Test / E-MTB: Propain verpasst seinem dienstältesten E-Mountainbike ein massives Update. Das neue Propain Ekano 3 AL verabschiedet sich vom Shimano-Motor und rollt ab sofort mit dem vieldiskutierten Avinox-Antrieb auf die Trails. Der Direktversender schickt das Bike dabei in gleich zwei Ausrichtungen ins Rennen: als vielseitiges Trailbike und als waschechtes Enduro für die richtig groben Einsätze. Wir haben alle technischen Details zum robusten Aluminium-Boliden und konnten die Enduro-Variante bereits ausgiebig über die Hometrails jagen.
Ein Rahmen, zwei klare Charaktere: Trail und Enduro
Im mittlerweile ziemlich umfangreichen MTB-Portfolio von Propain nahm das Ekano bisher die Rolle des kompromisslosen Abfahrts-Boliden ein, positioniert über dem eher leichtfüßigen und verspielten Sresh. Daran ändert sich in der Grund-DNA auch beim Ekano 3 AL nichts, jedoch fächert der Hersteller den Einsatzbereich nun clever auf. Basis beider Ausrichtungen ist derselbe Aluminium-Rahmen. Die Unterschiede in der Klassifizierung ergeben sich aus dem Dämpferhub und der Federgabel.
Die Trail-Variante richtet sich an Fahrer, die einen großen Einsatzbereich von der Feierabendrunde bis zur alpinen Tour suchen. Mit 160 mm Federweg an der Front und 150 mm am Heck bietet das Bike ausreichend Reserven, ohne auf moderateren Strecken behäbig zu wirken. Ab Werk haben Kunden hier die Wahl zwischen einem klassischen 29-Zoll-Setup oder einem Mullet-Aufbau (29 Zoll vorne, 27,5 Zoll hinten).
Wer bergab keine halben Sachen macht, greift zur Enduro-Version. Diese geht mit üppigen 170 mm vorne und 160 mm hinten an den Start und wird ausschließlich als Mullet-Bike ausgeliefert. Der Fokus liegt hier eindeutig auf maximaler Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten und Sicherheit in steilen, technischen Sektionen. Praktisch: Da der Hauptrahmen identisch ist, ließe sich das Bike theoretisch auch im Nachhinein durch einen Tausch von Gabel und Dämpfer von der einen in die andere Kategorie umbauen. Über austauschbare Dropouts lässt sich zudem die Kettenstrebenlänge um fünf Millimeter variieren (zwischen 447 und 452 mm), um das Fahrverhalten an die Laufradgröße und die persönlichen Vorlieben anzupassen.
Avinox M2(S): Kompaktes Kraftpaket
Ein großes Highlight des neuen Ekano 3 AL verbirgt sich jedoch am Tretlager. Propain integriert die zweite Generation der Avinox-Antriebe. Propain-typisch hat der Kunde im Online-Konfigurator die Qual der Wahl, was exakt im eigenen Bike verbaut sein soll.
Zwei Antriebsoptionen stehen zur Verfügung: Die Performance-Variante Avinox M2S liefert gewaltige 150 Nm Drehmoment und eine Spitzenleistung von 1300 Watt bei einem Motorgewicht von 2,59 kg. Alternativ gibt es die Budget-Option Avinox M2, die mit 125 Nm und 1100 Watt (2,65 kg) auf dem Papier immer noch Daten liefert, die einen Großteil der Konkurrenzmotoren in den Schatten stellen.
Avinox M2S im Labor- und Praxistest: Die neue Messlatte!
Test: Der E-Bike-Markt ist in ständiger Bewegung, doch nur selten betritt ein Antriebssystem die Bühne, das die etablierten Leistungsgrenzen derart spürbar verschiebt. Der neue Avinox M2S bietet auf dem Papier bis zu 1500 Watt Spitzenleistung und 150 Nm Drehmoment und das bei einem Gewicht von lediglich 2,59 Kilogramm. Begleitet wird das Aggregat von einer neu […]
Detaillierte Messdaten unseres Prüfstandstests zum Avinox M2S findet ihr auf www.ebike-lab.de
Kombiniert wird der Antrieb mit fest im Unterrohr integrierten Akkus. Zur Wahl stehen eine 600-Wh-Variante (2,87 kg) oder ein wuchtiger 800-Wh-Energiespeicher (3,74 kg). Gesteuert wird das System über eine kabellose Lenker-Remote und ein im Oberrohr integriertes Farbdisplay. Auch hier gibt es zwei Versionen: Ein Standard-Display (DPC100) oder eine smarte Variante (DP100-F) mit 4G-Konnektivität, die als eine Art Diebstahlschutz via Tracking dient.
Rahmenbau und clevere Details: Bewusst auf Aluminium gesetzt
Dass Propain beim Ekano 3 AL auf Aluminium als Rahmenmaterial setzt, ist kein Kostenspar-Zwang, sondern bewusste Philosophie. Das Bike ist für harte Einsätze und Rider konzipiert, die ihr Material nicht schonen wollen. Entsprechend wuchtig und robust tritt der Rahmen auf. Um diesen zu schützen, sind großzügige Protektoren an der Sitz- und Kettenstrebe angebracht.
Besonders erfreulich für Schrauber: Propain überlässt dem Kunden die Wahl bei der Leitungsverlegung. Zwar bietet der Rahmen die Möglichkeit der modernen, aber oft fummeligen Verlegung durch den Steuersatz (ICR), jedoch sind ebenso klassische Kabeleinlässe am Steuerrohr (ECR) vorhanden. Ein Tool Mount unter dem Oberrohr und ein standardmäßig verbauter Chain Guide runden das sorglose Gesamtpaket ab. Der Rahmen selbst ist nach der strengen ASTM Kategorie 5 getestet (als Komplettbike Kategorie 4), was die Freigabe für schweres Gelände und Bikepark-Einsätze unterstreicht.
Das Propain Ekano 3 AL Enduro in der Praxis: Ballern mit eingebautem Lift
Für unseren Praxistest waren wir mit der Enduro-Variante in Rahmengröße L unterwegs. Die Ausstattung ließ wenig Wünsche offen: RockShox Ultimate-Fahrwerk (Zeb vorne, Vivid Air hinten), der extrem starke M2S Motor, der große 800-Wh-Akku und robuste Gravity-Reifen. Dass all diese Komponenten in Verbindung mit dem massiven Alurahmen kein Leichtgewicht ergeben, offenbart der Blick auf die Waage: 25,4 Kilogramm bringt unser Testbike auf die Piste. Die Trail-Variante mit etwas leichteren Komponenten und 800 Wh Akku dürfte sich schätzungsweise bei rund 23 Kilogramm einpendeln. Wer also auf der Suche nach einem besonders leichten E-MTB mit Avinox-Antrieb ist, ist beim Ekano 3 AL also eher an der falschen Adresse.
| Rahmen | Ekano 3 AL |
| Federgabel | RockShox ZEB Ultimate |
| Antrieb | Avinox M2S |
| Akku | Avinox FS800 |
| Dämpfer | RockShox Vivid Air Ultimate |
| Laufräder | DT Swiss HX1700 |
| Reifen VR | Schwalbe Magic Mary Radial GravityPro SuperSoft |
| Reifen HR | Schwalbe Tacky Chan Radial GravityPro Soft |
| Schaltwerk | Sram X0 Transmission |
| Schalthebel | Sram AXS Pod |
| Kurbel | Praxis Works Carbon 145 mm |
| Umwerfer | Ohne |
| Bremse | Sram Maven Silver |
| Bremsscheiben | Sram HS2 220/200 mm |
| Sattelstütze | RockShox Reverb AXS 200 |
| Sattel | |
| Vorbau | Sixpack Millenium 35mm |
| Lenker | OneUp Carbon 800 mm |
Im Uphill wird das Gewicht aber natürlich durch den kräftigen Avinox-Antrieb relativiert. Die bis zu 1300 Watt ziehen das Ekano auch steilste Rampen hinauf, als gäbe es keine Schwerkraft. Der Antrieb agiert dabei nicht zu brachial, sondern lässt sich mit etwas Übung auch hervorragend dosieren. Was uns jedoch am meisten beeindruckt hat: Die Lautstärke. Trotz der schieren Power arbeitet der Avinox-Motor im Kletterbetrieb flüsterleise. Selbst unter voller Last ist er akustisch kaum wahrnehmbar und unterbietet in diesem Rahmen sogar dedizierte Light-Assist-Motoren anderer namhafter Hersteller. Hier spielt der dicke Alurahmen als exzellenter Schallschlucker seine Stärken aus.
Die Klettereigenschaften werden zudem durch die moderne, sehr sportliche Geometrie unterstützt. Mit einem steilen Sitzwinkel von satten 78 Grad sitzt man sehr weit vorne und zentral über dem Tretlager. Das hält die Front auch bei fiesen Uphills zuverlässig am Boden. Die Kehrseite dieses steilen Sitzwinkels: Die Position fällt im Sitzen recht kompakt aus. Für unseren 1,87 Meter großen Tester war Größe L bereits an der Grenze zum Gedrungenen. Wer lange Touren im Sitzen plant, sollte im Zweifel überlegen, eine Rahmengröße nach oben zu gehen.
Bergab eine waschechte Ballerbude
Steht man erst einmal in den Pedalen und neigt den Bug des Ekano 3 AL gen Tal, offenbart das Bike seinen wahren Charakter. Der flache Lenkwinkel von rund 63,5 Grad (Enduro) und das hohe Systemgewicht lassen das Bike wie einen sprichwörtlichen Panzer auf dem Trail liegen. Stoisch bahnt es sich seinen Weg.
Verantwortlich für dieses enorme Maß an Laufruhe ist neben der Geometrie das Propain-eigene PRO10-Hinterbausystem. Wir müssen anmerken: Dieser Hinterbau reagiert überaus sensibel auf das Setup. Fünf PSI mehr oder weniger im Dämpfer entscheiden hier spürbar über die Performance. Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, den Dämpfer exakt auf das eigene Fahrergewicht abzustimmen. Hat man den Sweetspot jedoch gefunden, agiert das Ekano wie ein Staubsauger. Steinfelder und Wurzelteppiche werden einfach planiert. Das Bike verleitet geradezu dazu, die eigentlich sauberere Linie zu ignorieren und stattdessen einfach die Bremse aufzumachen und mitten durchs Grobe zu halten.
Ein leichtfüßiges Wiesel ist das 25-Kilo-Enduro in dieser Konfiguration natürlich nicht. Für schnelle Richtungswechsel, enge Anlieger oder spontane Flugmanöver fordert das Ekano deutlichen Input und Kraft vom Fahrer. Es ist ein „Big Bike“, das mit Nachdruck gefahren werden will. Wer einen aktiven Fahrstil an den Tag legt, kann dem Ekano dennoch ordentlich Pop entlocken, seine absolute Kerndisziplin bleibt aber die brachiale High-Speed-Abfahrt.
Reichweite und Akkumanagement
Wer die bis zu 1300 Watt des M2S Motors regelmäßig ausreizt, wird feststellen, dass selbst ein großer Akku irgendwann kapitulieren muss. Wenn man das Ekano als reines Shuttle nutzt, um die Forststraße im Eiltempo hinaufzufliegen und Laps zu sammeln, kann man den Prozenten auf dem Oberrohr-Display beim Schmelzen förmlich zusehen. Daher raten wir tendenziell zum 800-Wh-Akku, insbesondere da aktuell kein Range-Extender für das System verfügbar ist und die Akkus fest im Rahmen verbaut sind. Ein kurzer Boxenstopp lässt sich zumindest mit dem optionalen Fast-Charger im Konfigurator abmildern.









