Giant Revolt Advanced SL: Das weltgrößte Fahrradproduzent stellt seinem sehr überzeugenden Gravel-Allrounder ein reinrassiges Racebike zur Seite. Dieses ist einerseits kompromisslos am Rennrad orientiert, bleibt aber andererseits wichtigen Eigenschaften des Revolt wie Komfort und Reifenfreiheit treu.
Das Giant Revolt erfreut sich bei Velomotion schon lange großer Beliebtheit: Leicht, komfortabel und trotz seiner schlanken Formen durchaus vortriebsstark, gilt es uns als vielseitiger Allrounder von Bikepacking bis Trail, wobei es für ersteren Einsatzzweck diverse Anbaumöglichkeiten, für letzteres bis 53 mm Reifenfreiheit dank der drehbaren hinteren Ausfallenden mitbringt. Auch über ein Staufach im Unterrohr sowie komplett integrierte Leitungen verfügt die derzeitige Version des Revolt.
Giant und der Trend zum Racebike
Während der Lebenszeit des Giant-Gravelbikes hat sich die Szene allerdings deutlich verändert: Der Rennsport und was man dafür braucht ist immer wichtiger geworden. Hersteller, die im Gravel-Bereich sichtbar bleiben wollen, brauchen heute Fahrerinnen und Fahrer bei den großen Events, und die wiederum brauchen konkurrenzfähiges Material. Aus diesem Grund sehen wir aktuell eine Fülle neuer Race-Gravelbikes – und dazu gehört auch das neue Giant Revolt Advanced SL.
Giant Revolt Advanced SL: die Highlights
- Gravel-Racebike mit aggressiver Sitzposition
- Aerodynamisch optimierter Rahmen mit geringerem Gewicht (ca. 850 g) und optimierten Steifigkeitswerten
- Hoher Komfort dank D-Shape-Stütze und 53 mm Reifendurchlauf
- Drei Modellvarianten mit SRAM Red (9.999 Euro), Force (7.499 Euro) und Rival (6.499 Euro), Rahmenkit 3.999 Euro
- Gewicht 7,25 kg (Gr. ML mit SRAM Red und CADEX Max GXR Radsatz

Der weltgrößte Radhersteller hat sich nicht damit aufgehalten, das derzeitige Revolt zu aktualisieren, sondern ein von Grund auf neues Modell konzipiert, welches das alte eher ergänzen als ersetzen soll. Das Revolt Advanced SL 2027 ist in den vier Bereichen Gewicht–Aerodynamik–Steifigkeit–Sitzposition deutlich optimiert worden, ohne dabei bisherige Vorzüge zu verlieren.
Deutlich reduziertes Rahmengewicht
Los geht es mit dem Rahmengewicht, das in mittlerer Größe von knapp 1.000 auf nunmehr knapp 850 Gramm reduziert wurde. 150 Gramm also, wobei der Gewichtsverlust des Komplettrades bei 290 Gramm liegt, obwohl die neue Version mit 45er Reifen gewogen wurde. In der Topversion mit SRAM Red XPRL und 1.300-Gramm-Radsatz beträgt das Komplettgewicht gerade mal 7,25 Kilo.
Schwerer wiegt wohl die verbesserte Aerodynamik, die sich aus optimierten Rahmenformen, dem neuen Cockpit sowie dem Cadex-Radsatz mit 50 mm tiefen Felgen ergibt. Dazu kommt ein leicht reduzierter Rollwiderstand der 45 mm breiten Reifen, sodass sich in Summe eine Verringerung der Fahrwiderstände gegenüber dem alten Giant Revolt um ganz 19 Watt ergibt. Zur Einordnung: Bei einem Durchschnittstempo zwischen 35 und 40 km/h kann man mit dieser Leistungseinsparung rund 1 km/h schneller fahren, was im Rennsport durchaus relevant ist. Wie sich das neue Revolt gegenüber aerodynamisch optimierten Konkurrenzprodukten schlägt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Steifer ohne Komfort-Nachteile
Die aerodynamischen Rahmenformen wirken sich auch auf die Steifigkeit aus: Der langgezogene Steuerrohrbereich, größere Lager und das einteilige Cockpit haben laut Giant zu einer um 35 % verbesserten Lenkkopfsteifigkeit geführt. Dazu ist die Tretlagersteifigkeit um knapp 23 % gesteigert worden, und bei der Kraftübertragung gibt es ein Plus von 9,4 %. All das spricht für ein optimiertes Handling, höhere Lenkpräzision und ein verbessertes Verhalten im Sprint.
Mit allem verbunden ist die Sitzeometrie, die beim neuen Revolt deutlich sportlicher abgestimmt wurde. Beim mittelgroßen Rahmen (M/L) wurde der Stack um satte 30 mm reduziert; der Reach ist gleichzeitig um 10 mm gewachsen. Dazu kommen zwei zusätzliche Zentimeter Vorbaulänge. Der Lenkwinkel ist gleich geblieben und liegt beim M/L-Rahmen nach wie vor bei 72°; der Sitzwinkel wurde um 1° steiler, sodass man etwas weiter überm Tretlager sitzt. Insgesamt orientiert sich die Sitzgeometrie nun deutlich mehr am Performance-Rennrad.
| Revolt Advanced SL 2027 | XS | S | M | ML | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge (mm) | 430 | 450 | 470 | 490 | 510 | 530 |
| Sitzwinkel | 75° | 74,5° | 74,5° | 74° | 74° | 74° |
| Oberrohrlänge (mm) | 530 | 540 | 550 | 565 | 580 | 590 |
| Steuerrohrlänge (mm) | 90 | 100 | 120 | 135 | 155 | 180 |
| Lenkwinkel | 70,5° | 71° | 71,5° | 72° | 72° | 72° |
| Gabelvorbiegung (mm) | 50 | 50 | 50 | 50 | 50 | 50 |
| Nachlauf (mm) | 78 | 74 | 71 | 67 | 67 | 67 |
| Radstand (mm) | 1026 | 1027 | 1033 | 1039 | 1055 | 1066 |
| Kettenstrebenlänge (mm) | 433 | 433 | 433 | 433 | 433 | 433 |
| Tretlagerabsenkung (mm) | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 |
| Stack (mm) | 525 | 536 | 557 | 573 | 592 | 616 |
| Reach (mm) | 389 | 391 | 395 | 401 | 410 | 413 |
| Überstandshöhe (mm) | 726 | 743 | 762 | 779 | 798 | 818 |
| Lenkerbreite (mm) | 380 | 380 | 400 | 400 | 420 | 420 |
| Vorbaulänge (mm) | 70 | 80 | 90 | 100 | 100 | 110 |
| Kurbellänge (mm) | 165 | 165 | 170 | 170 | 172,5 | 172,5 |
Das neue Giant Revolt Advanced SL ist natürlich mit einer UDH-Aufnahme ausgestattet, womit das längenverstellbare Ausfallende wegfällt, auf das man bei Giant sehr stolz ist. 433 mm lange Kettenstreben stellen sicher, dass sich an der üppigen Reifenfreiheit nichts ändert. Bemerkenswert ist, dass Giant an der komfortablen Sattelstütze mit D-förmigem Querschnitt festgehalten hat, die bereits am alten Revolt für merkliche Stoßdämpfung sorgte, und nicht eine Aero-Stütze spezifiziert.
Auch bei den Anbaumöglichkeiten ist das Rad ganz „Gravel race“: Gepäckhalterungen und Schutzbleche sind nicht vorgesehen; im Rahmendreieck können drei Flaschenhalter montiert werden (bzw. zwei plus eine Rahmentasche unterm Oberrohr) und auf dem Oberrohr eine kleine Tasche. Der Rahmen ist nur mit elektronischen Schaltsystemen kompatibel, kann aber mit Doppelkettenblatt gefahren werden.
Giant bietet das neue Revolt Advanced SL in drei Varianten an, ausgestattet wie zu erwarten mit SRAM Red (SL 0, 9.999 Euro), Force (SL 1, 7.499 Euro) und Rival (SL 2, 6.499 Euro), jeweils mit Powermeter. Alle Bikes kommen mit dem neuen Carbon-Cockpit; das Topmodell ist dazu mit dem 1.300 Gramm leichten Cadex-Radsatz ausgestattet. Bei SL 1 und 2 kommen Laufräder vom Typ Giant CXR 0 mit 50 mm tiefen Carbonfelgen und sogar Carbonspeichen zum Einsatz. Das Rahmenset mit Cockpit und Stütze soll 3.999 Euro kosten.
Fragen kann man sich, ob es nicht mehr Sinn machen würde, beim Rival-Modell einen einfacheren Radsatz zu verbauen, um ein preislich attraktiveres Einstiegsmodell zu realisieren – so hat es etwa Specialized beim neuen Crux 5 gemacht. In jedem Fall stellt das neue Giant Revolt Advanced SL eine willkommene (und nötige) Ergänzung des angenehmen Allrounders dar, die nicht nur die Fans der Marke hellhörig machen dürfte.









