Test Mondraker Arid Carbon R: Mit Trail-Geometrie und sportlicher Sitzhaltung will der spanische Hersteller unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Das erst ein Jahr alte Modell verspricht Highspeed auf schnurgeraden Schotterstraßen und Handlichkeit auf kniffeligen Trails – nur jenen, die am liebsten mit Gepäck fahren, hat es nicht viel zu bieten.
Glaubt man einer Statistik des Komponentenherstellers FSA, weist die spanische Gravel-Szene eine interessante Besonderheit auf: Der Anteil der Gravelnden, die gleichzeitig Rennrad fahren, ist dort mit gut 8 % sehr niedrig (Deutschland ca. 22 %, Frankreich ca. 15 %, Italien ca. 17 %). Andererseits sitzen 7 % auch mal auf dem Mountainbike – also etwas mehr als hierzulande (6 %) und deutlich mehr als in Frankreich (4,6 %). Was sagt uns das? Vielleicht, dass man im Spanien das Gravelbike ebenso gut vom MTB her entwickeln kann wie vom Rennrad. Und das ruft eine Marke wie Mondraker auf den Plan, die bis vor einem Jahr mit Dropbar Bikes nichts am Hut hatte – und immerhin gibt es den Hersteller schon seit 25 Jahren.

Nun also das Mondraker Arid Carbon R – eines von sechs Ausführungen auf Basis des 2025 vorgestellten und seitdem leicht überarbeiteten Rahmens. Mit knapp 4.500 Euro kostet es nur die Hälfte des SRAM-Red-Topmodells, das auf demselben Rahmen basiert, und anderthalb mal so viel wie die Einstiegs-Variante mit mechanischer Shimano GRX. Eine interessante Mittelklasse-Ausführung also, zumal Mondraker das Bike hochwertig ausstattet.
Mondraker Arid Carbon R: die Highlights
- Carbon-Gravelbike mit ans MTB angelehnter Geometrie und 50 mm Reifenfreiheit
- Staufach im Unterrohr, Gewinde für drei Flaschenhalter und Oberrohrtasche
- 6 Modelle zwischen 8.999 und 2.999 Euro; Rahmenset 1.999 Euro
- Testrad mit SRAM Rival / GX Eagle AXS und Mavic Allroad S Carbon 4.499 Euro
- Gewicht 9,31 kg (o. P.) zzgl. Etuis; Vorderrad 1.610 g /Hinterrad 2.180 g
Mondraker Arid Carbon R: Zwischen „Race“ und „Adventure“ bzw. „Trail“
Doch was macht das Arid eigentlich aus? Der Hersteller sieht den Gravel-Sport zwischen zwei Polen – „Racing“ und „Adventure“. Und sein Erstlingswerk soll beides können. Wobei „Trail“ vielleicht der bessere Begriff wäre – die abenteuerliche Seite des Spektrums bezieht sich nämlich nicht aufs Bikepacking. Bei den Anbaumöglichkeiten hält sich das Arid stark zurück: Drei Flaschenhalter können montiert werden, dazu eine „Bento Box“ am Oberrohr, außerdem ließe sich am Hinterbau ein Schutzblech anbringen. An der Gabel kann allerdings gar nichts befestigt werden, weder Schutzblech noch Gepäckhalterungen – hier zeigt sich die Neuauflage des Arid Carbon sportlich-reduziert.
Immerhin verfügt der Rahmen über ein Staufach, dessen Deckel über ein Drehgelenk auf Höhe der oberen Flaschenhalter-Bohrung mit dem Unterrohr verbunden ist. Der Halter selbst sitzt ziemlich weit oben am Rohr und ist damit bequem zu erreichen. Die drei Etuis, die für das Geheimfach mitgeliefert werden, passen leer noch ganz gut ins Rahmenrohr. Sobald man sie jedoch füllt, wird’s eng, zumal die Öffnung nur etwa 9,5 x 4,5 cm misst. Eine handelsübliche Minipumpe geht weder im länglichen Etui noch unverpackt hinein. Mit mehreren kleinen Gegenständen klappt es schon eher, wobei man sich fragen kann, ob die nicht ohnehin besser in einer Lenkertasche aufgehoben sind.
Der Rahmen weist angedeutete Aero-Merkmale auf wie einen flächigen Steuerkopf, ein flaches Oberrohr und die tief angesetzten Hinterbaustreben. Allerdings wirkt er insgesamt eher bullig, und auch die Form der Gabel spielt mit der Mountainbike-DNA des Herstellers: Sie fluchtet mit dem Steuerrohr und ist unten wie eine Federgabel nach vorne gezogen.
Spezielle Streben für höheren Komfort
Für den Übergang von den Sitzstreben zum Sitzrohr hat sich Mondraker ein Komfort spendendes Element ausgedacht: Jede Strebe teilt sich in zwei Mini-Streben, wodurch der Hinterbau besonders stark flexen können soll. Die Carbonstütze ist ähnlich aufgebaut; angesichts des kurzen Sitzrohrs ist sie weit herausgezogen und dürfte dadurch ohnehin recht nachgiebig sein.
An der Rahmengeometrie ist die Herkunft von Mondraker deutlich zu spüren: Lenk- und Sitzwinkel betragen bei allen fünf Rahmengrößen einheitlich 70 bzw. 74°; die Kettenstreben sind so kurz, wie es bei 50 mm Reifenfreiheit geht. Dafür ist der Rahmen nach vorne etwas gestreckter. Ein kurzer Vorbau sorgt dafür, dass man nicht allzu extrem sitzt.
| Rahmengröße | S | M | M/L | L | XL | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge (mm) | 410 | 450 | 480 | 510 | 540 | |||||||||
| Oberrohrlänge (mm) | 520 | 550 | 580 | 600 | 630 | |||||||||
| Tretlagerabsenkung (mm) | -75 | -75 | -75 | -75 | -75 | |||||||||
| Tretlagerhöhe (mm) | 269 | 269 | 269 | 269 | 269 | |||||||||
| Kettenstrebenlänge (mm) | 425 | 425 | 425 | 425 | 425 | |||||||||
| Sitzwinkel (effektiv) | 74° | 74° | 74° | 74° | 74° | |||||||||
| Lenkwinkel | 70° | 70° | 70° | 70° | 70° | |||||||||
| Gabelvorbiegung (mm) | 45 | 45 | 45 | 45 | 45 | |||||||||
| Radstand (mm) | 1003 | 1035 | 1067 | 1089 | 1121 | |||||||||
| Steuerrohrlänge (mm) | 100 | 125 | 145 | 175 | 200 | |||||||||
| Reach (mm) | 363 | 386 | 411 | 423 | 446 | |||||||||
| Stack (mm) | 548 | 572 | 591 | 619 | 642 | |||||||||
| Vorbaulänge (mm) | 60 | 70 | 70 | 80 | 90 | |||||||||
| Gabellänge (mm) | 420 | 420 | 420 | 420 | 420 |
Ans MTB lehnt sich das Mondraker Arid auch bei der Gangschaltung an: Alle Ausführungen bis aufs Topmodell mit kompletter SRAM Red XPLR kommen mit breit abgestuften Zwölffach-Zahnkränzen. Beim Arid R wird also nicht das SRAM-Rival-Schaltwerk für 1×13 verwendet, sondern ein SRAM GX Eagle, das den 10-52er Kranz bedient.
Mountainbiker/innen werden sich daran nicht stören; allerdings kann man der Ansicht sein, dass damit Potenzial verschenkt wird. Im schnellen Bereich macht es nämlich durchaus einen Unterschied, ob die längsten vier Gänge in Einer- oder Zweiersprüngen abgestuft sind. Am Berg wiederum fehlt einem mit der Gravel-Kassette von SRAM auch nicht sehr viel – genauer gesagt nur sechs Zähne.
Viel Vortrieb und präzise Lenkung
Bleibt man im mittleren Bereich der Kassette, ist man mit der MTB-Abstufung aber ganz gut bedient – und achtet ohnehin auf andere Aspekte des Mondraker. Zum Beispiel auf den starken Vorwärtsdrang des stabilen Rahmens, der sehr direkt reagiert und dabei mit solidem Geradeauslauf gefällt. Was andererseits nicht gegen eine handliche Lenkung spricht, wobei die massige Gabel präzise Manöver auf verwinkelten Trails erlaubt.

Ihre Steifigkeit beweist die Forke auch dadurch, dass selbst bei heftigem Wiegetritt keinerlei Bremsschleifen festzustellen ist. Andererseits fühlt sie sich nicht für den Fahrkomfort zuständig – das Arid ist vorne ziemlich straff, während es hinten mit wirkungsvoller Stoßdämpfung gefällt. Dafür scheint vor allem die Sattelstütze verantwortlich zu sein, außerdem die 45er Maxxis Reaver, die schnell rollen und recht griffig auf lockerem Untergrund sind.
Am Rad findet sich außerdem ein Carbonlenker mit abgeflachtem Oberlenker, sodass man die Hände oberhalb der Bremsgriffe sehr angenehm ablegen kann. Übermäßig breit fällt der Bügel am Testrad in Größe M/L nicht aus – hier ist das Arid eher „Race“ als „Adventure“.
Hochwertige Komplettierung mit Carbon-Radsatz und -Lenker
Komplettiert wird das spanische Gravelbike von einem wertigen Mavic-Radsatz mit 25 mm Innenweite und Zahnscheibenfreilauf, der nicht allzu schwer ist und durch die Tubeless-Umrüstung noch einmal knapp 200 Gramm verlieren dürfte. Dann wiegt das Komplettrad nur noch gut neun Kilo zuzüglich gut 90 Gramm für die drei Etuis im Unterrohr.
Und so liefert das erste Gravelbike des spanischen MTB-Spezialisten eine rundum überzeugende Vorstellung ab; höchstens die etwas harte Gabel und die kleine Öffnung des Staufaches könnte man bekritteln. Ob man nun vom Rennrad kommt oder vom MTB: Mit diesem Bike wird man viel Spaß haben. Besonders, wenn man auf Gepäcktransport keinen Wert legt.










