Nachdem wir im vorherigen Test bereits das Waveform unter die Lupe genommen haben, widmen wir uns nun dem zweiten Flatpedal im Portfolio von Wolf Tooth. Die US-amerikanische Marke aus Minnesota hat sich mit hochwertig gefertigten Bike-Komponenten einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Ein Großteil der Produkte wird direkt am Firmensitz entwickelt und gefertigt. Dabei setzt Wolf Tooth auf präzise CNC-Fertigung, durchdachte Konstruktionen und eine hohe Wartungsfreundlichkeit – Eigenschaften, die sich durch das gesamte Sortiment ziehen.
Mit dem Ripsaw verfolgt Wolf Tooth jedoch einen völlig anderen Ansatz als beim Waveform. Während das große Schwestermodell kompromisslos auf maximalen Halt für Trail-, Enduro- und Downhill-Einsätze ausgelegt ist, richtet sich das Ripsaw vor allem an Tourenfahrer, Trailbiker und Fahrer, die Wert auf Bewegungsfreiheit auf dem Pedal legen. Statt den Schuh möglichst fest in einer Position zu fixieren, soll sich dieser bewusst leichter neu positionieren lassen, ohne dabei auf den notwendigen Grip zu verzichten.
Auch konstruktiv unterscheidet sich das Ripsaw deutlich vom Waveform. Gefertigt wird die Plattform ebenfalls aus CNC-gefrästem 6061-T6-Aluminium, fällt mit 102 x 102 mm jedoch etwas kompakter aus und besitzt anstelle der doppelt konkaven Plattform des Waveform eine leicht konvexe Form. Dadurch liegt der Schuh weniger tief im Pedal und kann sich freier bewegen. Die Plattform ist rundum stark verrundet, wodurch Pedalaufsetzer an Steinen oder Wurzeln möglichst sanft über Hindernisse gleiten sollen. Für den Grip sorgen zehn rückseitig verschraubte Edelstahlpins pro Pedalseite. Im Vergleich zum Waveform, das mit elf Pins pro Seite und seiner ausgeprägten Konkave auf maximalen Halt setzt, fällt das Ripsaw bewusst weniger aggressiv aus. Wie beim größeren Bruder legt Wolf Tooth auch hier Ersatzpins bei, sodass beschädigte Pins schnell ersetzt werden können. Im Inneren arbeitet die gleiche hochwertige Lagertechnik mit drei vollständig gedichteten Industrielagern und einer Igus-Gleitbuchse, die zuverlässig gegen Wasser und Schmutz abgedichtet sind. Auch die Achseinheit lässt sich vollständig zerlegen und warten, wodurch das Pedal auf eine lange Lebensdauer ausgelegt ist.
Bereits auf den ersten Metern fühlt sich das Ripsaw vollkommen anders an als das Waveform. Der erste Eindruck überrascht: Der Grip fällt spürbar geringer aus und der Schuh lässt sich deutlich leichter auf der Plattform verschieben oder neu positionieren. Wer direkt vom Waveform umsteigt, hat zunächst fast das Gefühl, dem Pedal würde es an Halt fehlen. Genau an diesen Charakter muss man sich zunächst gewöhnen und Vertrauen aufbauen.
Mit zunehmender Fahrzeit zeigt sich jedoch, dass dieser Eindruck täuscht. Auf Touren, in längeren Uphills und auf flowigen Trails erzeugt das Ripsaw genau dann ausreichend Grip, wenn er benötigt wird. Der Schuh bleibt sicher auf dem Pedal, ohne unangenehm festzukleben, und ein unbeabsichtigtes Abrutschen konnten wir im Test nicht feststellen. Gleichzeitig lässt sich die Fußposition jederzeit mühelos korrigieren – ein Vorteil, den Fahrer schätzen werden, die sich auf langen Touren mehr Bewegungsfreiheit wünschen.
Sobald das Gelände jedoch steiler, ruppiger und schneller wird, zeigt die konvexe Plattform erwartungsgemäß ihre Grenzen. In anspruchsvollen Downhills vermittelt das Pedal deutlich weniger Sicherheit als das Waveform. Der Fuß steht weniger satt auf der Plattform, wodurch man intuitiv früher zur Bremse greift und insgesamt etwas defensiver fährt. Genau hier wird deutlich, dass das Ripsaw nicht für kompromisslose Bikepark-Runden oder harte Enduro-Einsätze entwickelt wurde.
Für uns ist das Ripsaw deshalb ein hervorragendes Flatpedal für Touren, Trailrunden und entspannte Abfahrten. Hier arbeitet es angenehm unauffällig, bietet ausreichend Grip und überzeugt mit seiner hohen Bewegungsfreiheit. Wer hingegen maximale Kontrolle in schnellen, technischen Downhills sucht oder regelmäßig auf anspruchsvollen Trails unterwegs ist, wird mit dem Waveform die deutlich passendere Wahl treffen. Das Ripsaw richtet sich damit klar an Fahrer, die Komfort und Flexibilität über maximalen Pedalhalt stellen.







