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Gobao X1 und X1P Antrieb vorgestellt: Integriertes Getriebe, bis zu 150 Nm und 1,5 kW Ladestrom

23. Juni 2026 by Michael Faiß

Produktnews: Die Integration von E-Bike-Motor und Getriebe in einer kompakten Einheit gilt in der Fahrradbranche als der nächste logische Schritt der Evolution. Mit den neuen Gobao X1 und X1P Motoren präsentiert der Hersteller aus China ein hochentwickeltes E-Bike-System, das einen kraftvollen Motor und ein elektronisch gesteuertes, stufenloses Getriebe (ECVT) in einem einzigen Gehäuse vereint. Neben Leistungsdaten von bis zu 150 Nm Drehmoment setzt das System mit einer Ladeleistung von bis zu 1,5 Kilowatt und extrem kurzen Ladezeiten neue Maßstäbe bei der Energieversorgung. Wir haben uns die technischen Spezifikationen und die Funktionsweise dieses neuen Antriebs im Detail angesehen.

Die Evolution des E-Bike-Antriebs: Motor und Getriebe verschmelzen

Wer heute ein modernes E-Bike fährt, nutzt in der Regel ein System aus einem separaten Mittelmotor und einer klassischen Ketten- oder Nabenschaltung am Hinterrad. Diese Konstruktion bringt bauartbedingt einige Nachteile mit sich: hoher Verschleiß an Kette und Ritzeln, Anfälligkeit für Beschädigungen bei Stürzen und spürbare Zugkraftunterbrechungen beim Gangwechsel unter Last. Die Idee, den E-Bike-Motor und das Getriebe in einem gemeinsamen, geschützten Gehäuse direkt im Tretlagerbereich unterzubringen, gewinnt daher zunehmend an Bedeutung, gerade angesichts immer stärkerer Mittelmotoren.



Gobao geht mit dem System „X“ diesen Weg konsequent weiter. Durch die Fusionierung der Komponenten zu einer geschlossenen Einheit ist das System vollständig vor äußeren Umwelteinflüssen wie Schmutz, Schlamm und Wasser geschützt. Das sorgt nicht nur für einen nahezu wartungsfreien Betrieb, sondern räumt auch das Heck des Fahrrades optisch und technisch auf. Schwere Nabenschaltungen oder empfindliche Schaltwerke gehören damit der Vergangenheit an, was auch die ungefederte Masse am Hinterrad drastisch reduziert – ein entscheidender Vorteil für das Fahrwerk von E-Mountainbikes.

Das Herzstück: Die stufenlose ECVT-Technologie im Detail

Die technologische Besonderheit des Gobao-Systems liegt in der Verwendung eines elektronisch gesteuerten, stufenlosen Getriebes (Electronically-controlled Continuously Variable Transmission, kurz ECVT). Während klassische Getriebe auf Zahnradpaare mit festen Übersetzungsverhältnissen setzen, arbeitet das ECVT stufenlos.

Gesteuert wird das System durch eine KI-basierte Software, die permanent sensorische Daten erfasst. In Echtzeit werden Trittfrequenz, Drehmoment, Fahrgeschwindigkeit und die aktuelle Steigung gemessen. Auf Basis dieser Parameter passt die Steuerung das Übersetzungsverhältnis kontinuierlich an. Das Ziel: Der Elektromotor soll unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit stets im Bereich seines optimalen Wirkungsgrads arbeiten. Für den Fahrer bedeutet das, dass er sich keine Gedanken mehr über den richtigen Gang machen muss – das System hält die Trittfrequenz automatisch konstant. Wer dennoch selbst eingreifen möchte, kann optional in einen manuellen Schaltmodus wechseln.



Gobao X1 und X1P vs. Pinion MGU: Zwei völlig unterschiedliche Konzepte

Auf dem Markt für Getriebemotoren ist das Prinzip der Systemintegration spätestens seit der Einführung der Pinion MGU (Motor Gearbox Unit) bekannt. Dennoch unterscheiden sich die beiden Systeme in ihrer Funktionsweise und ihren Fahreigenschaften grundlegend.

Die Pinion MGU basiert konstruktiv auf einem klassischen, mechanisch abgestuften Stirnradgetriebe mit wahlweise 9 oder 12 festen Gängen, die elektronisch geschaltet werden. Der Fahrer spürt hier beim Gangwechsel diskrete Stufen und eine entsprechende Änderung der Trittfrequenz. Das Gobao-System hingegen arbeitet mit dem ECVT völlig stufenlos. Es gibt keine mechanischen Gangsprünge und somit auch keinerlei Schaltstufen.

Bislang wurde CVT Getrieben ein eher unterdurchschnittlicher Wirkungsgrad nachgesagt. Ob das auch für das neue Gobao Antriebssystem zutrifft, werden erste Tests zeigen müssen.



Die Antriebseinheiten: Gobao X1 und X1P im Vergleich

Gobao bringt das System in zwei unterschiedlichen Ausführungen auf den Markt: den X1 für Standardanwendungen und den X1P für leistungsorientierte Einsatzbereiche wie Cargo-Bikes, schwere E-Mountainbikes oder S-Pedelecs. Erfreulich für Fahrradhersteller: Beide Varianten besitzen absolut identische Gehäuseabmessungen und Montagepunkte, was die Integration in die Rahmenplattformen erleichtert.

Das Gewicht beider Antriebseinheiten liegt bei jeweils 3,85 kg. Damit bewegt sich Gobao in einem sehr konkurrenzfähigen Rahmen, wenn man bedenkt, dass hiermit das komplette Schaltgetriebe bereits abgedeckt ist. Zudem ist die Antriebseinheit rund 200 g leichter als die Pinion MGU. Ein Blick auf die Leistungsdaten verdeutlicht die Unterschiede:



Technische Daten im Überblick

Der Gobao X1 liefert ein maximales Boost-Drehmoment von 120 Nm und eine Spitzenleistung von bis zu 1.200 Watt. Die Getriebespreizung beträgt 400 % mit einem Untersetzungsverhältnis (Undergear ratio) von 1:1 und einem Übersetzungsverhältnis (Overgear ratio) von 1:4. Das System ist sowohl für Pedelecs bis 25 km/h als auch für S-Pedelecs bis 45 km/h ausgelegt.

Der leistungsstärkere Gobao X1P hingegen mobilisiert ein maximales Boost-Drehmoment von stolzen 150 Nm bei einer maximalen Spitzenleistung von 1.500 Watt. Auch das Getriebe wurde für extremere Anforderungen angepasst: Die Spreizung steigt auf 500 %, wobei das Untersetzungsverhältnis bei kurzen 1:0.8 liegt. Dies sorgt für eine enorme Kletterfähigkeit an steilen Rampen, selbst bei hoher Zuladung. Die Übersetzung für schnelle Passagen bleibt mit 1:4 identisch zum X1.

Akkutechnologie mit hoher Energiedichte

Um die enormen Leistungsspitzen der Motoren von bis zu 1,5 kW bedienen zu können, bedarf es einer leistungsfähigen Akkutechnologie. Gobao stellt für das System drei Akkuvarianten mit einer Nennspannung von 50,4 Volt vor, die sich durch ein sehr gutes Verhältnis von Kapazität zu Gewicht auszeichnen:



  • BT500ES: Mit einer Kapazität von 500 Wh wiegt dieser Akku lediglich 2,6 kg. Das entspricht einer Energiedichte von 192 Wh/kg. Der kontinuierliche Entladestrom liegt bei 20 A, der maximale Impuls-Entladestrom bei 34 A. Abmessungen: 425 x 71,6 x 50 mm.
  • BT750FS: Die mittlere Variante bietet 750 Wh Kapazität bei einem Gewicht von 3,6 kg (Energiedichte: 208 Wh/kg). Der kontinuierliche Entladestrom beträgt 25 A (Impuls: 34 A). Abmessungen: 425 x 71,6 x 71,6 mm.
  • BT900FS: Das Flaggschiff liefert satte 900 Wh Kapazität und bringt dank fortschrittlicher Zelltechnologie nur 3,7 kg auf die Waage. Mit einer Energiedichte von 243 Wh/kg setzt dieser Energiespeicher ein klares Zeichen im Vergleich zu vielen Mitbewerbern, deren Akkus in dieser Kapazitätsklasse oft deutlich schwerer sind. Der kontinuierliche Entladestrom liegt ebenfalls bei 25 A (Impuls: 34 A). Abmessungen: 425 x 71,6 x 71,6 mm.

Super-Charging mit 1,5 kW: In Rekordzeit zurück auf den Trail

Ein weiteres technisches Highlight des Systems ist die extrem schnelle Ladetechnologie. Gobao bietet hierfür das Ladegerät EC-521FEU an, das mit einer brachialen Ladeleistung von bis zu 1,5 Kilowatt (kW) arbeitet. Bei einer Ausgangsspannung von 52 Volt fließt dabei ein maximaler Ladestrom von bis zu 30 Ampere.



Die resultierenden Ladezeiten sind beachtlich und heben sich drastisch von herkömmlichen E-Bike-Ladegeräten ab, die meist nur mit 2 bis 6 Ampere laden. Der 750-Wh-Akku lässt sich unter Laborbedingungen in nur 20 Minuten von 10 % auf 80 % aufladen. Für den vollständigen Ladezyklus im Alltag ergeben sich laut Datenblatt folgende Werte:

  • BT500ES (500 Wh): 0 bis 50 % in 15 Min. | 0 bis 80 % in 24 Min.
  • BT750FS (750 Wh): 0 bis 50 % in 16 Min. | 0 bis 80 % in 28 Min.
  • BT900FS (900 Wh): 0 bis 50 % in 18 Min. | 0 bis 80 % in 32 Min.

Trotz der hohen Leistungsfähigkeit bleibt das Ladegerät mit Abmessungen von 210 x 80 x 45 mm und einem Gewicht von 1,2 kg kompakt genug, um im Rucksack transportiert zu werden. Ein intelligentes Batteriemanagementsystem sorgt während des Ladevorgangs für die nötige Sicherheit und thermische Überwachung, um die Lebensdauer der Zellen trotz der hohen Ströme nicht zu beeinträchtigen.

Das Gehirn des Systems: Central Control Unit (CCU) DP-201FAI

Gesteuert und vernetzt wird das gesamte System über die integrierte Central Control Unit (CCU) mit der Modellbezeichnung DP-201FAI. Diese dient als physische und digitale Kommunikationszentrale des Rades. Ausgestattet mit einem Touchscreen, Bluetooth, GNSS (GPS) und einer integrierten 4G-Mobilfunkanbindung ist das E-Bike permanent online.



Dank dieser Konnektivität bietet das System diverse Sicherheits- und Komfortfunktionen direkt ab Werk. Dazu gehören ein digitaler Diebstahlschutz, GPS-Tracking zur Echtzeit-Ortung, Geo-Fencing (Benachrichtigung beim Verlassen eines definierten Radius) sowie ein digitaler Akku-Lock. Das Entriegeln des Fahrzeugs kann schlüssellos via Smartphone über die Gobao App erfolgen. Zudem lassen sich über die App individuelle Motoreneinstellungen vornehmen und Navigationsdaten direkt auf dem Display anzeigen.



Gobao X1 und X1P: Marktstart

Mit dem „Project X“ zeigt Gobao eindrucksvoll, wohin die Reise bei E-Bike-Antrieben gehen kann. Die Kombination aus einem extrem kraftvollen Motor und dem stufenlosen ECVT-Getriebe verspricht ein vollkommen neues, harmonisches Fahrgefühl ohne Schaltunterbrechungen. Gepaart mit den extrem schnellen Ladezeiten des 1,5-kW-Super-Chargers und den leichten Akkus mit hoher Energiedichte liefert das System starke Argumente für den anspruchsvollen Einsatz im Gelände, im Alltag und beim Lastentransport.

Während die Systeme X1 und X1P nun ihre Messepremiere feiern, müssen sich Endverbraucher allerdings noch etwas gedulden: Der offizielle Start der Massenproduktion ist für Februar 2027 angekündigt. Bis dahin werden die ersten OEM-Partner ihre Rahmenplattformen an das neue System anpassen.

Stichworte:featuredgobaogobao x1Pinion

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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