Plüschige 160 mm Federweg, große 29 Zoll Mountainbikereifen und starke Vierkolbenbremsen: Das MyVelo Stelvio tritt wie ein bulliges Enduro-Mountainbike auf – und zeigt uns doch seine zahme Seite. Für wen das Schwarzwald-Touren-Fully am besten geeignet ist, wie die Stärken des MyVelo Stelvio aussehen und wo wir seinen Einsatzbereich sehen, das erfahrt ihr in diesem Velomotion Mountainbike-Test!
Tourenfully für Ausdauersportler: Die Eckdaten des MyVelo Stelvio
Hinter dem MyVelo Stelvio steht eine Marke aus dem Schwarzwald, gegründet von zwei ambitionierten Rennradlern. Doch auch im E-MTB-Bereich ist man dort gut aufgestellt. Neben dem Stelvio stehen auch das E-Hardtail Himalaya und das Carbon-E-Fully Aspen (hier gehts zum Test) zur Auswahl. Die Modellnamen lassen bereits erahnen: Mit diesen Bikes geht es hoch hinaus. Benannt nach dem Stilfser Joch, ist das Stelvio mit einem Bosch Performance CX Antriebsaggregat der fünften Generation ausgestattet – der Motor bietet seit dem neuen Performance Update bis zu 120 Nm Drehmoment! Eingebettet ist er in ein Aluminium-Chassis, das an Front und Heck 160 mm Federweg bereitstellt. Der 800-Wh-Akku kann leicht aus dem Unterrohr entnommen werden. Leider ist das Stelvio lediglich in zwei Rahmengrößen erhältlich – Fahrer an beiden Enden des Größenspektrums haben also kein Glück. Alle anderen erhalten mit dem knapp 4.700 Euro teuren MyVelo Stelvio ein ausdauerndes und sportliches Tourenfully.
- Federweg 160 mm vorne & hinten
- Laufradgröße 29 Zoll
- Rahmenmaterial Aluminium
- Motor & Akku Bosch Performance CX Gen5 / PowerTube 800 Wh (herausnehmbar)
- Display Bosch Purion 200
- Rahmengrößen S/M, L
- Gesamtgewicht 26,9 kg (selbst gewogen, ohne Pedale)
- Laufradgewicht 2,5 kg / 3,3 kg (v/h, inkl. Reifen etc.)
- myvelo.de
- Preis (UVP) 4.699 Euro

So fährt sich das MyVelo Stelvio
Turbo-Begeisterung
Zu Beginn des Tests muss ich etwas beichten: Ich bin ein totaler E-Bike-Anfänger! Kann es so etwas geben – einen Velomotion-Redakteur ohne E-Bike-Erfahrung? Wenn er neu ist, schon! Angst, dass ich mich als Neuling völlig von der Power des Stelvio vereinnahmen lasse, muss man aber keine haben – die erfahrenen Kollegen unterstützen mit Rat und Tat. Jetzt aber zurück zum Stelvio – wie fährt sich das 160 mm Full-Power-Fully in der Realität?
Das erste Aufsitzen zeigt, dass sich MyVelo um eine ausgewogene Sitzposition bemüht hat, welche die Balance aus Sportlichkeit und Komfort ausgezeichnet zu halten weiß. In der Ebene lastet nicht zu viel Gewicht auf den Händen, sodass sich Transferkilometer unproblematisch abspulen lassen. Das Vorderrad befindet sich weit vor dem Fahrer und vermittelt damit viel Sicherheit im Gelände – wie es sich auf Trails fährt, darauf komme ich später zurück. Darüber hinaus wird das Fahrverhalten des Stelvio vom Bosch Performance CX Motor dominiert. Dieser schiebt am Berg kräftig an und verwandelt so das Bike zu einem Höhenmetergaranten.

Running Up That Hill (A Deal With Bosch)
Uphills, von denen ich genau weiß, dass sie mich ohne Motor in die Schnappatmung treiben würden, lassen sich spielend bewältigen. Bereitwillig reagiert das Bosch Aggregat auf meinen Input mit einem monotonen Summen und trägt mich weiter den Berg empor. Solange noch Saft im Akku ist, verschwimmen die Höhenmeterzahlen. Und der Akku hält lange: Anfangs vollgeladen, sind nach einer Mountainbike-Tour mit über 1.400 hm auf 35 km immer noch knapp 20 % der 800-Wh-Kapazität übrig – und dabei bin ich ausschließlich im Turbomodus gefahren! Hier spielt natürlich mein Fahrergewicht von ca. 77 kg eine entscheidende Rolle.
Und wie sieht es mit der Trail-Tauglichkeit des Stelvio aus? Die ist durchaus gegeben – wird aber von der Ausstattung beschränkt. Denn das vollgefederte Chassis selbst arbeitet tadellos und positioniert den Fahrer relativ ausgewogen zwischen den Laufrädern. In Kurven gilt es dann aber doch, nach vorne zu arbeiten, um Last auf das Vorderrad zu bringen. Der Hinterbau glättet alle Unebenheiten des Trails, ohne den Fahrer völlig vom Geschehen zu entkoppeln. Unter Kettenzug zieht sich Hinterbau auseinander (er verhärtet) und „hebt“ den Fahrer an, auf der Bremse hingegen bleibt er noch sensibel genug. So präsentiert sich das MyVelo Stelvio als souveränes Mountainbike, das leider von drei einzelnen Komponenten zurückgehalten wird.


Was hat mir weniger gefallen?
Zu wenig Hub
Zum einen ist da die verstellbare Sattelstütze, die selbst in Größe L lediglich 150 mm Verstellweg bietet und damit schlicht zu wenig, um auf ruppigen Trails genügend Bewegungsfreiheit bereitzustellen. An modernen Enduros findet man für gewöhnlich Dropperposts mit mehr Hub – nicht selten sieht man Stützen mit 200 mm oder mehr. Auf zahmeren Trails genügen jedoch die 150 mm.

Nobby Nic als Kompromiss
Auch die Reifenwahl schränkt die Trailtauglichkeit ein. MyVelo hat sich hier für Schwalbe Nobby Nic Reifen in der Performance-Ausführung (statt in der höherwertigen Schwalbe Pro Line) entschieden. Werden die Trails härter, bot mir der Nobby Nic zu wenig Grip, Pannenschutz und Dämpfung, um das Abfahrtspotential des Stelvio voll auszunutzen. Die (positive) Kehrseite: Auf Forstwegen und lockeren Waldböden fühlt sich der Schwalbe Reifen sehr wohl und stellt einen gelungenen Mix aus Grip und Rollgeschwindigkeit bereit.

Schmales Cockpit
Drittens verdeutlicht auch der verbaute Lenker, dass sich das Stelvio eher als sportliches Tourenfully identifiziert. Seine Breite misst lediglich 740 mm – die meisten Enduro-Fahrer bevorzugen zwischen 750 und 800 mm Lenkerbreite. Mit dem schmalen Lenker wird es schwer, das Fully auf ruppigen Trails unter Kontrolle zu halten. Zudem müssen sich Bremsen, Schalt- und Dropper-Hebel sowie das Display den knappen Platz teilen – schnell wirkt das Cockpit überfrachtet. Für viele könnte der Lenker auch zu wenig Rise (Kröpfung) besitzen.

Aufbauqualität
Insgesamt weiß zwar der Rahmen des Stelvio mit seiner schwarz-glänzenden Lackierung und den edlen, silbern abgesetzten Decals zu gefallen und wirkt robust verarbeitet. Allerdings war an unserem Testbike ab Werk der großzügig gummierte Kettenstrebenschutz schief aufgeklebt und hat den Rahmen nicht ideal abgedeckt. Zudem war die Kette falsch durch das Schaltwerk gefädelt. Inwiefern solche Probleme auch andere Stelvio-Räder betrifft, wissen wir nicht.
Das sind die Stärken des MyVelo Stelvio
Bosch als Zugpferd
MyVelo setzt voll auf den Bosch Antrieb – und zwar aus gutem Grund: Der Motor punktet mit einer natürlichen Fahrweise, ist als zuverlässiges Arbeitspferd bekannt und kann dank umfassendem Händler-Netzwerk im Problemfall unkompliziert repariert werden. Die 800-Wh-Kapazität des Akkus ist ebenfalls gut gewählt, denn sie erweitert die Reichweite und ermöglicht Reserven, die einen sagen lassen: Komm, diesen Anstieg nehmen wir auch noch mit.
Komfortables Fahrwerk
Ein weiterer Pluspunkt: Das RockShox Fahrwerk, bestehend aus einer Lyrik Base Federgabel und einem Deluxe Select Dämpfer. Beide Federelemente besitzen simple und effektive Einstellmöglichkeiten, sodass ein gutes Setup einfach gefunden ist. Was viele vergessen: Das richtige Setup ist weitaus wichtiger für ein gut funktionierendes Fahrwerk als Gimmicks und Feature-Vielzahl.

Bekannte Shimano-Qualität
Mit den Shimano Deore-Vierkolbenbremsen und der Zwölf-Gang-Schaltung aus der gleichen Modellreihe hat MyVelo ebenfalls ins richtige Regalfach gegriffen. Die Bremshebel sind ergonomisch geformt und rufen viel Power ab – schwere Fahrer möchten aber vielleicht auf eine große 203-mm-Bremsscheibe am Heck updaten. Die Shimano Deore-Schaltung legt alle zwölf Gänge sauber ein und bietet viel Bandbreite, um sowohl steile Anstiege als auch schnelle Flachetappen bewältigen zu können. Für Vielfahrer wäre die verschleißärmere Shimano Linkglide eine Überlegung wert.


Die Ausstattung des MyVelo Stelvio
| MYVELO Stelvio | |
|---|---|
| Dämpfer | RockShox Deluxe Select |
| Federgabel | RockShox Lyrik Base |
| Motor | Bosch Performance CX Gen. 5 120 Nm |
| Akku | Bosch Powertube 800 Wh (entnehmbar) |
| Display | Bosch Purion 200 |
| Ladegerät | Bosch |
| Schaltung | Shimano Deore 12-fach 10-51t |
| Kurbel | Pro Wheel 170 mm / 38t |
| Bremsen | Shimano Deore BR-M6120 203 / 180 mm |
| Reifen | Schwalbe Nobby Nic Performance 29x2,4" |
| Laufräder | Novatec |
| Sattelstütze | Pro Dropper 150 mm |
| Sattel | Sella Italia GT-1 |
| Griffe | Velo |
| Gewicht | 26,9 kg |
| Preis (UVP) | 4.699 Euro |
Quick Hits: Das MyVelo Tourenfully in der Nahaufnahme
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Für wen ist das Stelvio das ideale Bike?
Ausstattungsdetails wie Sattel, Reifen und Lenker zeigen: Das Stelvio ist weniger waschechtes Enduro und mehr sportliches Tourenfully. Es spricht Genussradler und Trailfahrer an, die ihre Ein- oder Mehrtagestouren am liebsten gemütlich, aber ausdauernd bestreiten. Innerhalb dieses Einsatzzweckes blüht das Stelvio auf und verspricht, ein zuverlässiger, stressfreier und komfortabler Begleiter auf langen Touren zu sein.







