Produktnews: Mit dem Abus TimeShifter präsentiert der deutsche Hersteller einen vollständig neu entwickelten Zeitfahrhelm für den Einsatz im Straßenradsport und Triathlon. Im Mittelpunkt stehen nicht nur möglichst niedrige Luftwiderstandswerte in einer idealisierten Laborposition, sondern eine über verschiedene Kopf- und Armhaltungen hinweg stabile aerodynamische Leistung. Dafür kombiniert der Hersteller CFD-Simulationen, Windkanalversuche, Bahntests und zwei unterschiedlich geformte Visiere.
Im Kampf gegen die Uhr entscheiden häufig Details. Neben der Leistungsfähigkeit des Athleten beeinflussen Sitzposition, Bekleidung, Laufräder, Cockpit und Helm den aerodynamischen Gesamtwiderstand. Gerade beim Zeitfahrhelm ist die Bewertung jedoch komplex: Ein Modell, das bei einem bestimmten Fahrer und in einer exakt definierten Position sehr gute Messwerte erreicht, muss bei einem anderen Körperbau oder einer veränderten Kopfhaltung nicht zwangsläufig ebenso effizient funktionieren.
Mit dem neuen TimeShifter verfolgt Abus deshalb einen vergleichsweise breit angelegten Entwicklungsansatz. Der Helm soll nicht ausschließlich für eine perfekte und dauerhaft gehaltene Laborposition optimiert sein, sondern bei unterschiedlichen Fahrertypen und unter wechselnden Bedingungen eine möglichst konstante aerodynamische Leistung bieten. Abus bezeichnet den TimeShifter auf Basis der eigenen Untersuchungen als den schnellsten Helm der bisherigen Unternehmensgeschichte. Anders als bei pauschalen Angaben zu eingesparten Watt stellt der Hersteller dabei die Abhängigkeit der Ergebnisse von Fahrer, Position und äußeren Bedingungen ausdrücklich heraus.
Entwicklung gemeinsam mit Swiss Side
Ein zentraler Partner bei der Entwicklung war der Schweizer Aerodynamikspezialist Swiss Side. Das Unternehmen verfügt über einen technischen Hintergrund im Motorsport und arbeitet seit mehreren Jahren an aerodynamischen Lösungen für den Hochleistungsradsport und Triathlon. Die Zusammenarbeit umfasste laut Abus sämtliche Entwicklungsstufen – von ersten digitalen CAD-Modellen bis zum finalen Produktionsprototyp. Insgesamt wurden für den TimeShifter 112 CFD-Simulationen, 194 Windkanaldurchläufe und 39 Tests auf der Radrennbahn durchgeführt.
CFD steht für „Computational Fluid Dynamics“, also die computergestützte Simulation von Luftströmungen. Solche Berechnungen ermöglichen es, zahlreiche Formvarianten zunächst digital zu vergleichen. Im Windkanal lassen sich anschließend ausgewählte Konzepte unter kontrollierten Bedingungen überprüfen. Bahntests bilden wiederum einen weiteren Schritt in Richtung realer Anwendung, da hier das Gesamtsystem aus Fahrer, Rad, Ausrüstung und tatsächlicher Bewegung untersucht werden kann.
Die Kombination der unterschiedlichen Methoden sollte verhindern, dass die Entwicklung ausschließlich auf einem einzelnen Versuchsaufbau basiert. Gleichzeitig bleibt zu beachten, dass selbst umfangreiche Messreihen nicht automatisch für jeden Athleten identische Ergebnisse garantieren. Entscheidend ist stets die Interaktion zwischen Helmform, Körperbau, Cockpit, Armhaltung und Kopfposition.
Multi Position Approach: Vier Positionen als Entwicklungsgrundlage
Abus fasst diesen Ansatz unter dem Begriff „Multi Position Approach“ zusammen. Hintergrund ist die Beobachtung, dass Fahrerinnen und Fahrer ihre Position während eines Zeitfahrens nicht dauerhaft unverändert halten.
Auf geraden Streckenabschnitten kann der Kopf besonders tief zwischen den Schultern liegen. In Kurven oder technischen Passagen muss der Blick dagegen weiter nach vorn gerichtet werden. Auch Ermüdung, Anstiege, Abfahrten, Seitenwind oder Veränderungen der Armhaltung beeinflussen die aerodynamische Silhouette.
Um diese Bewegungen in den Entwicklungsprozess einzubeziehen, nutzte ABUS ein reproduzierbares Dummy-Setup mit vier praxisnahen Kombinationen:
- Kopf angehoben oder abgesenkt
- Arme flach oder angewinkelt
Aus diesen Variablen entstanden vier Positionen, die als Grundlage der CFD- und Windkanaltests dienten. Gesucht wurde damit nicht ausschließlich der niedrigste Luftwiderstand in einem einzelnen Messpunkt. Vielmehr sollte der Helm über verschiedene Positionen hinweg möglichst geringe und stabile Widerstandswerte liefern.
Diese sogenannte robuste Aerodynamik kann im tatsächlichen Renneinsatz relevant sein. Ein Helm mit einem theoretisch sehr niedrigen Bestwert bringt nur begrenzte Vorteile, wenn seine Effizienz bereits bei kleinen Positionsänderungen deutlich abfällt. Umgekehrt kann ein Modell mit gleichmäßig guten Werten in mehreren Positionen über die gesamte Renndauer die praxisgerechtere Lösung darstellen.
Abus TimeShifter – Vergleich mit dem GameChanger TT 1.1
Als Referenzmodell diente in der Entwicklung der bisherige Abus GameChanger TT 1.1. Gegenüber diesem Helm gibt ABUS für den TimeShifter prognostizierte Einsparungen von 10,5 bis 14,7 Watt bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h an. Die Spannbreite verdeutlicht, dass es sich nicht um einen universell gültigen Einzelwert handelt. Der konkrete Vorteil hängt unter anderem von Kopf- und Armhaltung, Fahrerprofil und Testkonfiguration ab.
Auch die auf der Radrennbahn erhobenen Daten sollen die zuvor ermittelten Tendenzen bestätigt haben. Je nach getesteter Person wurden laut Hersteller bei 50 km/h Leistungsgewinne im zweistelligen Wattbereich gemessen. ABUS verweist dabei auf eine hohe Wiederholgenauigkeit des verwendeten Messprotokolls.
Neben der Aerodynamik wurde auch die Kühlung überarbeitet. Gegenüber dem GameChanger TT 1.1 soll die Kühlleistung um bis zu 13 Prozent verbessert worden sein. Der TimeShifter verfügt dafür über ein CFD-optimiertes „Forced Air Cooling System“, das die Luft gezielt durch den Helm führen soll.
Gerade bei längeren Triathlon-Distanzen oder Zeitfahren unter hohen Temperaturen kann die Belüftung eine wichtige Rolle spielen. Ein aerodynamisch günstiger, aber thermisch problematischer Helm kann die Leistungsfähigkeit des Athleten indirekt beeinträchtigen. Wie stark sich die angegebene Verbesserung im individuellen Einsatz bemerkbar macht, dürfte allerdings ebenfalls von Außentemperatur, Geschwindigkeit, Schweißrate und persönlichem Wärmeempfinden abhängen.
Simulierte Zeitgewinne auf realen Streckenprofilen
Zusätzlich zu CFD-, Windkanal- und Bahntests führte Swiss Side Performance-Simulationen für konkrete Streckenprofile durch. Dafür wurden die Streckenverläufe des olympischen Einzelzeitfahrens 2024 in Paris und der Challenge Roth 2024 verwendet.
In die Simulation flossen laut Hersteller Leistungsparameter professioneller Athleten sowie die CdA-Werte verschiedener Helme ein. Der CdA-Wert beschreibt vereinfacht die Kombination aus Luftwiderstandsbeiwert und angeströmter Fläche. Je niedriger dieser Wert ausfällt, desto geringer ist in der Regel die aerodynamische Leistung, die für eine bestimmte Geschwindigkeit benötigt wird. Für das rund 38 Kilometer lange olympische Zeitfahrprofil errechnete Swiss Side gegenüber dem GameChanger TT 1.1 einen möglichen Zeitgewinn von 34 bis 42 Sekunden.
Für die 180 Kilometer lange Radstrecke der Challenge Roth lag die simulierte Differenz zwischen zwei Minuten und 3:57 Minuten. Die genaue Höhe des Zeitgewinns hängt nach Angaben des Herstellers insbesondere von den jeweiligen Windbedingungen ab.
Die Zahlen sind daher nicht als Garantie für jeden Fahrer zu verstehen. Es handelt sich um modellbasierte Berechnungen der Swiss Side Performance Platform. Sie verdeutlichen jedoch, wie sich kleinere aerodynamische Unterschiede über längere Distanzen summieren können.
Erprobung im professionellen Radsport und Triathlon
Die Entwicklung des TimeShifter fand nicht ausschließlich im Labor statt. Athletinnen und Athleten des Movistar Teams wurden frühzeitig in die Testarbeit eingebunden. Unter anderem begleiteten Cat Ferguson und Ivan Romeo den Entwicklungsprozess im Windkanal, auf der Bahn und im Renneinsatz.

Während des finalen Entwicklungsjahres 2025 kam der Helm auch in der WorldTour zum Einsatz. Marlen Reusser fuhr mit dem TimeShifter beim Zeitfahren der Weltmeisterschaften zum Titel. Sie absolvierte das Rennen in 43:09 Minuten und gewann mit einem Vorsprung von fast 52 Sekunden. Auch im Triathlon wurde der Helm eingesetzt. Der deutsche Profi Jonas Schomburg erzielte bei der Challenge Roth 2025 mit dem TimeShifter den schnellsten Radsplit.
Diese Resultate belegen, dass der Helm auf höchstem sportlichen Niveau eingesetzt wurde. Aus einzelnen Rennresultaten lässt sich allerdings nicht isoliert ableiten, welchen Anteil ein bestimmtes Ausrüstungsteil am Gesamtergebnis hatte. Leistung, Tagesform, Streckenbedingungen, Sitzposition, Rad und weitere Komponenten wirken stets zusammen. Für die Entwicklung waren die Renneinsätze dennoch relevant, da das Feedback der Profis nach Angaben von ABUS direkt in die Feinabstimmung einfloss.
Zwei Visiere für unterschiedliche Fahrertypen
Eine der auffälligsten technischen Lösungen des TimeShifter ist das „Dual Visor Concept“. ABUS bietet den Helm mit zwei austauschbaren Visierformen an: Narrow und Wide. Die beiden Varianten unterscheiden sich nicht nur beim Sichtfenster. Sie verändern auch die effektive Breite und äußere Form des Gesamtsystems aus Helm und Visier. Dadurch soll der Helm besser an unterschiedliche Körperproportionen und Cockpit-Konfigurationen angepasst werden können.
Das schmalere Narrow Visor kann laut den Windkanalergebnissen von ABUS insbesondere bei einer kompakten Armhaltung Vorteile bieten. Das breitere Wide Visor richtet sich eher an Fahrerinnen und Fahrer mit einem breiteren Oberkörper oder einem offeneren Cockpit-Setup.
Die Visierwahl folgt damit demselben Grundgedanken wie der gesamte Helm: Aerodynamik wird nicht allein über die Form eines isolierten Produkts definiert, sondern über dessen Zusammenspiel mit dem Fahrer. Schulterbreite, Oberkörperform, Armabstand und Kopfhaltung können beeinflussen, wie sauber die Luft um Helm und Körper geführt wird.
ABUS empfiehlt deshalb einen individuellen Aerodynamiktest, um die optimale Visierform zu bestimmen. Auch ohne eine solche Feinabstimmung sollen beide Varianten den Luftwiderstand reduzieren. Wie groß der Unterschied zwischen Narrow und Wide tatsächlich ausfällt, dürfte jedoch stark vom jeweiligen Fahrer abhängen.
Die Visiere werden magnetisch am Helm befestigt und sind in klarer, getönter und verspiegelter Ausführung erhältlich. Zusätzlich bietet ABUS ein sogenanntes Cut Visor an. Dieses ist für besonders tiefe, kompakte oder aggressive Zeitfahrpositionen vorgesehen.
Identische Außenform in beiden Größen
Der TimeShifter wird in zwei Größen angeboten:
- Größe M für Kopfumfänge von 54 bis 58 Zentimetern
- Größe L für Kopfumfänge von 57 bis 61 Zentimetern
Eine Besonderheit besteht darin, dass beide Größen über dieselbe aerodynamische Außenform verfügen. Die Größenanpassung erfolgt über die Gestaltung des Helminneren.
Dadurch sollen die aerodynamischen Eigenschaften der äußeren Helmschale unabhängig von der gewählten Größe möglichst vergleichbar bleiben. Bei herkömmlichen Helmen verändern sich mit der Schalengröße häufig auch Länge, Breite und Proportionen. Dies kann dazu führen, dass ein im Windkanal getestetes Modell in einer anderen Größe nicht exakt dieselben Eigenschaften besitzt.
Die tatsächliche Passform bleibt dennoch individuell. Neben dem Kopfumfang spielen Kopfform, Stirnhöhe und die Position des Verstellsystems eine Rolle. Für die Anpassung nutzt ABUS das Zoom Spin Verstellsystem.
Konstruktion, Verschluss und Gewicht
Der TimeShifter basiert auf einer In-Mold-Konstruktion. Dabei werden die stoßabsorbierende EPS-Innenschale und die äußere Polycarbonat-Schale miteinander verbunden. Dieses Verfahren ist bei hochwertigen Fahrradhelmen weit verbreitet.
Geschlossen wird der Helm mit einem magnetischen FIDLOCK-Verschluss. Das System soll ein einfaches Öffnen und Schließen ermöglichen. Für die Feinjustierung am Hinterkopf ist das Zoom Spin System zuständig.
Das Gewicht gibt ABUS mit 480 Gramm in Größe M und 505 Gramm in Größe L an. Damit ist der TimeShifter deutlich schwerer als typische Rennradhelme, bewegt sich aber in einem für vollflächige Zeitfahrhelme mit integriertem Visier üblichen Konstruktionsrahmen. Bei dieser Helmkategorie stehen aerodynamische Formgebung, Abdeckung und Luftführung stärker im Vordergrund als ein möglichst geringes Gewicht.
Angeboten wird der Helm in den Farben Velvet Black und Polar White. Er ist nach Angaben des Herstellers UCI-konform und TÜV-zertifiziert. Als Sicherheitsnorm nennt ABUS die CE-Kennzeichnung nach EN 1078.
Ein Helm für individuelle Optimierung
Der ABUS TimeShifter steht exemplarisch für einen aktuellen Trend im professionellen Zeitfahren: Die Entwicklung bewegt sich weg von der Suche nach einem universell schnellsten Einzelprodukt und hin zur Optimierung des vollständigen Fahrer-Rad-Systems.
Mit dem Multi Position Approach berücksichtigt ABUS, dass selbst sehr gut trainierte Profis ihre aerodynamisch ideale Haltung nicht über jede Strecke hinweg vollständig beibehalten können. Das Dual Visor Concept erweitert diesen Ansatz um eine Möglichkeit, die äußere Helmform zumindest teilweise an Schulterbreite und Cockpit-Konfiguration anzupassen.
Die veröffentlichten Vergleichswerte gegenüber dem GameChanger TT 1.1 fallen deutlich aus. Sie müssen jedoch im jeweiligen Kontext betrachtet werden. Die genannten Watt- und Zeitersparnisse basieren auf definierten Messungen und Simulationen. Der persönliche Vorteil kann größer, kleiner oder unter ungünstigen Voraussetzungen kaum messbar sein.
Für ambitionierte Zeitfahrer und Triathleten dürfte deshalb weniger ein einzelner Maximalwert entscheidend sein als die Frage, wie gut der TimeShifter mit der individuellen Position harmoniert. Insbesondere die Wahl zwischen Narrow und Wide Visor eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, erhöht zugleich aber auch die Bedeutung eines professionellen Aero-Fittings.
Technische Daten – Abus TimeShifter Zeitfahrhelm
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Einsatzbereich | Zeitfahren und Triathlon |
| Größen | M: 54–58 cm; L: 57–61 cm |
| Gewicht | 480 g in M; 505 g in L |
| Farben | Velvet Black, Polar White |
| Konstruktion | In-Mold, EPS und Polycarbonat |
| Verstellsystem | Zoom Spin |
| Verschluss | Magnetischer FIDLOCK-Verschluss |
| Belüftung | CFD-optimiertes Forced Air Cooling System |
| Visiere | Narrow und Wide |
| Visierbefestigung | Magnetisch |
| Visierausführungen | Klar, getönt und verspiegelt |
| Zusatzoption | Cut Visor für besonders tiefe Positionen |
| Normen | UCI-konform, TÜV-zertifiziert, CE/EN 1078 |
| Entwicklung | 112 CFD-Simulationen, 194 Windkanaldurchläufe, 39 Velodromtests |




