Specialized Crux 5: Die lang erwartete Neuauflage des superleichten Gravel-Racebikes ist da. Ab sofort ist das Crux zeitgemäß aerodynamisch und mit bis zu 55 mm breiten Reifen kompatibel. Dass das komplett neu konstruierte Rahmenset ein paar Gramm schwerer wurde, nimmt man da gerne in Kauf, zumal Specialized bei den Mittelklasse-Modellen deutlich an der Preisschraube gedreht hat.
Viele aktuelle Gravelbikes haben ihre Wurzeln im Cyclocross – doch keines ist dem Look jener Disziplin so lange treu geblieben wie das Specialized Crux. 2010 vorgestellt (und damals CruX geschrieben), war es im Querfeldeinsport sehr erfolgreich; noch 2020 wurde das Rad mit 33 mm „breiten“ Reifen verkauft. Im Gegensatz zu vielen anderen Crossern konnte man das Specialized aber schon mit 40 mm breiten Reifen fahren.
Specialized Crux 5: Erst seit fünf Jahren Gravelbike
2021 nahm das Crux seine aktuelle Form an – und wurde erstmals auch mit dem Gravel-Sport assoziiert. Dabei legte Specialized die Rahmengeometrie mit mehr Reach und weniger Stack noch einmal etwas aggressiver aus. „Gravel“ wurde das Rad mit auf 47 mm vergrößerter Reifenfreiheit; in Anlehnung ans superleichte Straßenrad Aethos wurde das Rahmengewicht des Topmodells auf knapp über 700 Gramm gedrückt. Aerodynamik war am schlanken Leichtbau-Graveller nach wie vor kein Thema, und nunmehr mit BSA-Tretlager ausgestattet, was das Crux wirklich „oldschool“.

Specialized Crux 5 – die Highlights
- Aerodynamisch optimierter Rahmen mit Speedsniffer-Steuerrohr
- Leicht angepasste Geometrie: flacherer Lenkwinkel, steilerer Sitzwinkel, tieferes Tretlager
- Reifenfreiheit auf 55 mm vergrößert
- Rahmengewicht 789 Gramm (FACT 12r Carbon) / 897 Gramm (FACT 120r Carbon)
- Fünf Kompletträder zwischen 13.999 und 3.999 Euro
- S-Works-Rahmenset 5.799 Euro
- Mittelklassemodelle deutlich im Preis reduziert
Das hinderte das Bike nicht daran, mit Mads Würtz Schmidt das Traka 360 und mit Sofía Gómez Villafañe das Traka 200 zu gewinnen – ein schönes Abschiedsgeschenk für den leichten Klassiker, denn ab sofort ist auch das Crux aero. Vorhang auf für das Specialized Crux 5, das nach der Maßgabe der „Time to Finish“ komplett neu konzipiert wurde.
„Time to Finish“: Das Maß für reale Zeitgewinne
Der Hersteller versteht darunter die Reduzierung der Fahrzeit unter realen Bedingungen in Abgrenzung zu bloßen Labordaten etwa bezüglich der Aerodynamik. Wobei es die natürlich auch gibt: Im Vergleich zum Vorgänger soll das Specialized Crux 5 bei 45 km/h um 15,2 Watt schneller sein, wobei dies die Werte des Gesamtsystems sind. Das Rahmenset ist für die Hälfte der Luftwiderstandsreduzierung zuständig, 30 % entfallen auf die neuen „Roval Terra Aero“-Laufräder und 20 % aufs „Roval Terra“-Cockpit.
Dass Specialized den Rahmen dazu komplett umgestalten musste, ist klar. Hier hat der Hersteller Anleihen beim Rennrad Tarmac SL gemacht, von dem das „Speedsniffer“-Steuerrohr kommt. Außerdem haben die ehemals ovalen Gabelbeine nun einen fast tragflächenförmigen Querschnitt; das Unterrohr ist langgezogener und das Sitzrohr ovaler und schmaler, ebenso die Kettenstreben. Statt der runden Sattelstütze wird nun eine Aero-Stütze verbaut, und die Sitzstreben treffen nun wie bei allen modernen Aero-Bikes weiter unten aufs Sitzrohr. Und natürlich sind die außen liegenden Bremsleitungen am Cockpit verschwunden.
Mehr Reifenfreiheit ohne längere Kettenstreben
Soweit zur Aerodynamik – doch zur effizienteren Fortbewegung im Gelände gehören auch breitere Reifen. Das neue Crux kann sogar mit 55ern gefahren werden und ist damit auf dem neuesten Stand, wobei sich dies auch auf die Rahmengeometrie ausgewirkt hat. Das Sitzrohr steht um 0,5° steiler, sodass ein große Reifen auch Platz findet; das Tretlager wurde um 6 mm abgesenkt, damit man trotz größeren Reifendurchmessers immer noch „im“ Rad sitzt. Ab Größe 56 ist der Reach einige Millimeter länger und der Lenkwinkel ist bei allen Größen (bis auf 49) flacher. Da sich die jeweiligen Vorbaulängen nicht geändert haben, sitzt man auf dem Crux 5 minimal gestreckter. Der Radstand ist etwas größer geworden, wobei die Kettenstrebenlänge nicht verändert wurde.
Komplett gewichtsneutral ließen sich all diese Maßnahmen natürlich umsetzen, und so hat der Rahmen leicht zugelegt: Das S-Works-Topmodell aus FACT 12r Carbon wiegt nun 789 Gramm, der Standard-Rahmen (FACT 10r) 897 Gramm. Beim alten Crux waren es 725 bzw. 825 Gramm. Das ist natürlich immer noch superleicht und erlaubt den Aufbau von Gravel-Rennmaschinen um sieben Kilo Gesamtgewicht.
Minimal höheres Rahmengewicht
Damit sieht das neue Specialized Crux 5 nicht nur so aus wie ein Aero-Rennrad, es ist auch so leicht. Allerdings kann es nicht mehr wie ein Rennrad aufgebaut werden: Das Thema Zweifachkurbel ist vom Tisch. Fun fact: Mit einem so ausgestatteten Crux 4 gewann Sofia Gómez Villafane 2022 das Unbound Gravel 200 der Frauen über 320 km (Fahrzeit 10:27 Stunden).
Womit wir wieder bei „Time to Finish“ wären. Specialized rechnet vor, dass die Argentinierin beim letztjährigen Unbound 200 mit dem neuen Crux knapp zehn Minuten schneller gewesen wäre, also in etwa die Zeit, die ihr auf den zweiten Platz fehlte. Zehn Minuten auf über 300 Kilometer – das zeigt schon, dass das Crux 5 (wie alle anderen aerodynamisch optimierten Gravelbikes) in erster Linie auf die Erfordernisse des Rennsports zugeschnitten wurde. Doch die entsprechenden Rahmenformen und Komponenten haben sich branchenweit durchgesetzt, weshalb ein Rad wie das alte Crux inzwischen „out“ ist – alleine schon wegen der sichtbaren Bremsleitungen am Cockpit.
SRAM-Rival-Modell zum günstigen Preis
Ein Update war also ohnehin fällig, und das macht Specialized seiner Kundschaft durch attraktive Preise schmackhaft. Das S-Works-Topmodell mit SRAM Red inkl. Kettenblatt-Powermeter sowie den neuen Roval Terra Aero CLX kostet natürlich schwindelerregende 13.999 Euro, wovon das Rahmenset 5.799 Euro ausmacht. Dieses Rad wiegt laut Hersteller 7,1 Kilo; Wer zusätzliche 100 Gramm Rahmengewicht (bzw. ein Gesamtgewicht von 7,7 Kilo) verkraften kann, wählt das Crux 5 S-Level mit FACT-10r-Rahmen: Ebenfalls mit SRAM Red inkl. Powermeter aufgebaut, demselben Roval Terra Cockpit sowie 1.600-Gramm-Aero-Radsatz, kostet diese Variante 10.499 Euro.

Interessant wird es unterhalb dieses Preisniveaus: Das Specialized Crux 5 Expert AXS mit SRAM Force und flachem Carbon-Radsatz sowie Carbonlenker kostet 6.999 Euro und damit einen Tausender weniger als das ähnlich ausgestattete bisherige Crux Pro. Das neue Crux 5 Comp mit SRAM Rival kostet sogar nur 4.499 Euro und ist damit 1.500 Euro günstiger als das Vormodell mit dieser Gruppe. Mit 8,9 Kilo ist diese Variante immer noch ordentlich leicht, allerdings im Vergleich zum alten Rival-Modell 800 Gramm schwerer. Die Gruppe wird nun nämlich nicht mehr mit einem Carbon-Radsatz kombiniert, sondern DT-Swiss-Laufrädern. Am unteren Rand des Sortiments hat sich nichts getan: Für 3.999 Euro gibt es nach wie vor ein Modell mit Shimano GRX-RX820 und DT-Radsatz, das nun aber nicht mehr Crux Comp heißt, sondern Crux 5 Sport.
Dar Tigersprung vom Oldschool-Crosser zum Aero-Gravelbike mit breiten Reifen muss einen also nicht teuer zu stehen kommen – und so lässt man sich das Update des Specialized Crux gerne gefallen.






