Test / E-Gravel: Die Grenzen zwischen den Fahrradkategorien verschwimmen zusehends. Mit dem Machete Evo SX 1 schickt Bulls ein E-Gravelbike ins Rennen, das sportliche Fahrdynamik, modernen Leichtbau und Alltagstauglichkeit unter einen Hut bringen möchte. Angetrieben vom kompakten Bosch Performance Line SX Motor und ausgestattet mit Federgabel, bricht das Rad aus klassischen Mustern aus. Wir haben das knapp 5.000 Euro teure Modell mit Shimano GRX 12-fach-Schaltung auf die Probe gestellt und herausgefunden, für wen dieses vielseitige Konzept wirklich Sinn ergibt.
E-Gravel neu gedacht: Die Plattform des Bulls Machete Evo SX
Der Markt für E-Gravelbikes ist derzeit überaus vielfältig und reicht von minimalistischen Konzepten mit schwachen Nabenmotoren bis hin zu wuchtigen Modellen mit Full-Power-Antrieben. Das Bulls Machete Evo SX positioniert sich exakt in der goldenen Mitte. Der Kölner Hersteller setzt bei dieser Plattform auf einen leichten Carbonrahmen, in den der Bosch Performance Line SX Motor bemerkenswert schlank integriert wurde. Durch eine leicht gedrehte Einbauposition des Motors konnten die Entwickler erfreulich kurze Kettenstreben realisieren, was dem Rad auf dem Papier eine hohe Agilität und Wendigkeit verspricht.
Bosch SX Motor und ein cleveres Akku-Konzept
Der Bosch SX Motor liefert bis zu 60 Nm Drehmoment und eine Spitzenleistung von bis zu 600 Watt. Gespeist wird das System von einem Bosch CompactTube 400 Akku, der formschön im Unterrohr Platz findet. Die eigentliche Besonderheit – und im Segment der leichten E-Gravelbikes eine absolute Seltenheit – ist jedoch die Entnehmbarkeit des Energiespeichers. Über eine Kunststoffklappe lässt sich der per Schloss gesicherte Akku entnehmen und bequem mit in die Wohnung oder ins Büro nehmen. Ein Feature, das den Alltagsnutzen massiv erhöht.
Die Steuerung des Antriebs erfolgt über die kabellose Bosch Mini Remote am Lenker in Kombination mit dem kompakten Purion 400 Display, das alle relevanten Basis-Informationen gut ablesbar bereithält. Der System Controller, das eigentliche Gehirn des Bosch-Smart-Systems, wurde von Bulls unauffällig an die Unterseite des Oberrohrs verbannt. Das sorgt für eine cleane Optik auf dem Oberrohr und lässt ausreichend Platz für die Montage von Oberrohrtaschen oder Radcomputern.
Voll ausgestattet für Alltag und Reise
Auch wenn das Machete Evo SX ab Werk ohne Schutzbleche und klassische Gepäckträger ausgeliefert wird, ist der Rahmen für sämtliche Eventualitäten vorbereitet. Am Unter- und Oberrohr finden sich insgesamt vier Montageösen für Bikepacking-Taschen. Zudem ist eine feste Lichtanlage bereits formschön integriert: Vorne sorgt ein Supernova Starstream Mini Scheinwerfer im Lenkerbereich für Durchblick, am Heck sind zwei MonkeyLink Twinlight Rücklichter dezent und vor äußeren Einflüssen geschützt in die Ausfallenden integriert. Der Rahmen selbst bietet Montagepunkte für Schutzblech und einen leichten Gepäckträger, ebenso wie einen Seitenständer.
Das Bulls Machete Evo SX 1 im Praxistest
Für unseren Praxistest griffen wir auf die Ausstattungsvariante Machete Evo SX 1 zurück. Mit einem Preis von 4.999 Euro ist es kein absolutes Schnäppchen, bietet für das aufgerufene Geld aber eine überaus solide Basis. Geschaltet und gebremst wird mit einer mechanischen Shimano GRX 12-fach Gruppe, das Gewicht pendelt sich (ohne Pedale) bei sehr ordentlichen 17,7 Kilogramm ein. In der Ebene und bei leichtem Gefälle lässt sich das Bike problemlos auch jenseits der 25 km/h-Grenze aus eigener Kraft pedalieren.
| Rahmen | Bulls Machete Evo SX |
| Federgabel | RockShox Rudy XL |
| Antrieb | Bosch SX |
| Akku | 400 Wh |
| Laufräder | Ryde 21 / Formula |
| Reifen | Schwalbe G-One RX 45 mm |
| Schaltwerk | Shimano GRX RX 822 |
| Schalthebel | Shimano GRX RX610 |
| Kurbel | SAMOX EH-10 |
| Umwerfer | Ohne |
| Bremse | Shimano GRX M410 |
| Sattelstütze | Bulls Aluminium |
| Sattel | Selle Royal SRX Open |
| Vorbau | Rumble Runway |
| Lenker | Rumble Runway Dropbar |
Licht und Schatten beim Motor-Setup
Der Bosch SX Motor bietet in der Theorie mit dem „Eco+“-Modus ein spannendes Feature für sportive Fahrer: Der Motor bleibt hier komplett aus und schaltet sich erst ab einer gewissen Eingangsleistung des Fahrers nahtlos zu. In der Praxis konnte uns dieses Konzept jedoch nicht vollends überzeugen. Das ständige, wenn auch sanfte An- und Abschalten des Motors war akustisch und haptisch auf Dauer etwas störend. Deutlich harmonischer verliefen unsere Testfahrten im angepassten Tour+ Modus. Hier entfaltet der Motor seine Kraft sehr natürlich und schließt elegant die Lücke zwischen traditionellem Gravelbike und Full-Power-E-Bike.
Federgabel am Gravelbike? Ein echter Gewinn!
Die größte Überraschung in unserem Test war zweifelsohne die RockShox Rudy XL Federgabel. Wer einer Federgabel an einem Gravelbike anfangs skeptisch gegenübersteht – nach dem Motto „Dann kann ich gleich ein Hardtail kaufen“ –, wird hier eines Besseren belehrt. Die 60 Millimeter Federweg machen aus dem Machete Evo SX zwar kein Trailbike, heben den Komfort auf ruppigen Forststraßen und schlechten Radwegen aber auf ein völlig neues Level.
Zusammen mit den 45 Millimeter breiten Reifen (wobei Rahmen und Gabel noch Platz für deutlich mehr Volumen bieten) liefert die Front eine enorme Fahrsicherheit. Unerwartete Schlaglöcher oder grobe Steine, die bei starren Gravelbikes höchste Konzentration erfordern und schnell zum Verreißen des Lenkers führen können, schluckt die Rudy XL stoisch weg. Gerade auf langen Touren oder wenn die Aufmerksamkeit nach einem langen Arbeitstag etwas nachlässt, ist dies ein unschätzbarer Vorteil.
Der Sweetspot: Zwischen Sportgerät und Commuter-Traum
Wer das E-Gravelbike rein aus der Perspektive des leistungsorientierten Trainings betrachtet, wird sich vielleicht fragen, ob er nicht gleich zu einem Rad ohne Motor greifen sollte. Doch genau hier spielt das Bulls Machete Evo SX 1 seine wahre Stärke aus: seine enorme Vielseitigkeit. Die Sitzposition ist sportlich, aber komfortabel genug für ausgedehnte Tagestouren.
Besonders als sportliches Pendler-Rad brilliert das Konzept. Ein absolutes Highlight ist dabei die SP Connect Schnittstelle (MonkeyLink 2.0) auf dem Vorbau. Diese hält nicht nur das Smartphone bombenfest, sondern ist direkt mit dem E-Bike-Akku verkabelt. Mit einem entsprechenden Adapter wird das Handy während der Fahrt induktiv geladen – ein Segen für alle, die das Smartphone zur Navigation nutzen und nicht nach zwei Stunden mit leerem Akku dastehen wollen.
Ein kleines Manko bei der Integration
Wo viel Licht ist, gibt es auch einen kleinen Schatten. So lobenswert das aufgeräumte Cockpit durch die Zugverlegung im Steuersatz und die integrierte Beleuchtung ist, so aufwendig dürften sich Wartungsarbeiten gestalten. Zudem erwies sich die Platzierung des System Controllers an der Unterseite des Oberrohrs im Alltag teils als tückisch. Genau an dieser Stelle greift man das Rad intuitiv, um es zu rangieren oder anzuheben – was in unserem Test mehrfach dazu führte, dass wir das System versehentlich ein- oder ausschalteten.









