Test / E-MTB: Die „Huberbuam“ sind weit über den süddeutschen Raum hinaus eine Institution im Alpinismus. Nun haben sich Alexander und Thomas Huber mit den Raublinger Bike-Tüftlern von Corratec zusammengetan. Das Ergebnis: Das Corratec E-Power MTC 140 Huberbuam Pro. Ein E-Bike, das nicht primär für die Jagd nach Bestzeiten auf dem Trail gebaut wurde, sondern als ultimatives Werkzeug für den Weg zum Berg. Wir haben getestet, ob das Konzept „Bike & Climb“ aufgeht.
Im Portfolio von Corratec nimmt die „MTC“-Serie (Mountain Cross) eine Sonderstellung ein. Es sind die SUVs unter den E-Bikes – irgendwo zwischen potenter Geländemaschine und alltagstauglichem Lastesel. Dass genau diese Plattform als Basis für die „Huberbuam“-Edition gewählt wurde, ist nur logisch. Denn wer die beiden Extremkletterer kennt, weiß: Es geht um Effizienz, Robustheit und den Weg nach oben.
Die Idee hinter dem Rad ist simpel: Das E-Bike dient als Zustiegsfahrzeug. Statt sich schon beim Marsch zum Wandfuß oder Klettersteig-Einstieg zu verausgaben, nutzen Alpinisten die elektrische Unterstützung. Man kommt aufgewärmt, aber nicht ausgebrannt an – und schont im Vergleich zur Anreise mit dem Auto bis zum letzten Wanderparkplatz auch noch die Umwelt.Solide Basis aus dem Voralpenland
Optisch macht das Huberbuam Pro keinen Hehl aus seiner Bestimmung. Der Zusatz „Bike n Climb“ auf dem Oberrohr ist Programm. Die Basis bildet der bewährte MTC-Aluminiumrahmen mit 140 mm Federweg. Corratec setzt hier auf einen klassischen Viergelenker mit liegender Wippe – eine Konstruktion, die wir aus Raubling kennen und die für ihre Zuverlässigkeit geschätzt wird. Gerade der Hauptrahmen ist außerdem richtig schön gestaltet: Fließende Formen und verschliffene Schweißnähte erinnern optisch an die Formsprache von Carbon.

In Sachen Geometrie und Auslegung positioniert sich das Bike klar als gutmütiger Allrounder. Wir haben es hier nicht mit einer nervösen Enduro-Rennmaschine zu tun, die eine strenge Hand erfordert. Vielmehr signalisiert das MTC schon im Stand: „Setz dich drauf, ich bring dich sicher ans Ziel.“ Mit einem Gewicht von rund 30 Kilogramm ist das Bike definitiv kein Leichtgewicht, was aber im Kontext der angepeilten Nutzung – dem Transport von Mensch und Material in rauem Geläuf – durchaus als vertrauenerweckende Robustheit interpretiert werden kann.
Corratec E-Power MTC 140 Huberbuam: Ausstattung
Ein Blick auf das Datenblatt verrät, dass bei der Spezifikation Haltbarkeit vor „Bling-Bling“ ging. Herzstück des Antriebs ist der bewährte Bosch Performance Line CX Motor. Mit seinen bis zu 100 Newtonmetern Drehmoment und bis zu 750 Watt Spitzenleistung schiebt das Aggregat auch steile Forststraßen souverän hinauf. Versorgt wird der Motor von einem üppigen 800-Wattstunden-Akku im Unterrohr, der sich zur Freude aller Tourenfahrer auch entnehmen lässt. Reichweitenangst dürfte damit am Berg kaum aufkommen.
Besonders spannend finden wir die Wahl der Schaltgruppe: Corratec verbaut die Shimano Cues 11-fach-Schaltung mit Linkglide-Technologie. In unseren bisherigen Tests fiel diese Gruppe zwar nicht durch die schnellsten Schaltvorgänge auf, dafür aber durch eine enorme Verschleißarmut und weiche Gangwechsel unter Last – genau das Richtige für ein E-Bike mit hohem Drehmoment. Verzögert wird mit soliden Shimano 4-Kolben-Bremsen (MT420) und großen Bremsscheiben, was angesichts des hohen Systemgewichts und potenzieller Zuladung auch zwingend notwendig ist.
Das Highlight: Der Lastenträger
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Modells ist jedoch das Heck. Um Kletterseile, Rucksäcke oder sogar Tourenski sicher zum Einstieg zu transportieren, wurde ein spezieller, extrem robuster Gepäckträger verbaut. Die massive Metallkonstruktion bietet vielfältige Befestigungsmöglichkeiten und unterstreicht den Expeditions-Charakter des Bikes. Hier wurde Funktion ganz klar über filigrane Design-Ansprüche gestellt.

Fahrwerk und Kontaktpunkte
Das RockShox-Fahrwerk (Psylo Gold Gabel und Deluxe Select+ Dämpfer) ist so gewählt, dass es auch für Nicht-Fahrwerksspezialisten schnell und passend eingestellt ist. Es bietet soliden Komfort, ohne den Fahrer mit Dutzenden Einstellrädchen für High- und Low-Speed-Druckstufen zu überfordern.
| Rahmen | MTC 140 |
| Federgabel | RockShox Psylo Silver RC |
| Antrieb | Bosch CX |
| Akku | Bosch Powertube 800 |
| Dämpfer | RockShox Deluxe Select+ |
| Laufräder | Aluminium |
| Reifen VR | Schwalbe Johnny Watts |
| Reifen HR | Schwalbe Johnny Watts |
| Schaltwerk | Shimano Cues 11-fach |
| Schalthebel | Shimano Cues 11-fach |
| Kurbel | Miranda DM |
| Umwerfer | Ohne |
| Bremse | Shimano MT420 |
| Bremsscheiben | Shimano 203/180 mm |
| Sattelstütze | KS Rage-i |
| Sattel | Selle Royal Essenza |
| Vorbau | Alloy 31.8 |
| Lenker | Alloy 760 mm |
Als Kontaktpunkt zum Untergrund dienen Schwalbe Johnny Watts Reifen. Diese Pneus sind typische SUV-Vertreter: Eine Lauffläche, die auf Asphalt gut rollt, kombiniert mit ausgeprägten Schulterstollen, die auf Schotter und Waldwegen den nötigen Grip liefern.
Das Corratec E-Power MTC 140 Huberbuam Pro im Praxistest
Wie fährt sich der bayerische Gebirgsexpress nun in seinem natürlichen Habitat? Unser Testeindruck bestätigt die Papierform: Das MTC 140 ist ein unaufgeregter, extrem gutmütiger Begleiter – nicht nur, aber vor allem im alpinen Gelände.

Schon auf den ersten Metern wird klar, dass dieses Rad keine Ecken und Kanten hat, an denen man sich als Fahrer stört. Die Sitzposition ist komfortabel und übersichtlich, das Fahrverhalten intuitiv. Es ist eines dieser Räder, auf denen sich vom Einsteiger bis zum Routinier fast jeder sofort wohlfühlt.
Im Anstieg spielt der Bosch-Motor seine Stärken aus. Egal ob steile Rampe oder langer Forstweg, der Schub ist satt und gleichmäßig. Die Kombination aus dem kraftvollen Motor und der Cues-Schaltung funktioniert hervorragend; die Gänge wechseln vielleicht nicht knackig-hart, aber dafür geschmeidig und materialschonend, selbst wenn man unter Last schaltet.

Wenn der Weg zum Trail wird
Verlässt man die breiten Forststraßen und biegt auf Wanderwege oder leichtere Trails ein, zeigt das MTC seine Nehmerqualitäten. Klar, mit 30 Kilogramm Lebendgewicht tänzelt das Bike nicht so leichtfüßig über Wurzelteppiche wie ein leichtes Carbon-Trailbike. Aber das ist auch nicht der Anspruch. Das Fahrwerk schluckt Unebenheiten souverän weg und vermittelt viel Sicherheit. Man hat nie das Gefühl, dass das Rad nervös wird. Es liegt satt auf dem Trail – ein Panzer im positivsten Sinne.
Die Johnny Watts Reifen schlagen sich im trockenen Gelände wacker und bieten einen guten Kompromiss, kommen aber bei tiefem Matsch oder sehr aggressivem Kurvenfahren im Vergleich zu reinen MTB-Stollenreifen an ihre Grenzen. Für den vorgesehenen Einsatzzweck als Zustiegsrad ist die Wahl jedoch absolut stimmig.
Einzig beim Handling im Stand oder beim Verladen macht sich das hohe Gewicht bemerkbar. Wer das Rad über einen Weidezaun heben muss, sollte besser vorher gefrühstückt haben. Dafür entschädigt die Gewissheit, dass dieses Rad auch raue Behandlung am Berg nicht krumm nimmt.