieser Technik gut beraten, und auch die stärkere Bremsanlage mit Vierkolben-Sattel vorne (+ 99 Euro) macht Sinn. So kostet das Loady insgesamt 5.895 Euro, wobei zwischen der Basisvariante und dem Topmodell zahlreiche weitere Wahlmöglichkeiten liegen. So lässt sich das Loady auch ans individuelle Budget anpassen.
Eine interessante Variante ist etwa der neue Bosch PX mit starkem 90 Nm Drehmoment, der gegenüber dem Bosch Performance nur 100 Euro Aufpreis kostet; die mechanisch schaltende Enviolo ist bereits ab 350 Euro verfügbar. Ein solches Loady wird kaum teurer als ein konventionelles Bosch-Elektrorad, ist aber natürlich deutlich vielseitiger einsatzbar. Mehr als nur ein Fahrrad mit Motorunterstützung stellt das Long Tail es eine neue Fahrzeuggattung dar, die nicht unbedingt an die Lebensphase mit kleinen Kindern gebunden ist.







