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Das Silca Kettenwachs-System: Mit wenig Aufwand zur sauberen, langlebigen Kette

5. September 2026 by Caspar Gebel

Silca Kettenwachs-System

Das Silca Kettenwachs-System im Test: Der US-Anbieter hat das Wachsen zwar nicht erfunden, macht die Prozedur mit diversen Produkten jedoch ziemlich einfach. Was man in diese investiert, spart man an anderer Stelle durch massiv reduzierten Verschleiß von Kette, Zahnkranzkassette usw. Es lohnt sich also, sich einmal näher mit der Sache zu befassen.

Die Kette ist das Sorgenkind des Fahrrades. Sie verlangt dauernd nach Aufmerksamkeit, ist trotz aller Pflege immer schmutzig und zieht, wenn sie verschleißt, zahlreiche andere Bauteile mit ins Verderben: Wer im Radladen seine rostige Kette austauschen lassen will, muss meist auch ein neues Ritzelpaket zahlen und wenn’s dumm kommt sogar neue Kettenblätter. Ein dreistelliger Betrag kommt da schnell zusammen.

Sisyphusarbeit Kettenpflege

Das Gemeine dabei ist: Im Grunde ist es fast unmöglich, eine Kette wirklich ausreichend zu pflegen. Was nämlich für ihren Verschleiß sorgt, ist weniger die mechanische Belastung. Es ist in erster Linie die Paste aus Öl, Fett und Straßenschmutz, welche der Kette selbst sowie Zahnkränzen und Kettenrädern zusetzt. Eine brandneue Kette muss nur ein paar Stunden gefahren werden, und schon ist sie mit einer schwärzlichen Schmierschicht bedeckt, die sich nur mit großem Aufwand entfernen lässt. Wie Schleifpaste wirkt der Kettenschmutz, der außerdem Finger, Waden und Hosenbeine kontaminiert und schöne Fahrradteile einsaut.



Silca Kettenwachs-System
So kennt man die Kette: bedeckt von schwarzer Schmiere, die den Verschleiß fördert und alles kontaminiert, was mit ihr in Berührung kommt – ob Finger, Wade oder Hosenbein.

Versuche, des Problems Herr zu werden, gibt es einige. Vor Jahrzehnten war es die Kardanwelle (gibt es immer noch), heute hat sich an Qualitätsrädern mit Getriebeschaltung der Zahnriemen durchgesetzt. Vom Hollandrad stammt der komplett geschlossene Kettenkasten, in welchem eine gut gefettete Kette Jahre ohne Pflege überdauern kann.

Fahrräder mit Kettenschaltung widersetzen sich jedoch solchen Methoden – dabei haben sie eine Lösung besonders dringend nötig. Im Sport werden sie über viele Kilometer und hart gefahren, und immer mehr Ritzel an der Kassette führen zu schmaleren Ketten, die dann natürlich anfälliger sind und bei Verschleiß zu höheren Kosten führen.



Wachsen: die saubere Lösung

Doch eine Lösung gibt es, die sich jedenfalls im Radsport immer stärker durchsetzt: das Heißwachsen. Geölte Ketten ziehen Schmutz an, was zu den oben beschriebenen Problemen führt; gewachste Ketten bleiben sauber – so einfach ist das. Eine gewachste Kette (und alle von ihr bedienten Bauteile) kann locker die doppelte Lebensdauer erreichen, und bei Arbeiten am Fahrrad wird man nicht mehr mit schwarzer Schmiere an Händen etc. bestraft.

Die Lösung: das Silca Heißwachs System inklusive „Strip Chips“ zum Entfetten sowie Flüssigwachs zum Nachschmieren.

Wie genau funktioniert Heißwachsen? Sonderlich kompliziert ist es nicht, wenn man das richtige Equipment hat; in dieses muss man freilich gut 200 Euro investieren. Da man die Prozedur aber nicht allzu oft wiederholen muss, kann man für Produkte wie einen Profi-Wachsschmelzofen natürlich mit anderen zusammenlegen. Die Zeit, die man ins Kettenwachsen investiert, bekommt man übrigens an anderer Stelle doppelt und dreifach zurück: Der Aufwand für Reinigung und Pflege ist nämlich weitaus geringer als bei geölten Ketten.



Silca: die vier Basis-Produkte zum Kettenwachsen

Zu den Anbietern, die beim Wachsen ganz weit vorne sind, gehört Silca. Der über 100 Jahre alte Pumpen- und Werkzeugspezialist hat unter US-amerikanischer Führung zahlreiche Produkte entwickelt, ohne die Sache unnötig kompliziert zu machen – eher im Gegenteil. Zum professionellen Wachsen und Pflegen einer Kette braucht man eigentlich nur vier Artikel der Marke:

  • das „Silca Chain Waxing System“, also den Kocher (UVP 119,95 €)
  • das Silca Kettenwachs (500 g 49,95 €)
  • Silca Strip Chips zum Entfetten (6 Stück 27,95 €)
  • Silca Super Secret Chain Lube Flüssigwachs (120 ml 29,95 €)

Los geht’s mit einer neuen Kette, die noch nicht gefahren sein darf – sonst würde nämlich das Wachs durch Schmutzpartikel kontaminiert und damit die ganze Prozedur beeinträchtigt. Fahrradketten sind mit der sogenannten Erstschmierung ausgestattet, jener dünnen Fettpackung, welche alle Oberflächen bedeckt und zwischen den Laschen, Rollen und Bolzen für Geschmeidigkeit sorgt. Dieser Schmierstoff lässt sich nur mit einigem Aufwand entfernen – etwa durch Bäder in unterschiedlichen Lösungsmitteln, wobei letztere dann natürlich umweltfreundlich entsorgt werden müssen, oder mit dem Silca Chain Stripper, der mehrfach zum Entfetten genutzt werden kann, bevor er zum Wertstoffhof muss.

Silca Kettenwachs-System
Bei einer fabrikneuen Kette können die Strip Chips zur Umwandlung der Erstschmierung in Wachs verwendet werden.
Silca Kettenwachs-System
Der Silca-Wachskocher heizt bis auf die für die Oleogelation notwendigen 125 °C auf.


Oleogelation statt entfetten

Einfacher geht die Sache per „Oleogelation“, d. h. der Umwandlung von flüssigem Öl in eine feste Substanz, die sich mit dem Kettenwachs verbindet. Silca bietet dafür die „Strip Chips“ an, die zusammen mit 300 Gramm Wachs erhitzt werden, wie es Silca als Granulat im 500-Gramm-Beutel anbietet. Und zwar auf 125 °C, woraufhin die Kette mitsamt ihrer Erstschmierung in den Topf mit dem geschmolzenen Wachs gelegt wird. In diesem muss sie nun zehn Minuten köcheln und sollte dabei ein bisschen bewegt werden. Anschließend reduziert man die Temperatur des Kochers auf 75 °C, wartet weitere zehn Minuten, rührt noch ein bisschen um – fertig.

Um die Handhabung der heißen Kette zu vereinfachen, legt Silca dem Chain Waxing System eine Halterung bei. Der „Chain Coupler“ besteht aus einem Alu-Rohr und einer Drahtschlinge, auf die die Kette vor dem Bad im Wachs aufgefädelt werden muss. Am einfachsten geht das, wenn man die Kette flach hinlegt. So ganz optimal ist der Halter aber nicht konstruiert, denn er hat die Tendenz, ins flüssige Wachs zu rutschen, und lässt sich dann kaum anfassen.

Silca Kettenwachs-System
Die Kette wird auf den Draht des Chain Couplers aufgefädelt. Wichtig: War sie schon einmal geschlossen, muss ein neues Kettenschloss montiert werden.
Silca Kettenwachs-System
Der Chain Coupler wird leider schnell mal von der Kette ins flüssige Wachs gezogen.


Wenn die Kette lang genug im Wachs gelegen hat, wird die Halterung über den Ausleger der Wachsstation gehängt, sodass die Kette abtropfen und abkühlen kann. Wird die frisch gewachste Kette vom Chain Coupler abgenommen, ist sie steif und hart, was die Montage am Fahrrad ein wenig erschwert. Hierbei muss man sicherstellen, dass das Kettenverschlussglied (bitte nicht mitwachsen) sauber einrastet. Zu diesem Zweck sollte man das Wachs an den Enden der Kette etwas abkratzen. Die gewachste Kette läuft anfangs rau und schaltet schlecht, was sich aber nach den ersten paar Hundert Metern gibt.

Silca Kettenwachs-System
Das Gestell des Kochers dient zum Aufhängen der frisch gewachsen Kette, damit sie abtropfen und -kühlen kann.
Silca Kettenwachs-System
Das harte Wachs macht die Kette erstmal ziemlich steif.

Auffrischen mit Tropfwachs

Und schon ist man kettenpflegetechnisch auf dem neuesten Stand! Wieder aktiv werden muss man erst nach 200 bis 300 km oder nach einer Regenfahrt. Jetzt sollte die Kette mit einem Mikrofasertuch abgewischt werden; dann gibt man einen oder zwei Tropfen Flüssigwachs auf jede Rolle. Nach dieser Behandlung sollte man dem „Silca Super Secret Chain Lube“ einen Tag Zeit lassen, in die Zwischenräume zwischen Laschen, Rollen und Bolzen einzudringen. Ein erneutes Bad im Heißwachs ist in der Regel erst nach 1.000 km nötig, wobei nasse Witterung das Intervall deutlich verkürzen kann. Dann wird die Kette ohne Strip Chip gewachst – den braucht man wirklich nur für ein fabrikneues Exemplar.



Silca Kettenwachs-System
Überschüssiges Wachs „verkrümelt“ sich auf den ersten paar Hundert Metern.
Silca Kettenwachs-System
Dei frisch gewachste Kette lässt sich einfach um die Kassette legen und durchs Schaltwerk fädeln.

Die Reinigung vor dem erneuten Wachsbad ist denkbar einfach: Die Kette muss nur mit kochendem Wasser abgespült werden, woraufhin sie blitzsauber sein sollte. Nun reicht es, das Wachs soweit zu erhitzen, dass es dünnflüssig ist, also auf etwa 95 °C. Das Wachs im Kocher kann immer wieder verwendet werden, zumal es kaum weniger wird: Eine mit heißem Wasser ausgewaschene Kette nimmt beim Nachwachsen nur etwa drei Gramm Wachs auf. Sobald sechs neue Ketten mit Erstschmierung per Strip Chip behandelt worden sind, ist das Prinzip der Oleogelation freilich ausgereizt und das Wachs kann nur noch zum Auffrischen bereits gewachster Ketten verwendet werden. Zum erstmaligen Wachsen einer fabrikneuen geschmierten Kette muss man nun neues Wachs verwenden.

Silca Kettenwachs-System
So sieht eine gewachste Kette nach ca. 600 km am Gravelbike aus.
Silca Kettenwachs-System
Um sie vorm Nachwachsen zu reinigen, reicht es, sie mit 1-2 l kochendem Wasser abzuspülen.
Silca Kettenwachs-System
Neu gewachst kann die Kette entweder gleich montiert oder für später gelagert werden.


All das klingt komplizierter, als es ist – kein Vergleich etwa mit dem Umrüsten auf Tubeless-Bereifung. Klar, man kann aus dem Wachsen eine Wissenschaft machen und gerade die Reinigung der Kette mit Ultraschallbädern uvm. optimieren. Doch bereits die simple Prozedur mit dem Silca-Equipment liefert erstklassige Ergebnisse, und der Ablauf wird schnell zur Routine. Wer sich also ein neues Rad zulegen will oder das Gefühl hat, eine neue Kette sei fällig, sollte sich überlegen, gleich aufs Wachsen umzusteigen. Für das Fall, dass ein bestehendes Bike mit einer gewachsten Kette ausgestattet werden soll, ist es allerdings wichtig, alle Antriebskomponenten wie Ritzel, Kettenblätter und Schaltröllchen penibel zu reinigen und zu entfetten. Nur dann bleibt langfristig alles schön sauber. Und das ist ja wie gesagt der wichtigste Aspekt der ganzen Sache.

www.silca.cc

Silca Kettenwachs-System
Silcas Super Secret Chain Lube wird etwa alle 200 km zum Nachwachsen auf die Kette getropft. Dabei bekommt jede Rolle einen oder zwei Tropfen.


Stichworte:HeißwachsenKettenwachsPflegeSilcaWachs

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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