Test Bosch Hub Line Motor: Im Rahmen der Messe Ride On der PON-Gruppe konnte Velomotion den neuen Heckmotor kurz vor dem offiziellen Launch testen. Und zwar nicht nur im Flachen, sondern auch an einer Steigung, die den Elektromotor so richtig fordert.
Im Jahr 2010 hatte man noch Träume: etwa, dass E-Bike mit zunehmender Verbreitung billiger würden. Was sich allerdings nicht bewahrheitete – kein Wunder, denn mehr Technik und größere Akkus kosten nun mal mehr Geld. Der Boom der 2020er sorgte bei den großen Anbietern eher für steigende Preise; gleichzeitig machten sich im Bereich zwischen 2.000 und 3.000 Euro zunehmend kleinere Marken mit einfacherer Motorisierung und Online-Vertrieb breit. Wenn solche Anbieter dann wieder vom Markt verschwinden – Stichwort Ampler Bikes – schauen die Nutzenden in die Röhre: Bei Service und Ersatzteilen gibt es plötzlich keinen Ansprechpartner mehr.
Neue Full-power-Motoren setzen die Branche unter Druck
Und neuerdings wächst auch bei den Full-power-Antrieben die Konkurrenz; man nehme nur die seit kurzem in Europa tätige Marke Aventon, die E-Bikes mit leistungsstarken, überzeugend abgestimmten Mittelmotoren und großen Akkus zu sehr attraktiven Preisen anbietet. Auch daraus folgt, dass ein E-Trekkingbike mit Bosch-CX-Motor für 5.000 Euro nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Gesucht wird also ein preiswertes Elektrorad einer verlässlich am Markt agierenden Radmarke mit einem Antriebssystem, das ebenfalls von einem arrivierten Anbieter kommt. Und damit Vorhang auf für den Bosch Hub Line Motor, von Velomotion.de am neuen Kalkhoff Endeavour 1 Move ausprobiert.
Bosch Hub Line: die Highlights
- Nabenmotor mit 45 Nm Drehmoment
- Befestigung per Steckachse, keine außenliegenden Kabelstränge
- Steuerung per Trittfrequenzsensor
- Zwei Akkuvarianten – 360 und 550 Wh
- Kompatibel mit Kettenschaltung, Riemen/Singlespeed und Riemen/zweistufiges Getriebe
- Bedienung über Bosch LED Remote oder Bosch Purion 200

Bosch Hub Line: neuer Heckmotor für günstige E-Bikes
Was ist der USP des neuen Motors? Klar, einen Heckmotor gab es bei Bosch bisher nicht. Und damit auch keine Möglichkeit, leichte, preiswerte (Urban-) E-Bikes auszustatten. Das geht jetzt mit dem leichten, kompakten Nabenmotor, der am Testrad unauffällig zwischen der Bremsscheibe und den größten Ritzel der Neunfach-Kassette verschwindet. 45 Newtonmeter Drehmoment soll das kompakte Aggregat leisten; gesteuert wird es über eine Sensorscheibe hinterm vorderen Kettenblatt, das die Trittfrequenz registriert. Der Motor wird ganz modern per Steckachse im Rahmen fixiert; die technisch überholten Hutmuttern sind damit passé. Auch ausladende Kabelstränge sind nicht zu sehen, wie man sie von aktuellen Nabenmotoren kennt, sodass sich das Bosch-Aggregat harmonisch ins Bike einfügt. Neue Bedieneinheiten gibt es nicht – LED Remote ohne oder Purion 200 mit Display sind die Tastenblöcke der Wahl am Heckmotor-Bike. Welche Neuheiten Bosch zusammen mit dem Hub Line Nabenmotor herausgebraucht hat, lest ihr hier nach. Das sind die Bosch Neuheiten 2026!
Bosch kombiniert den „Hub Line“ mit zwei Akkus, 360 und 550 Wattstunden, die wie gewohnt entnehmbar und nicht (wie bei manchem Light-E-Bike-Anbieter) fest im Unterrohr verbaut sind. Das ist praktisch bei der Nutzung, bedeutet aber auch, dass die ganz schlanke Optik so manchen Heckmotor-Urban-Bikes mit dem neuen Bosch nicht zu machen ist. Unser Testrad, das Kalkhoff 1er Level, folgt eh einer anderen Philosophie: Der norddeutsche Hersteller will ein komplett ausgestattetes E-Trekkingbike in einem Preisbereich bieten, den er bisher mit Bosch-Mittelmotoren nicht abdecken konnte. Federgabel und -stütze, LED-Strahler, Scheibenbremsen und Neungang-Kettenschaltung, dazu ein Systemgepäckträger sowie ein verstellbarer Lenkervorbau lassen keine Wünsche offen, nur eine Sache spart sich Kalkhoff am neuen Modell: Züge und Leitungen werden nicht schon ab dem Steuerrohr innen geführt. Außerdem gibt es das Kalkhoff Endeavour 1 Move in nur einer Rahmenform, dafür aber in fünf Größen. Bemerkenswert ist das hohe zulässige Systemgewicht von 150 Kilo.
Starke Leistungen bergauf trotz mäßig hohem Drehmoment
45 Nm Drehmoment und Trittfrequenzsensor machen skeptisch: Lassen sich damit die gewohnt positiven Charakteristika der Bosch-Antriebe transportieren? Beim Anfahren beweist der kompakte Motor eine angenehme Spritzigkeit; eine verzögerte Reaktion aufs Pedalieren (wie man es von manchem Heckmotor kennt) ist nicht wirklich zu bemerken. Auch nachschieben tut die Bosch Hub Line nicht. In der Ebene ist der kompakte Antrieb damit ein angenehmer Begleiter, der dazu mit sehr geringer Geräuschbildung gefällt.

Die Achillesferse typischer Heckmotoren ist freilich die Bergfahrt – zum einen, weil ihr Drehmoment für Steilstücke nicht ausreicht, zum anderen, weil sie bei starker Beanspruchung zum Überhitzen neigen und sich dann selbsttätig abschalten. Der Veranstaltungsort der Ride On, die Zeche Ewald in Herten, verfügt jedoch über einen perfekten Testparcours: die Halde Hoheward mit knapp 100 Höhenmetern auf gut einem Kilometer. Einen solchen Anstieg muss man im Alltag fast nirgendwo bewältigen; ein Motor, der das wegsteckt, sollte also auf durchschnittlichem Terrain locker bestehen.
Also hinauf auf den künstlichen Berg, wenn auch ohne Tachometer, der anzeigt, wie schnell man mit dem Bosch-Nabenmotor bei 10 % Steigung ist. Flott voran geht es in jedem Fall; die Kette liegt dabei nicht mal auf dem größten Ritzel der Zahnkranzkassette. Auch mit mittlerer Trittfrequenz drückt der kleine Motor genug Kraft für den steilen Anstieg ab. Schaltet man versuchsweise aufs kleinste Ritzel, stellt das Aggregat jedoch seine Mitarbeit ein, was unweigerlich zum Stillstand führt – es ist davon auszugehen, dass dies zum Schutz vor Überlastungsschäden geschieht. Die mit 11-36 Zähnen ausreichend breit abgestufte Kassette komplett zu nutzen, macht also Sinn – je höher die Trittfrequenz, desto ökonomischer kann der Motor arbeiten, wobei man aber auch nicht wie ein Rennfahrer kurbeln muss.
Zweistufiges Getriebe mit Zahnriemen
In Kombination mit einer Kettenschaltung bewältigt der neue Bosch-Nabenmotor also auch extreme Steilstücke ziemlich souverän. Doch wie sieht es mit anderen Getriebevarianten aus? Klar, mit einer klassischen Nabenschaltung ist der Heckmotor nicht kompatibel. Es gibt jedoch ein zweistufiges Getriebe, dass das Unternehmen Universal Transmissions in Kooperation mit Bosch und dem Antriebsriemen-Hersteller Gates entwickelt hat. Die Einheit ist zwischen dem Motorgehäuse und der Riemenscheibe positioniert und wird mechanisch mit einem Trigger Shifter geschaltet. Die Spreizung der zwei Gänge ist gefühlt groß, wobei der Sprung vom Anfahr- zum Schnellgang durchaus harmonisch verläuft. Velomotion.de probierte das Kalkhoff Image 1 Advance mit dieser Schaltungsvariante im oberen Bereich der Halde Hoheward bei ca. 6 % Steigung aus – für urbanes Terrain schon recht steil. Im leichten Gang ließ sich dieser Anstieg gut bewältigen, im schweren war die Trittfrequenz dann doch etwas zu niedrig. In jedem Fall ist auch die Zweigang-Version eine gut funktionierende Alternative, dazu dank des Riemens angenehm wartungsarm.
Eine kleine Anekdote aus den Niederlanden: Dort, so könnte man meinen, geht es auch ganz ohne Schaltung – und Kalkhoff bietet sein neues Bosch-Modell in der Tat auch als „Singlespeeder“ an. Doch wer aus Amsterdam und anderswo die kurzen, steilen Brücken über die Grachten kennt (vor denen teils Ampeln postiert sind, die zum Anhalten zwingen), weiß: Mit der typischen Übersetzung eines Singlespeeders kommt man hier nicht klar. Insofern ist die innovative Zweigang-Lösung der ideale Kompromiss zwischen einer vollwertigen Schaltung und gar keiner.

Zurück zum Ausgangspunkt: Was kostet eine Bike wie das Kalkhoff Endeavour 1 Move denn jetzt? Mit 360-Wh-Akku beträgt der UVP des Kettenschaltungs-Modells schmale 2.399 Euro; der Aufpreis für die größere Batterie liegt bei 200 Euro. Zum Vergleich: Das aktuell günstigste E-Bike von Kalkhoff kostet 2.999 Euro mit Bosch-SX-Motor und 400-Wh-Akku. Man kann davon ausgehen, dass stärker Budget-orientierte Hersteller die Bosch Hub Line für deutlich unter 2.000 Euro anbieten, und damit wird die Sache richtig interessant: Wer nicht mehr für ein Elektrorad ausgeben will, muss sich nun nicht mehr auf potenziell kurzlebige Online-Firmen verlassen, sondern kann sich im Fachhandel mit gut funktionierender Bosch-Technik versorgen. In einer Zeit steigender Preise ist das eine wirklich gute Nachricht.







