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Gazelle Avignon C380+: Schwungvoller Luxus-Tourer

28. Mai 2026 by Caspar Gebel

Test Gazelle Avignon C380+:

Die Niederlande mögen ein Paradies für Radfahrende sein – aber auf Zack sein muss man schon, um im dortigen Verkehr zurechtzukommen. Denn während das Radfahren hierzulande oft mit einer gewissen Haltung zusammenhängt, ist es bei den Nachbarn in erster Linie eine praktische, dank geeigneter Infrastruktur gut funktionierende Fortbewegungsweise, die alle beherrschen und ausüben. Nichts Besonderes, sondern die Regel – was auch heißt, dass man tunlichst die Regeln befolgen und geschmeidig mitschwimmen sollte, um nicht anzuecken.

Wie man das üben kann? Am besten auf einem Rad wie dem Gazelle Avignon C380+. Das bringt nämlich alles dafür mit, dass man sich aufs Lenken, Bremsen und Wahrnehmen des Verkehrsgeschehens konzentrieren muss, während es einem ein paar andere Sachen abnimmt.



Gazelle Avignon C380+ – die Highlights

  • Unisex-Tiefeinsteigerrahmen in vier Größen
  • Sitzhaltung kann mit verstellbarem Vorbau individualisiert werden
  • Kräftiger Bosch-PX-Motor
  • Enviolo Automatiq – stufenloses automatisches Getriebe
  • Elegantes Rahmendesign mit semi-integriertem Gepäckträger
  • Preis: ab 5.199 Euro mit 540-Wh-Akku (Testrad mit 800 Wh 5.649 Euro)

 

Gazelle Avignon C380+
Gazelle Avignon C380+: Schaltkomfort und variable Lenkerposition.


Bosch Performance PX mit hohem Drehmoment

Das Treten natürlich nicht so ganz – dabei stellt der Bosch PX ein solides Drehmoment von 85 Nm zur Verfügung, das einen eigentlich nie im Stich lässt. Das neue „Performance Upgrade 2.0“ sieht Bosch für diesen Motor zwar nicht vor, doch angesichts eines Unterstützungsfaktors von 3,4 ist die Power des Antriebs ohnehin so ziemlich jeder Situation gewachsen. Die an extremen Steilstücken nötige Eigenleistung lässt sich auch in der aufrechten Sitzhaltung des Avignon gut aufs Pedal bringen. Steigungen um die 6 oder 7 % bewältigt der PX jedoch fast im Alleingang – und viel steiler wird’s selten im Alltag oder auf Touren.

Gazelle Avignon C380+
Der Bosch PX schiebt das Gazelle schwungvoll an.
Gazelle Avignon C380+
Die selbsttätige Schaltung ist für Schaltfaule etwas gewöhnungsbedürftig.

Vom besonders leisen Lauf der Bosch Performance PX hat man hier allerdings wenig – und das hat mit dem hörbaren automatischen Getriebe zu tun, an das man sich erst einmal gewöhnen muss, wenn man bisher selbst geschaltet hat. Am Gazelle ist die Enviolo Automatiq nämlich motor- und getriebeschonend abgestimmt: Die Elektronik verhindert Drehmomentspitzen beim Anfahren, was bedeutet, dass man auf den ersten Metern mit hoher Trittfrequenz loslegen muss. Der Motor quittiert das sofort mit kräftiger Beschleunigung und schaltet deutlich hörbar hoch; in kürzester Zeit hat man also das Reisetempo und eine kommode Kadenz erreicht.



Gazelle Avignon C380+
Konzentration aufs Wesentliche ist eine Facette des Gazelle-Komforts.

Ungewohnt: Start mit hoher Trittfrequenz

Warum das ungewohnt ist? Viele E-Biker/innen haben sich angewöhnt, gleich im dicken Gang zu starten – das Drehmoment des Motors sorgt ja dafür, dass trotzdem genug Schub da ist. Sehr effizient ist das zwar nicht, aber bequem, doch hier bringt einen die Enviolo Automatiq dazu, umzudenken. Wer aber ohnehin mit höheren Frequenzen fährt, hat keine Probleme mit dem Umstieg. Per App kann man das Verhalten der Schaltung natürlich beeinflussen, allerdings lohnt es sich, es mit den Werkseinstellungen zu versuchen – ökonomischer fährt man damit auf jeden Fall.

Gazelle Avignon C380+
Gut erreichbar ist die Ladebuchse am Avignon.
Gazelle Avignon C380+
Der Akku mit dem fest montierten Deckel lässt sich einfach entnehmen.


Mit starkem Motorschub und automatischer Schaltung muss man sich natürlich um gleich zwei Dinge weniger kümmern und hat ebenso Kapazitäten für den Straßenverkehr, wie man die Fahrt auf dem Avignon genießen kann. Die nicht einstellbare Stahlfedergabel ist angenehm weich abgestimmt und reagiert auch auf kleinere Stöße, ihre 40 mm Federweg sind damit voll nutzbar. Mehr muss es im Alltag gar nicht sein, und auch eine Blockierfunktion vermisst man an der Forke nicht – auf dem E-Bike wechselt man schließlich nicht in den Wiegetritt. Auch die Federsattelstütze erfüllt gut ihren Zweck und überrascht dazu mit einem interessanten Merkmal: Die Einstellung der Sattelneigung geschieht über zwei Madenschrauben und ist von der Fixierung der Sattelstreben an der Stütze entkoppelt.

Gazelle Avignon C380+
Elegant gelöst ist die Unterbringung der Frontleuchte.
Gazelle Avignon C380+
Der Gepäckträger ist formschön ins Rahmendesign eingepasst.

Tiefer Durchstieg und semi-integrierter Gepäckträger

Am Gazelle finden sich viele weitere sinnvolle Details, die Funktionalität wie Optik verbessern. Am Rahmen gefällt vor allem die schwungvolle Form des Hinterbaus, der nahtlos in den Heckträger übergeht. Naja, nicht ganz, denn der Träger ist ein separates Bauteil, das sich aber perfekt einfügt. Die hochgelegte Kettenstrebe erleichtert die Verwendung des Zahnriemens, dessen unterer Strang von einer Spannrolle nach oben gedrückt wird. Der großflächige Motorschutz an der Antriebsseite sorgt für eine gelungene glattflächige Optik.



Gazelle Avignon C380+
Mit dem werkzeuglos verstellbaren Vorbau lässt sich die Lenkerposition einfach anpassen.
Gazelle Avignon C380+
Mit flach angestelltem Vorbau sitzt man sportlicher.
Gazelle Avignon C380+
Der Vorbau kann aber auch steil nach oben zeigen, sodass man sehr aufrecht sitzt.

Typisch niederländisch sind Bauteile wie Mantelschoner und Spanngummi am Träger, und auch die ins vordere Schutzblech integrierte Leuchte ist eine Spezialität des Landes. Das gilt auch für den per Klapphebel verstellbaren Lenkervorbau, der gleichzeitig eine Anpassung des Lenkers selbst erlaubt. Der Winkel des Kiox-500-Displays lässt sich ebenfalls einfach ändern.

Gazelle Avignon C380+
Eine Steckachse sorgt für sichere Befestigung des Vorderrades und perfekte Ausrichtung der Bremsscheibe.
Gazelle Avignon C380+
Innen verlegte Leitungen führen zu einem aufgeräumten Erscheinungsbild.
Gazelle Avignon C380+
Ungünstig: Der Schlüssel kann nur abgezogen werden, wenn das Schloss zu ist.


Keine gute Wahl: das bzw. dieses Rahmenschloss

Der nach oben entnehmbare Akku und die gut erreichbare Ladebuchse sind weitere Komfortmerkmale des Gazelle, das am Ende wieder mal nur einen Wunsch offen lässt: Der Schlüssel des Rahmenschlosses kann nicht abgezogen werden, wenn das Schloss geöffnet ist. Das Schloss muss also zwangsweise genutzt werden und man sollte den Schlüssel tunlichst nicht am Schloss vergessen, zumal er auch den Akku entriegelt. In diesem Detail war man bei Gazelle leider nicht auf Zack – und während das Avignon seinen Fahrerinnen und Fahrern das Schalten und übermäßigen Krafteinsatz abnimmt, gibt es ihnen hier etwas mit, an das sie zusätzlich denken müssen.

www.gazelle.de

Gazelle Avignon C380+



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Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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