Wolf Tooth DEL im Test: Das fast komplett in den USA gefertigte Gravel-Pedal ist interessant für alle, die eigentlich lieber mit Rennradpedalen graveln. Sein auffälligstes Merkmal – der verstellbare Q-Faktor – ist nicht einmal die beste Eigenschaft, die das teure Tretbrett mitbringt.
Beim Offroad-Pedal herrscht gefühlt seit Jahren Stillstand. Kein Wunder, denn an Shimanos SPD-System kommt niemand vorbei. Seit 1990 ist es am Markt und hat sich seitdem nur wenig verändert, und wer jemals ein sportliches Mountainbike besaß, dürfte auch SPD-Pedale gehabt haben. Diese gibt es inzwischen in zahllosen Varianten von etlichen Anbietern, und natürlich sind sie für alle Fahrräder geeignet, die im Gelände genutzt werden – also auch am Gravelbike. Wobei auffällt, dass bei Gravel-Rennen oft Rennradpedale genutzt werden – woran das wohl liegt?
Wolf Tooth DEL: die Highlights
- Superleichtes SPD-Pedal – Satzgewicht 218 Gramm
- Breite Bauweise und große Aufstandsfläche
- Q-Faktor in 4-mm-Schritten verstellbar, Distanzstücke für 2-mm-Schritte verfügbar
- Komplett zerlegbar, alle Bauteile können nachgekauft werden
- Preis 259,99 Euro
Eine Antwort liefert das Wolf Tooth DEL, eines von drei SPD-kompatiblen Klickpedalen (die anderen heißen CTRL für Trailbikes und ALT für CrossCountry), mit denen sich der US-Hersteller ein neues Produktsegment eröffnet hat. Die Fertigung von speziellen Kettenblättern für One-by-Antriebe legte von über zehn Jahren den Grundstein des Unternehmens das bis heute Wert darauf legt, so ziemlich alle Teile im inzwischen breit aufgestellten Katalog selbst herzustellen. Und so wird in Burnsville, Minnesota nach Leibeskräften gefräst, gestanzt, eloxiert und montiert.

Wolf Tooth DEL: Leichtes Pedal mit verstellbarem Q-Faktor
Und natürlich geforscht und entwickelt, wobei Produkte wie das DEL entstehen. Dieses Pedal – eines von drei, die unterschiedliche Offroad-Segmente abdecken – wurde speziell fürs Gravelbike entwickelt wurde und liegt mit mindestens einem Merkmal nah am Rennradpedal: Es ist einseitig, während man bei typischen Offroad-Pedalen zwei Einklick-Möglichkeiten hat. Warum das?, kann man jetzt fragen. Immerhin ist man mit den typischen zweiseitigen SPD-Pedalen bisher immer gut zurechtgekommen, und in der Tat fällt das Einklicken leichter, wenn man das Pedal nicht erst in die richtige Position drehen muss. Allerdings sind im Rennsport viele Aktive eben nicht mit SPD-Pedalen, sondern mit Rennradpedalen unterwegs.
Dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Rennradpedale verfügen über eine größere Auflagefläche, womit sie eine optimale Kraftübertragung sowie einen sicheren Stand erlauben. Außerdem snd sie im Vergleich zu MTB-Pedalen ziemlich leicht – manches Highend-Modell wiegt unter 100 Gramm pro Stück. Dass Rennradpedale vergleichsweise flach gebaut werden können, ist ein weiterer Vorteil, denn so kann man in der Kurve länger durchtreten und stößt im Gelände nicht so schnell an Hindernissen an.
Breiter Pedalkörper mit großer Aufstandsfläche
All dies wiegt für viele den Nachteil auf, dass man mit Rennradpedalen nur schlecht gehen kann, und genau hier setzt das Wolf Tooth DEL an: Als SPD-kompatibles Pedal kann es natürlich mit gehfähigen MTB-Schuhen verwendet werden; dazu bietet es die beschriebenen Vorteile eines Road-Pedals. Mit 109 Gramm pro Stück ist es extrem leicht; die Benchmark der SPD-Pedale, das Shimano XTR PD-M9200, wiegt pro Satz rund 320 Gramm. 100 Gramm Gewichtsersparnis also, was sich durchaus sehen lässt.
Die Unterseite des Pedals ragt nur wenige Millimeter über die Pedalachse hinaus, was das Risiko verringert, mit dem Pedal aufzusetzen und den Konstrukteuren die Möglichkeit gibt, den Pedalkörper etwas breiter zu gestalten. Das wiederum führt dazu, dass die Auflagefläche ziemlich groß ausfällt – laut Hersteller sind es rund 6 cm², auf denen man steht. Die Auflagefläche soll damit rund dreimal größer sein als bei anderen Pedalen, und hier geht es vor allem um die Breite. Beim Fahren merkt man nämlich durchaus, dass der Schuh sicherer auf dem Pedal steht und kein bisschen zu seitlichem Kippen neigt. Damit fühlt sich das Wolf Tooth DEL in der Tat eher wie ein Rennrad-Modell an. Die Baugröße in Fahrtrichtung ist natürlich durch den SPD-Mechanismus begrenzt; ein Kippen in dieser Richtung ist aber ohnehin von der Position der Schuhplatten abhängig.
Geringes Gewicht und sicherer Stand sprechen also schon einmal für das neue Pedal, das darüber hinaus interessante innere Werte bietet. Bei seinen Klickpedalen bietet Wolf Tooth nämlich die Möglichkeit, den Q-Faktor zu verändern, also praktisch die Länge der Pedalachse: Ausgehend von der neutralen Stellung, die genau der Position anderer SPD-Pedale entspricht (Q-Faktor 55 mm), kann das DEL 5 mm weiter innen oder außen platziert werden. Dazu muss die Pedalachse demontiert werden, wobei drei 4 mm breite Rillenkugellager sowie zwei 4 mm breite Spacer zum Vorschein kommen. Je nachdem, wie diese sortiert werden (hier ein Video dazu), wandert der Pedalkörper relativ zur Achse nach außen oder nach innen. Zusätzlich können 2-mm-Spacer erworben werden, die eine noch feinere Verstellung ermöglichen.
Eine Spielerei ist das nicht, vielmehr ein ziemlich praktisches Feature. So lassen sich die Pedale nämlich an vieles anpassen: etwa an unterschiedlich lange Tretlagerwellen, unterschiedlich stark abgewinkelte Kurbelarme, Schuhe mit unterschiedlich positionierten Bohrungen für die Schuhplatten sowie besonders breite Schuhe oder bei Kälte getragene Überschuhe, die ansonsten an der Kurbel reiben würden.
Einfache Austauschbarkeit aller Einzelteile
Auch ein defektes Rillenkugellager kann auf diese Weise einfach ausgetauscht werden – und hier kommt ein weiterer Aspekt des Wolf Tooth DEL ins Spiel: Es kann komplett zerlegt werden, sodass sich jedes Einzelteil im Defektfall nachkaufen lässt. Wer sich diese Pedale also einmal gegönnt hat, wird sie nie mehr ersetzen müssen. Klar, auch bei anderen Pedalen kann man die Lager erneuern (wobei das bei Wolf Tooth unnachahmlich einfach ist). Doch zusammen mit dem sehr geringen Gewicht, der optimalen Kraftübertragung dank großer Auflagefläche, dem verstellbaren Q-Faktor und der Inhouse-Fertigung in den USA relativiert dieser Aspekt endgültig den recht hohen Preis von 259,99 Euro. Wobei nicht vergessen werden sollte, dass die offiziellen UVPs von Pedalen wie dem Shimano XTR in ähnlichen Regionen liegen.
Klar sein muss potenziellen Interessanten, dass das Einklicken ins einseitige Pedal nicht ganz so einfach ist wie bei zweiseitigen MTB-Pedalen: Immer wieder mal muss man nach unten schauen, um das Pedal auf der richtigen Seite zu „betreten“. Anders als ein Rennradpedal dreht sich das DEL nicht immer in dieselbe Position, was wohl am geringen Gewicht liegt. Wer auf der Gravel-Tour nicht permanent ein- und ausklickt, wird mit dem neuen Pedal gut zurechtkommen; für bestimmte Einsatzzwecke wie Cyclocross-Rennen gibt es jedoch besser geeignete Pedale.
Nach 400 Kilometern weisen die Pedale sichtbare Nutzungsspuren auf: An der Oberseite wird die Eloxierung außen vom Schuhprofil abgerieben; unten zeigen sich Kratzer vom Umdrehen des Pedals mit der SPD-Cleat. Dass der Alu-Pedalkörper durch die dauerhafte Nutzung Schaden nimmt, ist nicht zu erwarten, allerdings kann man sich fragen, warum die Edelstahl-Inlays nicht etwas weiter nach außen gezogen wurden. Andere SPD-Pedale sind vor einer solchen „Patina“ aber auch nicht gefeit.
Weniger leichtes Einklicken
Am Ende können die Wolf Tooth DEL trotz des etwas komplizierteren Einklickens voll überzeugen – der US-Hersteller hat den Neustart des Clickpedals mit seinen Modellen ALT, DEL und CTRL gut hingekriegt. Und wer mit dem hohen Preis hadert, muss sich nur vor Augen führen, dass dies wohl die letzten Gravel-Pedale sind, die er oder sie sich jemals kaufen wird…







