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Elektronik in der oberen Mittelklasse: Shimano Deore XT Di2

30. September 2025 by Caspar Gebel

Shimano Deore XT Di2: Mit kabelloser elektronischer Schaltung schickt der japanische Anbieter seine wohl beliebteste MTB-Komponentengruppe ins nächste Modelljahr. Neben dem neuen Schaltwerk gibt es bei der überarbeiteten Gruppe auch eine optimierte Bremsanlage, aktualisierte Kurbeln und neue Laufradsätze zu bewundern.

Nur zwei Wochen nach der Vorstellung der neuen XTR Di2 hat Shimano nachgelegt: Ab sofort gibt es auch die seit Jahrzehnten bewährte Deore XT in einer elektronischen und vor allem kabellosen Variante. Auch im mittleren Preissegment gelingt der japanischen Marke damit der Anschluss an die Konkurrenz von SRAM, nachdem bereits die Top-Komponentengruppe im MTB-Segment sowie die Gravel-Gruppe GRX mit dem neuen 1×12-Schaltsystem ausgestattet wurden.

Shimano Deore XT Di2: kabellos schalten in der oberen Mittelklasse.


Shimano Deore XT Di2: kabelloses Schaltwerk mit integriertem Akku

Highlight der Gruppe ist natürlich das neue Zwölffach-Schaltwerk, das einen großen Fortschritt in Sachen Funktionalität und Montage darstellt. Um die Zugverlegung muss man sich bei der XT Di2 nicht mehr kümmern, und mit dem kabellosen Shifter ist das Cockpit ein gutes Stück aufgeräumter. Auch die Bedienung wird deutlich erleichtert, da nun keine Handkraft mehr erforderlich ist, um gegen die Federspannung des Schaltwerks anzukommen. Ein kurzer Druck auf einer der zwei Tasten der Schalteinheit reicht, um den Gangwechsel auszulösen – in Fahrsituationen, die volle Konzentration oder Kraft erfordern, muss man sich nicht auch noch aufs Schalten fokussieren. Und nicht zuletzt ist die Funkschaltung nur ein Bestandteil eines ganzen elektronischen Ökosystems, das zahlreiche Funktionen umfasst.

Das XT-Funkschaltwerk ist mit zwei unterschiedlich langen Schwingen verfügbar.
Der Akku befindet sich hinter einer Klappe, die mit einem Hebel gesichert wird.

Herzstück der neuen Gruppe ist das Schaltwerk Deore XT M8250, dessen kompakte, gerundete Formen mit reduzierter Stirnfläche große Widerstandsfähigkeit auf dem Trail versprechen: Die Gefahr, damit an Felsbrocken o. ä. hängenzubleiben, ist weniger große als bei konventionellen Schaltwerken. Bei harten Stößen wird der Stellmotor blitzschnell vom Schaltwerksparallelgramm entkoppelt, was Beschädigungen vorbeugen soll.



Der Akku ist ins Schaltwerk integriert; sein Schacht wird von einem Deckel verschlossen, die mit einem Arretierhebel versehen ist, sodass Deckel wie Akku nicht verloren gehen können. Mit den typischen Einstellschrauben für den seitlichen Schwenkbereich und den Abstand der oberen Schaltrolle zur Kassette wird das Deore XT M8250 wie gewohnt justiert – an ein neues System muss man sich hier nicht gewöhnen.

Die neuen Kurbelarme sind optisch der Topgruppe XTR angeglichen.
Kettenblatter gibt es von 28 bis 36 Zähnen.

Mit kurzem Käfig schon am Gravelbike zu finden

Ein interessanter Aspekt ist, dass es das Schaltwerk in zwei Varianten gibt: mit langem Käfig für die 10-51er Kassette und mit mittellangem Käfig für 9-45 Zähne. Damit unterscheidet sich das XT-Schaltwerk vom GRX-Modell, das es nur mit langem Käfig gibt; erste Gravelbikes wurden herstellerseitig bereits mit XT-Schaltwerk und der engeren Kassette ausgestattet. Die optisch ans Topmodell XTR angelehnte Kurbel der neuen Shimano XT kann mit Kettenblättern von 28 bis 36 Zähnen bestückt werden – letzteres ergibt zusammen mit dem 9er Anfangsritzel einen für MTB-Verhältnisse sehr lang abgestuften Schnellgang.



Nach wie vor wird mit zwei klar voneinander getrennten Tasten geschaltet – nur schneller und kraftsparender.
Die Zwölfach-Kassette ist in 10-51 sowie 9-45 verfügbar.

Damit die Kette auf dem kleinen Ritzel sicheren Halt findet, ist das Schaltwerk mit einer neuen Doppelfeder-Konstruktion ausgestattet, sodass Umschlingungswinkel und Kettenspannung stimmen. Dem günstigeren Preis des XT-Schaltwerks geschuldet ist die Schaltschwinge aus Aluminium statt aus Carbon – technisch gar kein und in Sachen Gewicht ein minimaler Nachteil.



Für den Einsatz an E-MTBs bietet Shimano die Variante RD-M8260 an, das vom Antriebsakku des Bikes mit Strom versorgt wird. Dieses nur mit langem Käfig verfügbare Modell ist auch in einer Elffach-Version erhältlich und beherrscht Auto Shift und Free Shift.

„Ergo Flow“ für bessere Ergonomie beim Bremsen

Shimano hat auch die Bremsanlage der Deore XT überarbeitet und liefert unter anderem einen neuen Bremshebel mit „Ergo Flow“-Technologie. Dabei ist der Drehpunkt so positioniert, dass „eine natürlichere Fingerbewegung beim Bremsen“ entsteht. Per „Servo Wave“ liegen die Bremsbeläge schnell an der Scheibe an. Nicht zuletzt kommt in der XT ein neues Mineralöl zum Einsatz, das die Bremsperformance verbessern soll. Je nach Einsatzbereich des Bikes kann man zwischen stärkerem Vierkolben-Bremssattel (Enduro/Trail) und leichterem Zweikolben-System (XC) wählen.

Der neue Bremshebel soll mit besserer Ergonomie punkten.
Vier- und Zweikolben-Sättel stehen zur Auswahl.


Zur neuen XT-Gruppe legt Shimano auch Laufradsätze und sogar Naben auf. Erstere (genannt WH-M8200) sind in 27,5 und 29 Zoll verfügbar, werden klassisch mit je 28 Speichen aufgebaut und verfügen über breite Felgen mit 30 mm Maulweite. Sehr fein gerastert ist der Freilauf im Microspline-Standard, dessen Eingriffswinkel gerade mal 3,5° beträgt. Verbesserte Dichtungen sollen bei reduziertem Rollwiderstand die Haltbarkeit optimieren.

Laufräder sind in 27,5 und 29 Zoll verfügbar.
Die Alu-Felge ist mit 30 mm Maulweite auf. breite Reifen zugeschnitten.

Sämtliche Komponenten sind bereits im Handel verfügbar, und auch die ersten Komplettbikes sind verfügbar. Bei ersten Probefahrten fiel die neue Shimano Deore XT Di2 mit extrem schnellen und geschmeidigen Gangwechseln auf; ein ausführlicher Praxistest der wird demnächst auf Velomotion.de erscheinen.



Die Schaltung und die Bremse dürfen sich an einem unserer Dauertestbikes im Zusammenspiel mit Bosch CX Antrieb und Bosch ABS Pro beweisen.

Man darf gespannt sein!

bike.shimano.com



 

Stichworte:vmmtb

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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