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Radsport

Radsport: CIRC-Bericht: Schlechtes Zeugnis für UCI, Doping noch immer großes Problem

9. März 2015 by Michael Faiß

antidoping

Radsport: Heute Vormittag veröffentlichte die UCI den 227 Seiten langen Bericht der Cycling Independent Reform Commission (Unabhängige Kommission zur Radsport-Reform). Der Bericht enthält zahlreiche interessante und beunruhigende Ergebnisse.

Die im Januar 2014 von der UCI eingesetzte Kommission unternahm während ihrer 13-monatigen Untersuchungen 174 persönliche Interviews mit Fahrern, Verantwortlichen und Funktionären, darunter beispielsweise auch Lance Armstrong, Alexander Vinokurov oder Pat McQuaid. Die CIRC kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die UCI Lance Armstrong während seiner aktiven Zeit bewusst schützte. So heißt es mitunter in dem Dokument, die UCI hätte Armstrong „von Regeln befreit“ und es trotz akuter Verdachtsmomente „versäumt, ihn gezielt zu testen.“ Auf Schmiergelder, die von Seiten des Texaners an die UCI geflossen seien, fand die CIRC jedoch keine Hinweise.



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Auch hinsichtlich ihrer internen Struktur wird die UCI scharf kritisiert. So ist beispielsweise den umstrittenen Präsidentschaftswahlen ein ganzes Kapitel gewidmet und die Kommission kritisiert darin das höchst intransparente Wahlverfahren und sieht dort erheblichen Verbesserungsbedarf für die Zukunft. Unter anderem wird die mangelhafte Überwachung von Geldflüssen in Bezug auf die Wahlen kritisiert.

Der Bericht befasst sich natürlich auch mit der momentanen Situation im Radsport und kommt zu einem überwiegend ernüchternden Urteil. So führten die jüngsten Anti-Doping-Maßnahmen zwar wohl dazu, dass im Profibereich Dopingprogramme nicht mehr wie in der Vergangenheit von den Teams organisiert werden, doch das Problem besteht nach wie vor. In zahlreichen Interviews äußerten Fahrer und Verantwortliche gegenüber der Kommission, dass sie einfach nicht wirklich wüssten, wie die momentane Situation sei. In dem Bericht wird folgende Antwort beispielhaft angeführt: „3 oder 4 Fahrer sind vielleicht clean, 3 oder 4 dopen, beim Rest weiß ich es nicht.“ Die Kommission spricht hierbei von einer in der jüngsten Vergangenheit etablierten „Nicht-fragen-nicht-wissen-Kultur“, gerade von Seiten der Teams.



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Auch wenn das Teamorganisierte Doping anscheinend im Profibereich zerschlagen werden konnte, bedeutet dies laut der CIRC jedoch nicht, dass es keine organisierten Programme mehr gibt. In den Interviews gab es immer wieder hinweise auf von Fahrern oder Ärzten organisierte Programme. Äußerst interessant ist auch ein Hinweis darauf, dass auch Dr. Eufemiano Fuentes trotz seiner Sperre noch immer Athleten behandelt. Deshalb empfiehlt die Kommission auch dringend, sich beim Anti-Doping-Kampf nicht nur auf die Fahrer, sondern insbesondere auch auf das ärztliche Personal zu konzentrieren, denn für zahlreiche Fahrer ist dies noch immer die erste Anlaufstelle bezüglich leistungssteigernder Substanzen.

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Ein gutes Zeugnis stellt der Bericht den neuen Dopingkontrollen aus. Durch diese konnte beispielsweise der Einsatz von EPO so sehr minimiert werden, dass allerhöchstens noch in Mikrodosen gedopt wird, was nur zu sehr geringen Leistungssteigerungen führt. Doch macht die Kommission auch keinen Hehl daraus, dass im Peloton heute auch mit Leistungssteigernden Mitteln gearbeitet wird, die nicht auf der WADA-Liste für verbotene Substanzen stehen. Oftmals wird beispielsweise mit einem Cocktail aus Schmerzmitteln und Koffein-Präparaten gearbeitet.

Wer sich selbst mit dem Bericht beschäftigen möchte, der wird auf der Seite der UCI fündig: CIRC Bericht (englisch)

Stichworte:ArmstrongCIRCDopingNewsTickerUCI

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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