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Produktnews: „Wie ein Messer“: Erneute Verletzung durch Bremsscheibe bei der Abu Dhabi Tour?

24. Februar 2017 by Michael Faiß

Radsport: Sky-Profi Owain Doull war einer der gestürzten Fahrer beim Massensturz der Auftaktetappe in Abu Dhabi. Nach der Zieleinfahrt postete der Brite Fotos auf Twitter, auf denen sein aufgeschnittener Radschuh zu sehen ist – auch einige kleine Schnitte am Fuß erlitt der 23-jährige. Er selbst hat den Verursacher bereits identifiziert: Marcel Kittels Bremsscheibe.

Wie schon im vergangenen Jahr dauert es wieder nur wenige Wochen, bis ein Fahrer aus dem Peloton eine Verletzung auf den Einsatz von Bremsscheiben zurückführt. Dieses Mal erwischte es den Sky-Fahrer Owain Doull. Zwar kam er deutlich glimpflicher davon als Ventoso im letzten Jahr, aber die Fotos des aufgeschnittenen Radschuhs sind durchaus besorgniserregend. Gegenüber Journalisten sagte Doull: „Mein Schuh wurde in Stücke geschnitten, das war definitiv eine Bremsscheibe. Die hat sich einfach durch meinen Schuh in meinen Fuß geschnitten. Ich kann froh sein, dass es mein Bein nicht erwischt hat.“ Unter den gestürzten Fahrern war auch Marcel Kittel (Quick-Step Floors) – der bekanntlich seit Saisonbeginn mit Scheibenbremsen unterwegs ist.



Die Nachricht sorgt derzeit für neuerliche Unruhe und Verunsicherung unter den Fahrern. Erneut werden die Rufe nach Abdeckungen für die Bremsscheiben laut und Disc-Skeptiker sehen sich in ihren Befürchtungen bestätigt. Der Weltverband UCI hat bereits reagiert und untersucht den Vorfall.

Wie bereits bei Ventosos Verletzung in der letzten Saison bleiben auch im jetzigen Fall jedoch einige Fragezeichen und es bestehen durchaus Zweifel, dass eine Bremsscheibe für den Schaden und die Verletzung verantwortlich war. Problematisch ist eine detaillierte Analyse vor allem deshalb, weil es keine allzu aussagekräftigen Videoaufnahmen des Unfalls gibt, der sich zudem auch bei sehr hohem Tempo ereignete.

Could it be possible that cut on Doull’s shoe was caused by rusty barrier leg? Seems to be rust-coloured mark either side of shoe cut 1/2 pic.twitter.com/Os7x54YSHy



— Nigel Wynn (@NigelWynn) 23. Februar 2017

Seltsam ist jedoch, dass Doulls linker Schuh beschädigt wurde: Da sich die Bremsscheiben nämlich auch auf der linken Seite befinden, ist ein Kontakt nicht ohne weiteres möglich. Auszuschließen ist es natürlich nicht – Doull oder Kittel könnten sich überschlagen haben und es hätte so zum Kontakt kommen können – ein solches Szenario ist jedoch recht unwahrscheinlich. Zudem hatte die UCI erst für diese Saison angeordnet, dass nur Bremsscheiben mit abgerundeten Kanten bei den Rennen zum Einsatz kommen dürfen. Ob diese selbst bei hoher Geschwindigkeit so sauber durch den Schuh schneiden können ist äußerst fraglich.



Could it be possible that cut on Doull’s shoe was caused by rusty barrier leg? Seems to be rust-coloured mark either side of shoe cut 1/2 pic.twitter.com/Os7x54YSHy

— Nigel Wynn (@NigelWynn) 23. Februar 2017



Doch wenn es keine Bremsscheibe gewesen ist, was dann? Kettenblatt oder Kassette scheiden aufgrund des sehr sauberen Schnitts aus. Der britische Radsportjournalist Nigel Wynn stellt auf Twitter Vermutungen an, die Metallstreben einer Absperrung könnten für die Aufregung verantwortlich sein. Für diese Theorie spräche, dass Doull definitiv in die Absperrung stürzte und dass sich an seinem Schuh gleich neben dem Schnitt rostfarbene Abschürfungen befinden. Eben solche rostigen, scharfkantigen Metallteile sind auf Fotos unmittelbar nach dem Crash zu sehen und ragen aus der Absperrung heraus.

Doch egal wo die Ursache für Doulls Verletzung nun wirklich liegt – sein Schuh ist längst zum Politikum geworden und unterstreicht abermals die große Verunsicherung im Peloton zum Thema Scheibenbremsen.

Stichworte:DiscMarcel KittelNewsRennradScheibenbremse

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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