Im vergangenen Jahr stellte DT Swiss „Degrees of Freedom“ vor – ein System zur Reduktion von Pedal-Kickback an MTB-Fullys, das ausschließlich mit den DT Swiss DEG-Naben kompatibel war. Nun wird das DF-System auch als Upgrade-Kit für Ratchet-Naben angeboten und bietet einen größeren Einstellbereich von 0° bis 40°. Wir haben uns angesehen, wie das Ganze funktioniert – in der Theorie und in der Praxis.
Alle Infos auf einen Blick
- Neues DEG DF Upgrade Kit mit 30° und 40° Leerwinkel
- Ratchet DF Upgrade Kits bringen Anti-Pedalrückschlagsfeature erstmals an 350 & 370 Ratchet (LN) Naben!
- Neue, asymmetrische Alu-Felgen für XC, Trail & Enduro
Wofür ist DF gedacht?
Hinter dem Degrees of Freedom-System steckt ein simpler Mechanismus, der vor dem eigentlichen Freilauf geschaltet ist. Sein Zweck besteht laut DT Swiss darin, den sogenannten Pedalrückschlag an Fullys zu reduzieren. Darunter versteht man unerwünschten Kettenzug beim Einfedern des Hecks, welcher wiederum die Kurbel in Rotation versetzt und beim Fahrer als unangenehme Schläge an den Pedalen zu spüren sein soll. In der Industrie und in der Medienszene gibt es keinen Konsens darüber, ob Pedalrückschlag tatsächlich ein Problem ist. Viele verweisen darauf, dass Fahrer stattdessen andere Formen von Feedback spüren, oder dass Pedal-Kickback nur in wenigen Nischenfällen eine Rolle spielt. (siehe z.B. Pinkbike, mtb-news.de, Starling Cycles, SRAM / O-Chain).
Unabhängig von der konkreten Physik hinter dem Phänomen soll das DF-System von DT Swiss, ähnlich wie SRAMs O-Chain-Kurbel oder e*thirteens Sidekick-Nabe, die Bewegung des Hinterbaus von Einflüssen auf die Kette bzw. die Pedale entkoppeln. DT Swiss setzt dazu auf einen über spezielle Zahnscheiben im Freilauf realisierten Leerweg (je nach Kit 10°, 14°, 20°, 30° oder 40°), um welchen die Kassette immer frei rotieren kann, bevor Zug auf die Kette ausgeübt wird.

Upgradekits, mehr Kompatibilität – Das ist neu
Bisher war das DF-System lediglich für DT Swiss Naben mit dem neuen Ratchet DEG-Standard, welcher 2024 gelauncht wurde, reserviert. Jetzt kommt das Ganze auch als Upgradekit für klassische Ratchet- und Ratchet-LN-Naben! Konkret können nun Fullies mit einer DT 350 Ratchet oder DT 370 Ratchet LN-Nabe ebenfalls mit dem DF-System ausgerüstet werden, denn DT Swiss bietet ab sofort entsprechende Zahnscheiben und Threadring an. Und nicht nur das: Mit dem frisch vorgestellten DEG DF Race Kit stehen Fahrern von DEG-Naben zwei neue, größere Freiheitsgrade zur Verfügung. Im Kit enthalten sind zwei Threadringe – für DHler mit einer neuen 40°-Einstellung; die ebenfalls neue 10°- / 30°-Option richtet sich besonders an Endurofahrer.
Ratchet DF Upgrade Kit
- Kompatibilität 350 Ratchet, 370 Ratchet LN
- Freiheitsgrade 0° & 14°
- Zahnscheibe 54t
- www.dtswiss.com
- Preis (UVP) 119,90 Euro m. Tool, 109,90 Euro o. Tool
DEG DF Race Kit
- Kompatibilität 240 DEG DF, 350 DEG DF
- Freiheitsgrade 0° & 40° / 10° & 30°
- Umfang Tool + Threadringe (Zahnscheiben werden separat benötigt)
- www.dtswiss.com
- Preis (UVP) 59,90 Euro

Wie fühlt sich das Anti-Pedalkickback-System auf dem Trail an?
Jetzt, wo Upgrade-Kits mit einer breiteren Kompatibilität auf dem Markt sind, können sich immer mehr Fahrer die Frage stellen: Lohnt sich ein Upgrade auf DF für mich? Wir konnten in der Redaktion bereits auf mehreren Bikes Erfahrungen mit dem Anti-Pedalrückschlagssystem von DT Swiss sammeln.
Das DT Swiss DF-Kit kann je nach Fahrrad und Hinterbausystem einen spürbaren Unterschied bringen. Man muss ganz klar sagen, dass es nicht bei jedem Rad gleich sinnvoll ist.
Wenn ihr zum Beispiel einen aktuellen Bosch-Motor fahrt, der je nach gewählter Unterstützungsstufe versucht, die Kette ständig auf Spannung zu halten, dann bringt es natürlich nichts. Auch wenn ihr ein Rad habt, welches kaum Kettenlängung beim Einfedern erzeugt, werdet ihr nicht so viel von diesem System haben. Dann kommt eventuell sogar der Hauptnachteil zum Tragen: Denn für den einen oder anderen Fahrer, der eine sehr spritzige Reaktion des Rades auf seinen Antritt wünscht, wird der vergrößerte Leerweg am Pedal eine Enttäuschung.
Bei allen Bikes, deren gefederter Hinterbau eine spürbare Kettenlängung bzw. merklich Pedalrückschlag aufweist, ist eine DF-Nabe generell sinnvoll. Das kann man übrigens selbst ganz gut an seinem Rad ausprobieren: einfach den Hinterbau für einen Momennt sehr weich abstimmen und schwungvoll einfedern. Wenn die Kurbel und die Pedale zurückgedreht werden, also einen Impuls von der Kette bekommen, dann macht das System Sinn.
Ich habe die DT-Nabe in verschiedenen Bikes ausprobiert und muss sagen, dass gerade an den Rädern mit deutlichen Hinterbaueinflüssen auf die Pedale etwas mehr Grip da war. Das war wirklich spürbar. Bei Flat Pedals standen sogar die Füße etwas sicherer auf den Pedalen. Das bestätigten mir auch einige Fahrer im Freundeskreis, welche das ausprobiert haben.
Der Unterschied zwischen der 0°- und der 10°-Einstellung an unserer Testnabe ist zwar subtil, aber spürbar. Den direkten Vergleich habe ich auf einem Orange Stage 6 mit Eingelenker-Hinterbau erfahren: Mit aktivem DF-System arbeitet der Hinterbau „freier“ und fühlt sich weniger hackelig an, wenn man auf rumpeligen Sektionen das Bike pusht. Das kostet weniger Anstrengung, denn der Hinterbau kann nun genau das machen, wofür er designt wurde. Ob es so etwas wie Pedalrückschlag gibt und ob er sich reduzieren lässt, kann ich momentan noch nicht beurteilen. Das DF-Upgrade kann für Gravity-lastige Fahrer einen gefühlten Vorteil bieten und gefällt durch seine vergleichsweise einfache Umsetzbarkeit, sofern man bereits eine entsprechende DT Swiss-Nabe besitzt. Wer aber noch nicht in den Genuss des DF-Systems gekommen ist, merkt vermutlich nicht wirklich, ob bzw. was ihm entgeht.
Wozu dient die 0°-Einstellung?
Wer von den Vorteilen des Systems überzeugt ist, wird wohl immer im aktivierten Modus fahren. Es ist dennoch praktisch, dass DT Swiss Fahrern die 0°-Option freilässt. Gerade bei Mountainbikes, die ab Werk mit einer DF-Nabe ausgestattet sind, ist der Käufer sich nicht unbedingt bewusst für die Anti-Pedalrückschlagsvorrichtung entschieden und besitzt so auch nach dem Kauf Wahlfreiheit. Denn im Grunde „ruiniert“ das DF-Konzept das feine Ansprechverhalten einer Nabe mit geringem Eingriffswinkel, indem immer ein Leerweg von 10° oder mehr davor geschaltet wird. Je nach Strecke, Geschmack, Hinterbaukinematik und Einsatzszenario kann der bevorzugte Freiheitsgrad angepasst werden.
Neue Alu-Felgen für XC, Trail und Enduro
Die Updates für das Degree of Freedom-System sind dabei nicht die einzigen News, die es von DT Swiss zu berichten gibt. Der Schweizer Laufradhersteller weitet sein Angebot an asymmetrischen Felgen weiter aus und stellt mit der XR 421, XM 431 und EX 441 drei neue Aluminium-Felgen vor, die zukünftig an den Komplettlaufrädern der 1700er-Serie zum Einsatz kommen. Neben dem asymmetrischen Querschnitt für eine gleichmäßigere Speichenspannung teilen sich alle Modelle die gleiche Maulweite von 30 mm sowie den Preis von 99,90 Euro. Die Trail- (XM 431) und Endurofelgen (EX 441) wird es sowohl in 29 Zoll als auch in 27,5 Zoll geben, das XC-Modell nur in 29 Zoll.
DT Swiss XR 421 Felge
- Einsatzbereich Cross Country
- Dimensionen 622 x 30 mm
- Gewicht (Hersteller) 548 g
- Max. Systemgewicht 120 kg
- ASTM 3
- www.dtswiss.com
- Preis (UVP) 99,90 Euro
DT Swiss XM 431 Felge
- Einsatzbereich Trail
- Dimensionen 622 x 30 mm, 584 x 30 mm
- Gewicht (Hersteller) 580 g (29 Zoll)
- Max. Systemgewicht 120 kg
- ASTM 4
- www.dtswiss.com
- Preis (UVP) 99,90 Euro
DT Swiss EX 441 Felge
- Einsatzbereich Enduro
- Dimensionen 622 x 30 mm, 584 x 30 mm
- Gewicht (Hersteller) 634 g (29 Zoll)
- Max. Systemgewicht 130 kg
- ASTM 5
- www.dtswiss.com
- Preis (UVP) 99,90 Euro
Infos: Pressemitteilung DT Swiss
