Velofollies 2026: Die erste Fahrradmesse des Jahres wendet sich in erster Linie an ein Rennrad-begeistertes Publikum – kein Wunder angesichts des Veranstaltungsortes. Denn von der Stadt Kortrijk aus ist es ein Katzensprung zu den Strecken berühmter Radrennen wie der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix.
Erstmals 2007 veranstaltet, ist die Velofollies längst keine junge Veranstaltung mehr. Doch in dem Maße, wie sich die Messelandschaft in der Fahrradbranche geändert hat, ist ihre Bedeutung als Publikumsmesse gewachsen – und das auch hierzulande. Mit ihrem frühen Datum stellt sie für viele Interessierte die erste Gelegenheit dar, die Produktneuheiten der vergangenen Monate live zu sehen; mit der Benelux-Region, Nordfrankreich und Nord- und Westdeutschland verfügt sie dazu über ein riesiges Einzugsgebiet. Und gerade für Rennrad-Fans ist die Messe ein Leckerbissen, denn sie zieht Aussteller an, die sich auf anderen großen Events inzwischen rar machen. Gleichzeitig kommen auch Alltagsradler auf ihre Kosten, denn in Kortrijk kann man Urban Bikes und Elektroräder aller Spielarten bewundern.

Dass sich der Trip nach Flandern lohnt, beweisen diese Eindrücke aus den gut gefüllten Messehallen, in denen rund 300 Aussteller insgesamt 600 Marken vertreten haben. Dabei bewährt sich auch in Belgien das Konzept von lokalen Distributoren organisierter Messestände – erst dadurch wird es für viele Hersteller überhaupt möglich, auf der Messe präsent zu sein.
Wer die Velofollies verpasst hat, kann sich auf die vom 20. bis 22. März 2026 stattfindende Cyclingworld in Düsseldorf freuen, die ähnlich aufgestellt und ähnlich groß ist und unbedingt einen Besuch wert – nicht zuletzt wegen des großen Außengeländes mit umfangreichen Test-Möglichkeiten. Nun aber Vorhang auf für einige der Highlights der Velofollies 2026.
Shimano: Die neuen Hebel in der Hand
Mitte Dezember wurden sie vorgestellt – auf der Velofollies konnte man sie anfassen: So sehen die Hebel der neuen elektronischen Shimano GRX-RX717 in natura aus. Die Form ist bereits von den Rennrad-Controls der Marke bekannt; nun erlauben sie preiswertere Kompletträder mit der drahtlosen 1×12-Schaltung. Das dazugehörige Schaltwerk ist auf Shimanos 10-51er Kassette abgestimmt; die Hebel sind außerdem in einer „gruppenlosen“ Variante mit Shimano-Logo verfügbar. So lassen sie sich unauffällig mit den Rennrad-Komponenten der Marke kombinieren.
KMC: Wachs statt Öl im Top-Segment
Beim großen Kettenspezialisten bricht eine neue Ära an: Die Gliederstränge für 12- und 13-fach-Schaltsysteme werden ab sofort nur noch gewachst angeboten und sind nicht mehr mit einer öligen „Erstschmierung“ versehen. Von extrem reduzierter Schmutzanhaftung und dadurch deutlich verlängerter Lebensdauer spricht man am Messestand, außerdem will KMC seinen Kunden und Kundinnen eine einfache Möglichkeit an die Hand geben, die Vorteile der neuen Technologie zu nutzen. Das aufwendige Entfetten und Heißwachsen entfällt hier nämlich komplett.
Pinarello: Luxus-Gravelbike für Rennfahrer
Der italienische Traditionshersteller mit den meisten Tour-de-France-Siegen (16) stellt mit dem Dogma GR ein Offroad-Rennrad der absoluten Luxusklasse vor. Das neue Modell orientiert sich bei der Lenkgeometrie stark am Rennrad, ist in neuen Rahmengrößen erhältlich und superleicht – wie auf der Velofollies gezeigt, wiegt es mit SRAM Red XPLR nur rund 7,5 Kilo. Typisch Pinarello-Rennrad ist die Formensprache mit vielen aerodynamischen Details; typisch „Gravel race“ ist der weitgehende Mangel an Montagemöglichkeiten. Für weniger sportliche Einsätze gibt es schließlich das neue Gravil F7. Auch beim Preis ist das Pinarello Dogma GR kompromisslos: 14.000 Euro kostet das Komplettrad, während das Rahmenset mit 6.900 Euro gehandelt wird.

I:SY P12 Longtail: Innovatives Familienrad
Extrem viel Technik haben die Kompaktrad-Spezialisten von I:SY in ihrem neuen Familien-Bike untergebracht. Highlight ist die gefederte Hinterbauschwinge, die komplett vom Zwei-Kind-Gepäckträger entkoppelt ist – die kleinen Passagiere kommen also in den Genuss optimaler Stoßdämpfung. Die Schwinge kann per Handhebel in drei Stufen verstellt werden, wodurch die Federung härter (für größere Beladung) bzw. weicher (für geringere Beladung) wird. Der Federweg beträgt 80 mm; dazu kommt eine 60-mm-Federgabel.

Zweites Highlight ist die Pinion MGU mit zwölf Gängen, jene innovative Motor-Getriebe-Einheit, die auf Wunsch vollautomatisch schaltet. Flankiert von einem 800-Wh-Akku, ist dies so ziemlich das modernste E-Bike-Antriebssystem am Markt. Des weiteren gibt es am neuen I:SY starke Vierkolben-Bremsen, einen 100-Lux-Strahler sowie praktische Details wie Faltpedale, Klapplenker und Rahmenschloss. Mit 6.999 Euro hält sich das Familien-Mobil dabei preislich sehr zurück.
Eddy Merckx Bikes: Neustart der klassischen Marke
Der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten gründete zwei Jahre nach Karriereende eine eigene Fahrradmarke, die Jahrzehnte lang nicht aus dem Radsport wegzudenken war. Als Merckx Mitte der 2010er Jahre sein Unternehmen veräußern wollte, griff Landsmann und Wettbewerber Jochim Aerts zu: Der Gründer der Radmarke Ridley wollte damit nicht zuletzt verhindern, dass der legendäre Name seelenlosen Investoren in die Hände fiel.

Nun hat Ridley den Aufbau der Marke neu angepackt und betont dabei das große Erbe von Eddy Merckx. Stahl- und Titanrahmen stehen im Fokus, die in Italien auf Wunsch auch auf Maß gefertigt werden; die individuell konfigurierten Kompletträder sind dabei für das Gebotene günstig. Und dank der hauseigenen Lackiererei lassen sich wirklich komplett individuelle Bikes realisieren.
BMC: Neue Logos und ein Künstler bei der Arbeit
Von der schwarz-rot-weißen Optik seiner frühen Jahre hat sich der Schweizer Hersteller weitgehend freigemacht – längst sind auch auffälliger gefärbte Rennmaschinen im Programm, wobei die wirklich farbenfrohen Lackierungen bisher dem Gravel-Racebike Kaius vorbehalten blieben. Am Teammachine R 01 Three gibt es nun neue Logos zu sehen, die deutlich dynamischer daherkommen als der bekannte, vollflächige BMC-Schriftzug. So richtig wild wurde es auf der Velofollies aber live am Messestand: Dort verwandelte TJ Eisenhart, der US-amerikanische Künstler und Ex-Radprofi, einen Teammachine-Rahmen in ein individuelles Kunstwerk. Seine Basis: das unlackierte „Varo“-Modell mit feiner Klarlackierung, das BMC als superleichte Variante oder eben für einen individuellen Paintjob anbietet.
Basso & Cinelli: Rennrad-Träume aus Italien
Jeder Rennsport-Fan kennt sie, die legendären Marken wie Basso oder Cinelli. Erstere wurde 1977 von Alcide Basso gegründet, dem Bruder von Marino Basso, 1972 Straßenweltmeister, und gehörte in Deutschland jahrzehntelang zu den beliebtesten Rennradmarken. Noch älter ist Cinelli, gegründet 1948 von Cino Cinelli, dem Sieger von Mailand-San Remo 1943. Die Marke ist neben ihren Rahmen vor allem für hochwertige Anbauteile bekannt und seit einigen Jahren bei den Freunden klassischer Radsportkultur sehr beliebt. Der große Auftritt beider Marken unterstreicht die Bedeutung, die dem Rennrad auf der Velofollies zukommt.
Hierzulande sieht man die Räder der zwei Hersteller eher selten, worüber man sich durchaus wundern kann: Basso und Cinelli bieten beide zeitgemäßes, leichtes Material zu durchaus attraktiven Preisen. Beim schlichten, eleganten Basso Diamante kann man sich auf ein Rahmengewicht um 800 Gramm freuen, dazu auf eine ausgewogen-sportliche Geometrie. Mit Shimano Ultegra 8170 Di2 und „Fulcrum Wind 42“-Carbonlaufrädern kostet das Diamante vertretbare 7.299 €.
Fürs Carbon-Gravelbike King Zydeco 2 gibt Cinelli ein Rahmengewicht von rund 1.150 Gramm an, was für ein ausgesprochen leichtes Komplettrad spricht. Seine Highlights sind ein Carbon-Cockpit mit komplett integrierten Leitungen sowie die flache Aero-Stütze. Mit SRAM Rival XPLR 1×13 und Alu-Radsatz kostet das Bike glatte 5.000 Euro; der Aufpreis für die abgebildeten Fulcrum Soniq Carbon liegt bei 900 Euro. Damit ist auch dieses individuelle, farbenfrohe Gravelbike ziemlich preiswert.
Große Marken, kleine Marken
Was Fahrradmessen wie die Velofollies auszeichnet, ist auch das Nebeneinander von großen und kleinen Anbietern. Zum Beispiel Kettler Alu Rad und Achielle: Der deutsche Hersteller brachte Mitte der 1970er Jahre das erste in Großserie hergestellte Aluminium-Fahrrad auf den Markt und ist heute Spezialist für Alltags- und Familienmobilität – vor allem natürlich elektrisch. Achielle wiederum kann dieses Jahr seinen 80. Geburtstag feiern – und genauso lange fertigen die Belgier in ihrer Werkstatt Stahlrahmen, die seit 2007 unter dem eigenen Markennamen vertrieben werden. Die eigene Lackiererei ermöglicht es den Kunden, für ihre Alltagsfahrten ein echtes Unikat zu erhalten.
Agu & Brooks: Zubehör mit Tradition
Viele Anbieter in der Radbranche blicken auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück, manche sind sogar weit über 100 Jahre alt. Und viele sind sich und ihrer Tradition treu geblieben, wie man sehr schön bei Agu und Brooks sehen kann. Der niederländische Spezialist für fahrradspezifische Regenbekleidung ist seit 1966 aktiv und sorgte spätestens zehn Jahre nach seiner Gründung für Schlagzeilen: Wie am Messestand zu lesen, gewann das Unternehmen damals nämlich einen nationalen Wettbewerb für einen Regenanzug. Die modernisierte Variante, genannt Essential und mit 75 Euro nicht sehr teuer, kann man bis heute neben diversen anderen Jacken und Accessoires bei Agu kaufen.
bei Brooks ging’s in den 1880er Jahren mit der Fertigung von Ledersätteln los; nach der Übernahme durch Selle Royal Anfang der 2000er machte sich die Traditionsfirma mit klassisch gestalteten Taschen aus Naturmaterialien aufs Neue einen Namen. Wie sehr Brooks mit der Zeit geht, zeigen die aktuellen Bikepacking-Taschen, die es auch im Set gibt – zum Beispiel das Adventure Bikepacking B Bundle (Rahmen-, Lenker- und Sattentasche) für 247 Euro.
Fahrspaß in der Halle
Mitte Januar kann es in Belgien ziemlich ungemütlich sein, und nur der erste Tag der Velofollies 2026 war mit milder Witterung gesegnet. Ein Indoor-Testparcours ist daher das Mittel der Wahl, um die Besucher aufs Rad zu bringen.














