Produkt-News Campagnolo Record 13: Knapp ein Jahr nach der Super Record 13 und genau sechs Monate nach der 1x-Gruppe Super Record X legt der italienische Traditionshersteller nach: Mit der Campagnolo Record 13 ist endlich die lange erwartete Mittelklasse-Gruppe am Start, und zwar auf einen Schlag in allen vier Varianten, wie sie von der SR 13 bereits bekannt sind. Velomotion war bei Campagnolo Deutschland zu Besuch und konnte die neuen Komponenten vorab begutachten und kurz testen.
Bei der Campagnolo Super Record 13 stimmt eigentlich alles – wie die Performance ist allerdings auch der Preis auf Top-Niveau. Mit rund 4.300 Euro ist die kabellose 2×13-Gruppe zwar 900 Euro günstiger als ihre Vorgängerin mit 2×12 Gängen, aber immer noch ein Luxusprodukt und nicht gerade dazu geeignet, der italienischen Traditionsmarke wieder größere Kundenkreise zu erschließen. Doch nun ist die Campagnolo Record 13 da, der das gelingen könnte: In der 2×13-Variante ist sie ab 2.699 Euro erhältlich, als Record X Gravel mit einem Kettenblatt ab 2.129 Euro. Damit liegt das Set in beiden Varianten fast exakt auf dem Preisniveau der SRAM Force AXS – und das ist derzeit die Benchmark, an der man sich messen lassen muss.

Endlich sind Kompletträder mit Campagnolo ab 6.000 Euro vorstellbar, und wenn die Industrie mitspielt, dürfte man solche Modelle ab 2027 in größerer Zahl im Handel finden. Ob das eine gute Sache ist? Auf jeden Fall – denn die Campagnolo Record 13 ist eine ausgesprochen vielseitige Gruppe mit extrem guter Funktion.
Campagnolo Record 13: die Highlights
- UVP ab 2.699 Euro (2×13) bzw. 2.129 Euro (1×13 mit reinem Bremshebel links, jeweils inkl. Bremsscheiben)
- Gewicht Record 2×13 Road ca. 2.783 g, Record X 1×13 Gravel ca. 2.777 g (Herstellerangabe)
- Verfügbar als Road 2×13, Allroad 2×13, Road 1×13 und Gravel 1×13
- Ritzelpakete Road 10-33 und 11-36, Gravel 10-48 (optional Super Record 9-42)
- Sieben Kettenblatt-Kombinationen (45/29, 48/32, 50/34, 52/36, 53/39, 54/39, 55/39), acht Monokettenblätter (38-52 Z.)
- Laufradsatz Campagnolo Zonda ca. 1.500 g / 1.500 Euro
- Optionales SRM-Powermeter (Genauigkeit +/– 2 %) + 600 Euro
- Übersetzungen Road: 10-33: 10-11-12-13-14-15-16-18-20-23-26-29-33 / 11-36: 11-12-13-14-15-16-18-20-23-26-29-32-36
- Übersetzungen Gravel: 10-48: 10-11-12-13-14-16-18-21-25-30-36-42-48 / 9-42: 9-10-11-12-13-14-16-18-21-25-30-36-42
Leichtes Mehrgewicht durch einfachere Materialien
Was hat man in Vicenza gemacht, um den Preis des Komponenten-Sets um satte 1.600 Euro zu drücken? Wie üblich sind es Unterschiede bei den Materialien und Konstruktionsdetails, die den Fertigungsaufwand und damit den Preis senken und die günstigeren Gruppen etwas schwerer machen – die 2×13 um rund 320 Gramm und und 1×13 um rund 350 Gramm. Bei der Record verwendet Campagnolo an vielen Bauteilen Carbon-Komposit-Material; am Schaltwerk ist der hintere Teil der Schwinge aus Stahl statt aus Carbon gefertigt, beim Umwerfer die komplette Kettenführung.
Die zweigeteilte Tretlagerwelle wird bei der Super Record aus Titan hergestellt, bei der Record aus Edelstahl. Außerdem sind die Carbon-Kurbelarme der günstigeren Gruppe massiv statt hohl. Bei der rechten Kurbel wird auf die Brücken zwischen jeweils zweien der vier Arme verzichtet; ein funktioneller Nachteil dürfte das nicht sein. Die Bremshebel werden aus Carbon-Komposit gefertigt und schimmern nicht ganz so schön wie die SR-Hebel; dafür gefallen sie mit etwas griffigerer Haptik. Und bei den Bremsscheiben besteht der Träger aus Stahl statt aus Aluminium und ist damit etwas schwerer. Das gilt auch für die Kette mit Vollstiften statt Hohlnieten.
Keine Unterschiede bei den elektronischen Bauteilen
Soweit zu den Unterschieden zwischen Topgruppe und Mittelklasse-Version – viel wichtiger sind jedoch die Gemeinsamkeiten. Stellmotoren, elektronische Komponenten und Akkus sind identisch, ebenso das Innenleben der Ergopower-Bremsschalthebel. Funktionsweise, Schaltgeschwindigkeit und Präzision unterscheiden sich damit nicht zwischen Super Record und Record. Und natürlich übernimmt die neue Nummer zwei das seit gut 35 Jahren bewährte Schaltprinzip mit der Daumentaste innen am Griffkörper (zum Hochschalten) und dem gut erreichbaren Paddel hinterm Bremsgriff zum Runterschalten), ergänzt durch jeweils einen Schaltknopf oben/innen am Hebel, wobei sich alle Tasten frei belegen lassen.
Die Campagnolo Record X Gravel wird standardmäßig mit einem reinen Bremshebel links ausgeliefert, sodass sie analog zur mechanischen Gravel-Gruppe Campagnolo Ekar bedient werden kann. In der von uns ausprobierten Variante mit zwei elektronischen Controls kann man insgesamt sechs Tasten nach Wunsch den Funktionen „Hoch-“ bzw. „Runterschalten“ sowie der Bedienung eines Radcomputers zuordnen.
Große Übersetzungsvielfalt
Ein Merkmal der Super Record 13 ist die große Übersetzungsvielfalt, und hier bietet die Campagnolo Record 13 kaum weniger Optionen: Es gibt gleich sieben Kettenblatt-Kombinationen (45/29, 48/32, 50/34, 52/36, 53/39, 54/39 und 55/39), dazu zwei Ritzelpakete mit 10-33 bzw. 11-36 Zähnen (statt vier Abstufungen bei der SR13). Bei den Kurbellängen beschränkt man sich auf drei Varianten, nämlich 165, 170 und 172,5 mm, folgt also dem Trend zu kürzeren Kurbeln.

Für die Gravel-Variante Campagnolo Record X wird nur ein Ritzelpaket angeboten, nämlich das bekannte 10-48 – und das ist ein echtes Highlight. Im schnellen Bereich bietet es fünf Ritzel in Einersprüngen (10-11-12-13-14) und damit eins mehr als die SRAM-XPLR-Kassette. Dafür stufen die Italiener den Kranz im Bereich der Berggänge etwas grober ab, wobei mit dem 48er Abschlussritzel zwei Zähne mehr geboten werden als bei SRAM. Wer will, kann auch die 9-42er Kassette der Super Record X montieren. Gleich acht Kettenblätter sind für die neue Gruppe verfügbar, 38 bis 52 Zähne in Zweierschritten.
Extrem preiswertes SRM-Powermeter
Ein weiteres Highlight der neuen Mittelklasse-Gruppe ist das optionale Powermeter, das für einen Aufpreis von 600 Euro verfügbar ist. Gefertigt wird es nämlich vom Leistungsmessungs-Pionier SRM im rheinischen Jülich und dürfte damit von allerhöchster Qualität sein. Um den für SRM extrem günstigen Preis zu realisieren, fällt die Elektronik etwas einfacher aus; dadurch ist das System nicht ganz so messgenau: +/– 2 % statt +/– 1 %, was in der Praxis kaum einen Unterschied machen dürfte.
Nach wie vor nutzen Schaltwerk und Umwerfer aus patentrechtlichen Gründen unterschiedliche Akkus (was einem bei der 1x-Gruppe natürlich herzlich egal sein kann). Praktisch ist, dass es keine Ladeschale, sondern einen magnetischen Ladestecker gibt, der per USB-C an die Stromquelle gestöpselt wird – und die kann auch eine Powerbank oder sogar das Smartphone sein. Apropos Smartphone: Mit der neuen Record kommt eine aktualisierte Version der MyCampy-App, die nun über eine „Garage“ verfügt – wer mehrere Fahrräder mit elektronischen Campa-Teilen besitzt, kann diese in der App übersichtlich sortieren.

Vier Varianten für Straße, Gravel und Allroad
Ebenso wie die Super Record wird die Campagnolo Record 13 in unterschiedlichen Varianten angeboten: Es gibt Road 2×13, Gravel 1×13 sowie Allroad 2×13 und Road 1×13. Die Schaltwerke für Gravel und Allroad sind mit der „Nano Clutch“ ausgestattet, die für eine höhere Kettenspannung sorgt. Das reine Rennrad-Schaltwerk ohne diese Technologie verspricht, etwas geschmeidiger zu arbeiten.
Klar, im Modellprogramm des Traditionsherstellers ist die Campagnolo Record 13 die neue Nummer zwei. Doch könnte die Gruppe auch das Zeug dazu haben, sich im Duell mit SRAM und Shimano auf den zweiten Platz vorzuschieben? Was Innovationen angeht, haben die Amerikaner gerade im Gravel-Sektor aktuell die Nase vorn und bieten weitgehend funktionsgleiche Gruppen in drei Preisbereichen an. Allerdings können die neuen 1×13-Schaltwerke nicht an ältere Rahmen mit klassischem Schaltauge montiert werden. Die Rennradgruppen von Shimano sind mit dem zentralen, verkabelten Akku derweil etwas in die Jahre gekommen, während die komplett kabellose Gravel-Gruppe Shimano GRX Di2 mit ihrer MTB-Übersetzung nicht voll überzeugt.

Gegenüber diesen Wettbewerbern kann Campagnolo in mehrer Hinsicht punkten: Die Italiener bieten die derzeit einzige 2×13-Straßengruppe an, was nicht zuletzt ein Image-Vorteil ist, und bieten dazu sehr gute Funktion, eine bewährte Schaltlogik sowie die angenehme Haptik der seit 2025 neuen Hebelform. Die Gravel-Gruppe kann an jeden Rahmen montiert werden und etwa die ebenfalls nicht mehr ganz aktuelle mechanische Ekar ersetzen – oder eine mechanische Gruppe japanischer Provenienz.
Neben technischen Vorzügen wie der großen Übersetzungsbandbreite und dem günstigen Powermeter hat Campagnolo auch noch „Soft skills“ wie die Fertigung in Europa anzubieten, dazu den harmonischen, eleganten Look der Produkte. Mit der Campagnolo Record 13 ist all das ab sofort auch bezahlbar – es spricht also nichts dagegen, dass die neue Gruppe zum Erfolg wird. Campagnolo hat geliefert; jetzt kommt es darauf an, dass die Radhersteller mitziehen und sich das Publikum drauf einlässt.











