Canyon Grail 2027: Das im Rennsport erfolgreiche Gravelbike wird nach nur drei Jahren aktualisiert – angesichts von bisher nur 42 mm Reifenfreiheit unverzichtbar, will man auf Top-Niveau ganz vorne mitfahren. Mit ans Aero-Rennrad angelehnten Rahmenformen ist die neue Generation dazu bei Renntempo im Fahrtwind im Vorteil. Die Vorzüge des neuen Modell lassen sich zu attraktiven Preisen genießen, ohne dass große Kompromisse nötig sind.
Seit acht Jahren hat Canyon das Grail und damit Gravelbikes im Programm – und in dieser Zeit ist viel passiert. Wurde die erste Version noch von ihrem seltsamen Lenker eingebremst, erwies sich die zweite Generation vom Start Weg als Volltreffer: Im Sommer 2023 gewann Carolin Schiff das Unbound 200 auf dem noch nicht gelaunchten Rad, und Tiffany Cromwell siegt mit dem neuen Canyon Grail beim 100-Meilen-Rennen.
Canyon Grail 2027: Mit wichtigen Updates auf der Höhe der Zeit
Seitdem ist das Carbon-Racebike der Koblenzer nicht mehr aus dem Gravel-Rennsport wegzudenken, was natürlich auch bedeutet, dass man konkurrenzfähig bleiben muss. Und so ist nach nur drei Jahren ein Nachfolger am Start, der dort nachlegt, wo das bisherige Grail ein wenig „oldschool“ war: beim Reifendurchlauf. Der lag bislang bei 42 mm, was vor ein paar Jahren noch voll in Ordnung ging – man denke daran, dass die erste offizielle Gravel-WM 2022 auf einem Canyon-Straßenrad mit 33er Reifen vorne und 35er hinten gewonnen wurde.
Doch inzwischen sind die Strecken schwerer geworden und die Rennen schneller – und wer mit Highspeed über Holperstrecken brettert, ist auf großes Reifenvolumen angewiesen, das Defekte verhindert, durch mehr Dämpfung der Ermüdung vorbeugt und Fahrfehler verzeiht. Und damit Vorhang auf für das neue Canyon Grail 2027, das mit bis zu 57 mm breiten Reifen gefahren werden kann.

Mehrere Maßnahmen waren nötig, um derart breite Reifen unterzubringen. Erst einmal sind die Kettenstreben um einen Zentimeter auf 435 mm angewachsen. Dann wurde eine spezielle rechte Kettenstrebe konstruiert, die aus massivem Carbon besteht und extraflach ist, damit der Breitreifen auch seitlich genug Platz hat. Das führt dazu, dass das neue Grail nicht mehr mit Doppelkettenblatt gefahren werden kann, was aber angesichts der aktuellen Gepflogenheiten im Gravel-Sport kein großer Verlust ist. Im Sinne einer möglichst großen Gehäusebreite setzt Canyon außerdem weiterhin auf ein eingepresstes Innenlager, während viele Wettbewerber wieder T47 oder BSA zum Einschrauben verwenden.
Geringe Anpassungen bei der Geometrie
Einen steileren Sitzwinkel machte die größere Reifenfreiheit nicht erforderlich, und ohnehin ist Canyon der bewährten Grail-Geometrie weitgehend treu geblieben. Der Radstand ist bei den mittleren Rahmengrößen nur um 5 mm gewachsen; der Lenkwinkel ist bei den zwei kleinsten Modellen um 1° steiler geworden und liegt ansonsten unverändert bei 71,5 bis 71,8°. Allerdings ist die Sitzposition aggressiver geworden: Der Stack wurde um 15 mm reduziert, sodass der Lenker um diesen Betrag tiefer steht. Beim Reach, also der Sitzlänge, hat sich praktisch nichts geändert.

Canyon Grail 2027: die Highlights
- Aerodynamisch optimiertes Rahmenset mit 57 mm Reifenfreiheit
- Drei Qualitätsstufen: CFR (989 Gramm Rahmengewicht), CF SLX (1.085 Gramm) und CF (1.128 Gramm, jeweils Größe M und unlackiert)
- CFR und CF SLX mit integriertem Staufach und verstellbarem Cockpit
- Reifendruck-App und spezielles TaschenSet für jede Rahmengröße
- Modellvarianten:
- CFR AXS mit SRAM Red XPLR inkl. beidseitiges Powermeter, DT Swiss GRC 1100, 8.000 Euro, 7,9 kg
- Grail CFR Di2 mit Shimano GRX RX825 Di2 inkl. einseitiges 4iiii-Powermeter, DT Swiss GRC 1100, 6.500 Euro, 8,4 kg
- CF SLX 8 AXS mit SRAM Force XPLR inkl. einseitiges Powermeter, DT Swiss GRC 1400, 5.499 Euro, 8,9 kg
- CF SLX 7 Di2 mit Shimano GRX RX715 Di2, Canyon GR 50 CF, 4.499 Euro, 9,5 kg
- CF 7 AXS mit SRAM Rival AXS, Canyon GR 50 CF, 3.499 Euro, 9,1 kg
- CF 7 mit Shimano GRX RX610 mech., Newmen Advanced G.34 CL Carbon, 2.499 Euro, 9,2 kg
Ein anderer im Gravel-Rennsport wichtiger Aspekt ist die Aerodynamik, der sich Canyon bei der Neuauflage natürlich auch gewidmet hat. Orientierte sich das Grail Gen 2 von der Formensprache her am Canyon Ultimate, der leichten, vielseitigen Rennmaschine, folgt das 2027er Grail stark der Optik des Aeroad. Erkennbar ist das an den Sicken des lang gezogenen Steuerkopfs und an den tief positionierten Sitzstreben; ein eng um den Reifen gelegtes Sitzrohr wie am Aero-Renner gibt es allerdings nicht. Dafür ist das neue Gravelbike mit einer echten Aero-Sattelstütze ausgestattet, die für höheren Komfort mit einer verkleideten Aussparung vorne versehen ist.
Aero-Tests bei realistischen 35 km/h
Die Koblenzer haben Windkanaltests durchgeführt, die eine Fahrgeschwindigkeit von 35 km/h simulieren; daraus geht hervor, dass das neue Grail aerodynamisch minimal besser ist als die Mitbewerber von Rose, Factor und Cervélo. Gegenüber dem Vorgänger ergibt sich bei gleicher Reifenbreite eine Leistungsersparnis von gut 6 Watt; wird das neue Modell mit 55ern gefahren, ist es immer noch 2 Watt schneller. Was man dafür auf der Strecke merkt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. In jedem Fall muss sich Canyon mit dem 2027er Modell nicht mehr vor der Konkurrenz verstecken.

Wie bisher bietet Canyon das Grail in drei Güteklassen an: als CFR mit 989 Gramm Rahmengewicht, als CF SLX (1.085 Gramm) sowie CF (1.128 Gramm, jeweils Größe M und unlackiert). Der geringe Gewichtsunterschied der unteren zwei Varianten erklärt sich damit, dass nur CFR und SLX über ein integriertes Staufach verfügen. Auch das „Pace Bar“-Cockpit, das eine Höhen- und Breitenverstellung erlaubt, ist den zwei Topmodellen vorbehalten. Und natürlich kombiniert Canyon die drei Rahmenstufen mit unterschiedlichen Ausstattungspaketen, woraus sich insgesamt sechs Modelle zwischen 8.000 und 2.499 Euro ergeben, jeweils drei mit SRAM und drei mit Shimano. Selbst die günstigste Variante ist dabei mit einem Carbon-Radsatz ausgestattet. Bemerkenswert ist, dass Canyon überhaupt noch ein Modell mit mechanischer Schaltung anbietet – bei vielen anderen Firmen ist diese Option vom Tisch.
In Sachen Preis-Leistung besonders interessant ist das Canyon Grail CF 7 AXS mit SRAM Rival 1×13 für 3.499 Euro. Hier muss man zwar aufs verstellbare Cockpit verzichten, bekommt aber als Laufradsatz den neuen GR 50 CF, den Canyon zusammen mit dem 2027er Grail vorstellt. Dieser ist mit innen 17 und außen 38,5 mm breiten Felgen optimal auf breite Gravel-Pneus zugeschnitten, dabei mit 1.675 Gramm (Herstellerangabe) nicht sonderlich schwer. Zum Radsatz gibt es eine gemeinsam mit Pirelli entwickelte Reifendruck-App, mit der man anhand der Breite und der drei Parameter Effizienz, Traktion und Komfort den optimalen Druck auswählen kann.
Als Zubehör zum neuen Grail sind zu guter Letzt speziell an die einzelnen Rahmengrößen angepasste Taschen-Sets erhältlich, und auch Schutzbleche lassen sich montieren. Und so kann man sich in Koblenz erst einmal zurücklehnen, wobei man ja vielleicht schon an der nächsten Zündstufe arbeitet, einem 32-Zoll-Grail…





