Bulls Clunker EVO: Das neue E-Urban Bike der Kölner macht mit 90er-Jahre-Farben und einem gelungenen Antriebskonzept gute Laune. Dazu gibt es eine praktisch unsichtbar integrierte Lichtanlage, die viel Helligkeit beim nächtlichen Cruisen verspricht.
Wer das neue Bulls Clunker EVO sieht, kann nur zu einem Schluss kommen: „Das E-Bike wird immer jünger.“ Aus dem bisher fast immer schwarzen E-Urban Bike machen die Kölner ein farbenfrohes „Lastenrad light“, das sich erst einmal nur durch den Frontkorb vom Uralt-Mountainbike mit Starrgabel zu unterscheiden scheint. Von diesem hat es übrigens auch den Namen „Clunker“ – so nannten die MTB-Pioniere Ende der 1970er die umgebauten „Cruiser“-Räder, die sie für ihre abenteuerlichen Schussfahrten einsetzten. Und so schließt das bunte Bike den Kreis: vom Alltagsrad zur Downhill-Spaßmaschine und wieder zurück zur Allround-Nutzung.

Soweit der Rückblick in die Fahrrad-Historie – nun aber zum Bike selbst: Das ist natürlich motorisiert, und zwar mit dem kompakten Bafang-Heckmotor, den Bulls bereits bei anderen Modellen eingesetzt hat – etwa beim Grinder EVO, der inzwischen von einem stärker motorisierten Modell mit Bosch SX abgelöst wurde. Mit einem Drehmoment von 30 Newtonmeter mag der Bafang für sportliche genutzte E-Bikes nicht durchzugsstark genug sein; im Alltag kommt man mit seinem harmonischen Schub jedoch gut zurecht. Der Nabenmotor unterstützt beim Anfahren, an Steigungen wie gegen den Wind in mehr als ausreichendem Maße – und das auch ziemlich ausdauernd, zumal Bulls einen mit 520 Wattstunden ziemlich großen Akku dazugibt.
Bulls Clunker EVO: Heckmotor mit harmonischer Unterstützung
Eine angenehme Facette des Bulls ist auch, dass es „analog“ ist: Während etliche E-Urban Bikes mit Nabenmotoren per App bedient werden müssen, spezifizieren die Kölner eine kompakte Bedieneinheit aus dem „FIT“-Baukasten – komplett mit kleinem Display und gut unterscheidbaren Tasten.
Etwas Besonderes hat sich Bulls auch beim Gepäckträger ausgedacht. Dieser ist nicht am Rahmen befestigt, sondern an der Gabel – genauer gesagt steckt er auf dem Gabelschaft und rahmt damit das Steuerrohr des Rahmens ein. Beim Lenken bewegt sich der Korb also mit, was auch deshalb wichtig ist, weil in den Träger eine kompakte, dabei sehr helle Frontleuchte (100 Lux) integriert ist. Dazu gibt es ein ebenfalls integriertes Rücklicht in der Sattelstütze, was auch wieder zur Korb-Idee passt: Die Kombination aus Rückleuchte in der Stütze uns Gepäcktransport hinten ist nämlich ziemlich ungünstig, da jegliches Gepäck das Rücklicht verdeckt.
Entspannt-sportliche Sitzhaltung
Die Montage des Frontkorbs hat zur Folge, dass das Steuerrohr bei allen vier Rahmengrößen des Clunker gleich lang ausfällt; auf einem kleineren Modell sitzt man also in Relation zur Rahmengröße etwas aufrechter. Größere Fahrer dürften das aber mit längeren Armen zum Teil ausgleichen können. Insgesamt ähnelt die Sitzposition jener eines entspannt geschnittenen Gravelbikes, und auch das Lenkverhalten dürfte eher handlich als träge sein. Vom Offroad-Bike entleiht sich das Bulls Clunker EVO auch die Elfgang-Kettenschaltung, deren Zahnkranzkassette mit 11-51 sehr breit abgestuft ist. Damit passt das Getriebe hervorragend zum Motor, denn was diesem an Drehmoment fehlt, kann man mit leichtem Gang und hoher Trittfrequenz ausgleichen.

So läuft beim neuen Bulls Clunker EVO alles gut zusammen, und zum modernen urbanen Radfahr-Gefühl passen auch die auffälligen Lackierungen. Weiß-gold dürfte den etwas eleganter gesonnenen Stadtmenschen gut gefallen, während Lila-türkis angesagten 90er-Jahre-Trainingsanzug-Charme versprüht. Charmant ist auch der mit 2.999 Euro recht moderate Preis – dieser könnte dafür sorgen, dass man das neue E-Urban Bike bald öfter durch die (Kölner) City cruisen sieht, wobei es kaum zu übersehen sein wird.



