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Radsport: Starke Mentalität von Rigoberto Uran: „Alles kann überwunden werden“

23. Januar 2018 by Michael Behringer

Uran

Radsport: Rigoberto Uran (EF Education First-Drapac p/b Cannondale) hat in seinem Leben schon viel durchgemacht. Der Weg des Kolumbianers war gepflastert mit Hindernissen, Rückschlägen und Tragödien. In einem Interview mit der Procycling ermöglicht er seinen Fans einen seltenen Einblick in sein Leben und seine Psyche. Dabei scheint vor allem seine Mentalität seine Stärke auszumachen.

Uran hat früh seinen Vater verloren

Die Anfänge der Profis haben oft einen simplen Hintergrund. Wir erinnern uns zum Beispiel, wie Nairo Quintana (Movistar) zu einem hervorragenden Kletterer wurde, weil er jeden Tag mit dem Rad zur Schule gefahren ist. Da es dort hoch hinaus ging, konnte er seine Fähigkeiten am Berg schulen. Bei Rigoberto Uran sind die Anfänge ähnlich, aber deutlich tragischer. Im Alter von 14 Jahren verlor er bereits seinen Vater. Er wurde von paramilitärischen Kämpfern ermordet. Fortan war der Sohnemann der Herr im Haus, musste sich um die Familie kümmern und sehr früh erwachsen werden. Schon Damals entwickelte sich bei Rigoberto Uran eine unglaublich starke Mentalität, von der er noch heute zehrt. Er sagt, er habe gelernt, dass sich Menschen anpassen, wenn sie müssen.

„Wenn es nötig ist, lernen wir. Diese Zeit war also nicht schwer. Jetzt kann ich sagen: Es war hart. Aber genau in diesem Moment war es kein Problem.“



El ciclista Rigoberto Urán es el mejor Deportista del Año en Antioquia https://t.co/F4N0UiTB8S pic.twitter.com/CvN3aT9DKN

— ACORD Antioquia (@acordantioquia) 15. Dezember 2017



„Für mich gibt’s keine Vergangenheit und keine Zukunft.“

Auf vielen Kalenderblättchen und in vielen philosophischen Büchern steht geschrieben, man solle im Hier und Jetzt leben. Einfacher gesagt, als getan, doch bei Rigoberto Uran scheint sich dieser Gedanke im Leben tatsächlich verfestigt zu haben. Im Gespräch mit der Procycling betonte der Kolumbianer, dass es für ihn keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt. Nur die Gegenwart ist entscheidend. Mit dieser Einstellung geht Rigoberto Uran auch in seine Rennen.

„Bei der Tour de France denke ich am ersten Tag nicht an die entscheidende Etappe in den Bergen. Nein, heute ist die erste Etappe, morgen die zweite Etappe. Tag für Tag. Das ist die Mentalität, mit der ich die Dinge im Leben sehe. Wir können nichts über die Zukunft wissen und die Vergangenheit ist vorbei. Es gibt nur das Heute.“

„Alles kommt zu seiner Zeit“

Nach einer starken Jugend und ersten Top-Ergebnissen musste Rigoberto Uran – trotz seiner starken Mentalität – erste Rückschläge hinnehmen. Erst zur Tour de France 2017 konnte er wieder an seine gezeigten Leistungen anknüpfen. Er wurde Zweiter in der Gesamtwertung und gewann die neunte Etappe. Rigoberto Uran selbst hat aber zumindest an seinen Fähigkeiten nie wirklich gezweifelt. Vielmehr gab es Probleme mit seiner Gesundheit. Man müsse 21 Tage lang fit bleiben, um bei einer Grand Tour eine Chance zu haben. Auch während seiner schwierigen Zeit hat er das Vertrauen in sich selbst nicht verloren.



„In der Nachbetrachtung waren auch die schwächeren Jahre alle in Ordnung. Vielleicht waren die Ergebnisse nicht so gut und ich war insgesamt nicht so erfolgreich, aber manchmal kommen die Resultate und manchmal eben nicht. Ich bin aber immer noch genau die gleiche Person. Ich habe genauso gearbeitet. Das einzige, was sich geändert hat, sind die Ergebnisse. Ich hatte immer Vertrauen. Du musst nur darauf warten, dass sich die Dinge zusammenfügen. Alles kommt zu seiner Zeit.“

Mijos esta nube me está como siguiendo y con ganas de mojarme!😬 pic.twitter.com/eWuuEdDo08

— Rigoberto Urán ЯU (@UranRigoberto) 13. Januar 2018



Wir sind gespannt, wie die Saison 2018 für Rigoberto Uran verlaufen wird. Nachdem die Zukunft seines Teams am Ende der vergangenen Saison lange ungewiss schien, fand sich in sprichwörtlich letzter Sekunde mit EF Education First doch noch ein rettender Sponsor. Nun kann er in gewohnter Umgebung seine mentale Stärke hoffentlich in die entsprechenden Wattzahlen auf dem Asphalt umsetzen.

Stichworte:InterviewNewsuran

Über Michael Behringer

Radsport mit all seinen Taktiken, Etappenanalysen, Platzierungen und Prognosen sind die große Leidenschaft von Michael Behringer. Im Jahr 1996 hat er seine erste Tour de France verfolgt. Seitdem beobachtet er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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