Test Moustache Dimanche 28 Urban: Der französische Hersteller verwandelt sein E-Gravelbike in ein sportliches Alltagsrad mit leichtgängigem Handling und dynamischem Vortrieb. Die kurze Luftfedergabel sorgt für Komfort, ohne merklich in die Geometrie einzugreifen; dazu kommen diverse Maßnahmen, die das Dimanche fit für die Alltagsnutzung machen.
Der Anbieter aus den Vogesen hat in wenigen Jahren ein komplettes Programm auf die Beine gestellt. Seit zwei Jahren gehört das E-Gravelbike Moustache Dimanche 29 Gravel dazu, das auf dem Bosch Performance SX basiert und auch in einer Flatbar-Variante angeboten wird. Für einige Varianten des Dimanche 29 ist ein Ausstattungspaket mit Heckträger, Licht, Schutzblechen und Parkständer verfügbar, das schmale 200 Euro kostet und aus dem Gravelbike praktisch ein Alltagsrad macht. Doch irgendetwas fehlte… Nun hat der Hersteller das Bike noch einmal angepackt und als Moustache Dimanche 28 Urban für die Nutzung auf holperigen Großstadtstraßen optimiert.

Was war dazu nötig? Erst einmal natürlich eine Federgabel, wobei die Grenzen, die der Gravel-Rahmen setzt, gleichzeitig eine Chance darstellt. An einem Bike mit Starrgabel eine Federgabel nachzurüsten, stellt einen Eingriff in die Rahmengeometrie dar, denn die Teleskopgabel hebt die Front an – der Lenkwinkel wird flacher, was einen merklichen Einfluss aufs Fahrverhalten hat.
Kurze Federgabel = unverändert handliche Lenkung
Um diesen Effekt auf ein Minimum zu beschränken, spezifiziert Moustache eine Gabel mit nur 40 mm Weg, sodass der Lenkwinkel um nur gut ein Grad flacher wird. Das sportliche Feeling des Gravelbikes bleibt somit erhalten; mit entsprechender Abstimmung des Luftdrucks dämpft die Gabel dabei wirksam die typischen Stöße und Vibrationen der Alltagsnutzung: Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und Fahrbahnschwellen dringen spürbar schwächer zum Fahrer durch als auf einem Starrbike.
Zur Abrundung des Komfort-Erlebnisses verpassen die Franzosen ihrem Trekkingbike eine luftgefederte Sattelstütze mit ebenfalls 40 mm Federweg, die gleichzeitig per Remote-Hebel am Lenker abgesenkt werden kann. Um sie aufs Fahrergewicht abzustimmen, muss der Sattel abgeschraubt werden, doch der Aufwand würde sich lohnen – am Testbike fühlte sich die Kindshock-Stütze etwas zu straff an.
Dynamische Motorisierung mit Bosch Performance SX
Klar, mit einer Sänfte wie dem vollgefederten Moustache Mardi FS kann sich das Dimanche nicht vergleichen. Muss es auch nicht, denn schließlich folgt es einem ganz anderen Konzept. Die Sitzhaltung auf dem rund 20 Kilo leichten Trekkingbike ist eher sportlich, wobei der Lenkervorbau ruhig etwas länger ausfallen könnte – ein Austausch sollte aber einfach sein. Außerdem ist die Motorisierung mit Bosch SX auf eine dynamische Fahrweise mit hoher Trittfrequenz eingestellt, die dem Antrieb sein volles Drehmoment von 60 Nm entlockt und für sehr zügigen Vortrieb sorgt. Dazu passt das handliche Lenkverhalten, das eher in Richtung Gravelbike als Citybike geht und mit dem man im engen Stadtverkehr gute Karten hat. Nervös wirkt das Moustache dabei nie.
Der Rahmen des Dimanche wurde kleineren Modellpflegemaßnahmen unterzogen, wozu die Verlegung der Ladebuchse gehört. Beim ersten Modell befand sich diese hinter einer Klappe unten am Unterrohr und war schwer zu erreichen; nun ist sie einige Zentimeter über der Tretlagerwelle seitlich angeordnet. Die von Moustache entwickelte spezielle Motoraufhängung dreht das Aggregat nach oben, was der Integrierung in den Rahmen zugute kommt, damit wirkt das Rad insgesamt kompakter und sieht etwas mehr nach Bio-Bike aus.

Unterwegs laden mit dem Bosch Smartphone Grip
Die Öffnung im Oberrohr, in der beim Gravelbike der Bosch System Controller sitzt, wird beim Moustache Dimanche 28 Urban von einer Blende verdeckt, denn am Lenker befindet sich die „Purion 200“-Remote. Zusätzliche ist vorm Vorbau der Bosch Smartphone Grip platziert, der über eine induktive Ladefunktion verfügt. So kann man das Telefon als großes Display nutzen oder einfach unterwegs aufladen.
Das Dimanche 28 Urban grenzt sich durch weitere Merkmale vom Gravelbike ab: So ist der Übersetzungsumfang der Zehnfach-Kassette mit 11-39 eher kurz gehalten im Vergleich zum 11-48er Kranz des Dimanche 29. Und statt grobstolliger Maxxis-Reifen sind am Urban Bike vielseitige Schwalbe G-One Comp montiert – ebenfalls 50 mm breit, aber dank glatter Lauffläche mit sehr angenehmen Rolleigenschaften gesegnet, dabei im Schulterbereich griffig genug für unbefestigte Strecken. Nur die Lenkerform kann im Laufe der mehrstündigen Testfahrt nicht überzeugen: Ein vollständig gerader Flatbar ist nun mal ergonomisch weniger günstig als leicht zum Fahrer hin abgewinkelte Lenkergriffe. Das Umrüsten ist aber wiederum ohne großen Aufwand möglich.
Komplettiert wird das Moustache Dimanche 28 Urban durch Hohlkammer-Schutzbleche, denen der Hersteller maximale Stabilität und damit Klapperfreiheit bescheinigt, sowie einen Mini-Gepäckträger für Taschen nach „Ortlieb Quick-Lock 3.1“-Standard. Für Alltagsfahrten und die Pendelstrecke ist das Bike damit rundum gut ausgestattet; das agile Handling und die die Vorzüge des Bosch-SX-Motors sorgen zusätzlich dafür, dass man auf dem französischen Stadtrad viel Spaß hat. Preislich liegt das Moustache dabei gleichauf mit den meisten Mitbewerbern, unverwechselbar wird es durch die spezielle Motoraufhängung.







