Test Konrad Cross Trekking: Die Radmarke eines großen Industrieausstatters überrascht mit der Kombination aus Heckmotor und Tretlagergetriebe. Das Versprechen flüsterleisen Laufs kann das Aximo-Aggregat erfüllen – doch wie sieht es mit seinen sonstigen Eigenschaften aus?
Die Radwelt ist nicht arm an Revolutionen – und eine trug sich vor drei Jahren zu. Im Sommer 2023 stellte Getriebespezialist Pinion seine MGU vor, die „Motor Gearbox Unit“ genannte Motor-Getriebe-Einheit. Damit half der Anbieter dem Umstand ab, dass sein Tretlagergetriebe am E-Bike bis dahin nur mit Nabenmotoren kombiniert werden konnte. Wobei sich diese Paarung bis heute gehalten hat – etwa am bulligen Konrad Cross Trekking mit Aximo-Heckmotor. Was kann das Bike aus Höxter, dem Fachwerkstädtchen an der Weser?
E-Bike-Marke mit industriellem Hintergrund
Hinter der Radmarke Konrad steht ein großer Hersteller von Industrieventilatoren; der Aximo-Heckmotor wiederum ist ein Spin-off des Automotive-Unternehmens Hirschvogel Group – beides Newcomer in der Fahrradbranche, denen freilich ein sehr eigenständiger Auftritt gelingt. Das Konrad-Bike macht mit ungewöhnlichen Rahmenformen auf sich aufmerksam, zu denen ein massiger Steuerkopf und kantige Rahmenrohre gehören. Das schwarze, glattflächige Motorgehäuse fügt sich optisch gut ins Bike ein; Details wie das am Lenkervorbau montierte Display unterstreichen den aufgeräumten Gesamteindruck.

Apropos Display: Dieses sowie Tastenblock, Akku und weitere elektronische Komponenten werden vom Zulieferer FIT bereitgestellt. Auch eine FIT-App gibt es, in der sich die Antriebscharakteristik individualisieren lässt. Den Controller mit Vibrations-Feedback und kleinem „Joystick“ kennt man schon von anderen Marken als bewährtes Bauteil.
Der Aximo-Nabenmotor am Konrad Cross Trekking ist ein Leckerbissen für Technik-Fans: Er läuft völlig berührungslos ohne Sperrklinken, Getriebestufen oder sonstiges mechanisches Innenleben. Das Drehmoment liegt bei 60 Nm und damit im mittleren Bereich; aufgrund des Funktionsprinzips gibt es dafür ein anderes interessantes Merkmal: Das Aggregat kann in den Rekuperations-Modus schalten, also wie ein Dynamo Energie erzeugen; dabei wirkt der Aximo gleichzeitig als Motorbremse.
Die Neungang-Getriebeschaltung wird elektronisch betätigt und verfügt über praktische Automatik-Funktionen: Beim Anhalten wechselt sie automatisch in einen leichten Anfahrgang; in der App kann man neben dem Startgang auch eine Lieblings-Trittfrequenz wählen, wenn man den vollautomatischen Modus nutzen will. Die Betätigung des elektronischen Doppelhebels (dessen Belegung frei gewählt werden kann) sorgt für blitzschnelle Gangwechsel, die auch unter Teillast gelingen; wer im Stand schaltet, sollte aber das Pedal entlasten, damit’s nicht im Getriebe kracht.
Die Kadenz kann auf dem FIT-Display angezeigt werden, allerdings verwirren die Zahlen: Sie sind nämlich nur etwa halb so groß, wie sie sein sollten. Die Anzeige geht nie über 49/min hinaus, auch wenn die tatsächliche Trittfrequenz doppelt so groß ist – wohl ein Software-Fehler, der Durchschnittsnutzer nicht weiter stören wird.
Wichtiger ist natürlich, wie sich der Heckmotor in der Praxis verhält, und hier ist nicht nur der erste Eindruck positiv. Eine der vom Hersteller beworbenen Eigenschaften ist sofort bemerkbar: Der Antrieb arbeitet völlig lautlos, was man von der Schaltung allerdings nicht sagen kann – jeder Gangwechsel wird von lautem Surren und Klacken untermalt. Der Motorschub setzt sanft, aber nachdrücklich ein, wobei es weder beim Losfahren eine Verzögerung gibt noch wenn man aufhört zu treten. Blitzschnell ist das Konrad Bike im Regelbereich, der laut Tacho bei 25,9 km/h liegt; insgesamt hat man aber das Gefühl, dass der Aximo-Heckmotor nicht ganz so „am Gas hängt“ wie ein typischer Mittelmotor.
Starke Fahrleistungen an mittleren Steigungen
Auch am Berg zeigt der Antrieb gute Leistungen. Eine längere sechsprozentige Steigung zieht er mit 23-24 km/h hoch; auch der 1,5 km lange Hausberg mit durchschnittlich 7 % und maximal 11 % Steigung bewältigt der Aximo mit Bravour. Ein merkliches Vibrieren zeigt dabei an, dass er ordentlich gefordert ist. An seine Grenzen gelangt das Aggregat erst, wenn es extrem steil wird, also ab 15, 18 %. Hier zeigt sich das für Heckantriebe typische Phänomen, dass der Motor zu warm wird und seine Leistung runterregelt, sodass man bei gleich bleibendem Pedaldruck immer langsamer wird. Mit mehr Kraft und/oder einer höheren Trittfrequenz kann man ein Stück weit gegensteuern, doch ganz wird man diesen konstruktionsbedingten Nachteil nicht los. An extremen Steilstücken, die Bikes mit Mittelmotor recht locker bewältigen, mag der Aximo irgendwann kaum noch mithelfen.
Rekuperation: Komfortable Motorbremse
Rollt man wieder runter, kann man die Freuden der Energie-Rückgewinnung genießen: Die zweistufige Rekuperation ist in der Lage, auch bei langen Gefällestrecken effektiv das Tempo zu drosseln. Dazu muss man nur leicht die Bremshebel antippen, die mit der Motorelektronik verbunden sind; schon spürt man eine deutliche Verzögerung. Mit etwas Übung kann man etwa vor der Ampel kontrolliert ausrollen; an längeren Abfahrten entlastet die Motorbremse Hände wie Bremsanlage.
Die Rückgewinnung lässt sich nur aktivieren, wenn man mit Licht fährt; außerdem gibt es noch eine zweite Möglichkeit, zu rekuperieren: Die zwei Stufen „Rec 1“ und „Rec 2“ können mit den normalen Fahrmodi geschaltet werden. Das ist jedoch etwas umständlich, da die Energierückgewinnungs-Modi unterhalb von „Off“ (keine Motorunterstützung) angeordnet sind. Wer also vorzugsweise in den Modi „High“ oder „Auto“ fährt, muss sich durch Std, Eco und Off klicken, um bei Rec 1 zu landen. Stufe eins bremst schon deutlich ab, wobei man mit den starken Vierkolben-Scheibenbremsen nachhelfen muss; Stufe zwei wirkt fast wie ein moderner Tempomat und scheint die im Moment der Aktivierung gefahrene Geschwindigkeit halten zu können. Wie viel Energie sich bergab in den Akku einspeisen lässt, kann nicht genau beziffert werden – ein nützliches Feature ist die Rekuperation aber auf jeden Fall.

Auch im Jahr drei nach der Vorstellung der Pinion MGU kann die Kombination von Heckmotor und Tretlagergetriebe damit durchaus überzeugen. Kultivierte Kraftentfaltung, leiser Lauf und genug Schub an üblichen Steigungen sind die Pluspunkte des Motors; das Getriebe gefällt mit schnellen, präzisen Gangwechseln und diversen elektronischen Schaltfunktionen. Ein Übersetzungsumfang von 568 % und gleichmäßige Gangsprünge von rund 24 % passen gut zum Elektrorad: Man muss nicht allzu oft schalten und bergauf wie bergab gehen einem nie die Gänge aus.
Aufrechte Sitzposition und souveränes Fahrverhalten
Angenehm sind auch die Fahreigenschaften des Konrad Cross Trekking, auf dem man regelrecht „thront“. Die 120-mm-Luftfedergabel hebt die Front an, der breite Lenker vermittelt viel Kontrolle und die 60 mm dicken Reifen sorgen bei der Kurvenfahrt für sportliche Schräglage. Damit und mit seinem hohen Gewicht von 34 Kilo fühlt sich das Bike fast wie ein Kraftrad an. Schon es kurz anzuheben ist ein Kraftakt, es in den Keller zu tragen scheint kaum möglich. Diesen Aspekt sollte man auch deshalb berücksichtigen, weil das E-Bike im Test-Trimm 7.535 Euro kostet. Ein so teures Rad will man natürlich nicht dauerhaft vorm Haus stehenlassen.
Generell muss man sagen, dass der Preis des Konrad Cross Trekking eher hoch ist, auch wenn der Anbieter eine wirklich wertige Ausstattung mit Fernlicht und Parallelgramm-Federstütze mitbringt. E-Bikes mit der Motor-Getriebe-Einheit von Pinion gibt es nämlich bereits unter 5.000 Euro – ebenfalls mit elektronisch aktivierter Schaltung, 800-Wh-Akku und Luftfedergabel. Wer freilich auf den kultivierten Charakter des Heckmotors Wert legt und finanzielle Überlegungen hintanstellt, dürfte am Konrad Cross Trekking viel Freude haben.













