Test / E-MTB: Um kaum ein anderes E-Mountainbike gab es in den letzten Wochen und Monaten einen vergleichbaren Hype. Mit dem Zendit präsentiert der spanische Hersteller Mondraker sein neuestes Flaggschiff, das die hauseigene Forward Geometry und das bewährte Zero Suspension System mit dem brandneuen Avinox M2S Motor vereint. Mit 170 mm Federweg an der Front, 165 mm am Heck zielt das Zendit unmissverständlich auf den harten Enduro-Einsatz ab. Wir haben das potente E-MTB genauer unter die Lupe genommen und auf dem Trail getestet, ob das Bike den immensen Erwartungen gerecht wird.
Ein Rahmen für höchste Ansprüche
Mondraker macht beim Rahmen des Zendit keine halben Sachen: Alle auf dem Markt erhältlichen Ausstattungsvarianten setzen auf denselben „Stealth Air Carbon“-Rahmen. Dieser bringt in der Rahmengröße ML (inklusive Hardware, ohne Dämpfer) exakt 3.000 Gramm auf die Waage. Die Spanier setzen hier auf modernste Fertigungstechniken; so kommen beispielsweise 6-Achsen-CNC-Maschinen für die Bohrungen und das Finish des Rahmens zum Einsatz.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Langlebigkeit gelegt. Das System nutzt die Erkenntnisse aus der Entwicklung der Downhill-Bikes von Mondraker. Die einheitlich dimensionierten „Enduro Max“-Lager sind mit zusätzlichen Gummidichtungen versehen, um dem Verschleiß durch Dreck und Wasser entgegenzuwirken. Bei der Leitungsverlegung bietet Mondraker erfreulicherweise Wahlfreiheit: Die Züge werden serienmäßig klassisch durch seitliche Einlässe am Steuerrohr geführt, das neue Steuersatz-Design erlaubt auf Wunsch aber auch eine komplett interne Führung durch den Headset-Deckel. Ein integrierter Mudguard für den Dämpfer und großzügige Kettenstrebenschützer runden das Bild ab.
Zero Suspension und Geometrie-Tuning
Das Herzstück des Fahrwerks bleibt das hauseigene Zero Suspension System, das für das Zendit grundlegend überarbeitet wurde. Mit einer Progressionsrate von 27 Prozent ist der Hinterbau ideal auf großvolumige Luftdämpfer abgestimmt. Mondraker verspricht eine feinfühligere Ansprache bei gleichzeitig enormer Reservenbildung. Ein Anti-Squat-Wert von rund 105 Prozent im Sag soll für hohe Antriebseffizienz sorgen, während der Anti-Rise von etwa 99 Prozent die Federung auch bei harten Bremsmanövern aktiv hält.
In Sachen Geometrie bleibt sich Mondraker als Pionier der modernen Mountainbike-Maße treu. Das Zendit wird in fünf Größen (S, M, ML, L, XL) angeboten – die Zwischengröße ML ist ein Segen für Fahrer um die 1,80 Meter. Typisch für die Forward Geometry fallen die Rahmen sehr lang aus; der Reach in Größe L misst satte 500 mm. Bemerkenswert ist, dass die Kettenstreben mitwachsen: 450 mm in den Größen S, M und ML stehen 455 mm bei L und XL gegenüber. Dies garantiert ein über alle Größen hinweg gleichbleibendes Fahrverhalten.
| S | M | M/L | L | XL | |
|---|---|---|---|---|---|
| Reach (mm) | 440 | 460 | 480 | 500 | 520 |
| Stack (mm) | 631 | 631 | 640 | 649 | 658 |
| Sitzrohr (mm) | 380 | 410 | 435 | 460 | 490 |
| Lenkwinkel (in °) | 63,5 | 63,5 | 63,5 | 63,5 | 63,5 |
| Sitzwinkel (in °) | 77 | 77 | 77 | 77 | 77 |
| Oberrohr (mm) | 586 | 606 | 628 | 650 | 672 |
| Kettenstreben | 457 | 457 | 457 | 462 | 462 |
| Steuerrohr (mm) | 110 | 110 | 120 | 130 | 140 |
| BB Drop (mm) | 6 | 6 | 6 | 6 | 6 |
Über zwei Flip-Chips lässt sich das Zendit zudem individualisieren. Der untere Flip-Chip verlängert die Kettenstreben um 7 mm, wodurch sich das serienmäßige Mullet-Setup ohne Eingriffe in die Fahrwerkskinematik auf ein 29-Zoll-Hinterrad umrüsten lässt. Ein weiterer Flip-Chip an der Dämpferaufnahme senkt das Tretlager um 5 mm ab und flacht den standardmäßigen Lenkwinkel von 63,5 Grad auf abfahrtsorientierte 63,15 Grad ab.
Das Kraftpaket: Avinox M2S Antrieb
Angetrieben wird das Zendit vom neuen Avinox M2S Motor. Im Boost-Modus schiebt der Motor mit einem maximalen Drehmoment von 150 Nm und einer Spitzenleistung von 1.300 Watt an. Der fest im Unterrohr integrierte 800-Wh-Akku sorgt dabei für ausreichend Reichweite.
Die Integration des Systems ist bemerkenswert clean. Ein hochauflösendes OLED-Touchdisplay im Oberrohr informiert über alle wichtigen Daten und erlaubt die Anpassung der Unterstützungsstufen ganz ohne Smartphone. Praktisch: Über einen integrierten USB-C (65W PD 3.0) Anschluss lassen sich Smartphones, Action-Cams oder sogar Laptops laden. Die kabellosen Remote-Controller am Lenker sorgen für eine aufgeräumte Optik.
Ein weiteres Highlight ist das „SmoothShift“-Feature in Kombination mit der SRAM T-Type Transmission. Der Motor steuert das Kettenblatt unabhängig von den Kurbeln, wodurch Schaltvorgänge beim Rollen – also ganz ohne zu pedalieren – möglich werden. Das System reduziert während des Schaltens zudem blitzschnell das Drehmoment, um übermäßigen Verschleiß zu verhindern.
Mondraker Zendit Modelle: Unerwarteter Preis-Leistungs-Sieger
Mondraker schickt das Zendit in drei Ausstattungsvarianten ins Rennen, die preislich auf den ersten Blick im absoluten Premium-Segment angesiedelt sind. Doch wer genauer hinschaut, erlebt eine Überraschung.
Das Einstiegsmodell Zendit RR schlägt mit 8.490 Euro zu Buche. „Einstieg“ ist hier jedoch eine maßlose Untertreibung. Für diesen Preis erhält der Käufer ein komplettes Fox Factory Fahrwerk (Fox 38 vorne, Float X hinten), DT Swiss H 1900 Laufräder und eine SRAM S1000 T-Type Schaltung. Ein derartiges Top-Fahrwerk an einem Carbon-Bike mit dem neuen Avinox-Motor für unter 8.500 Euro ist aktuell noch eher eine Seltenheit auf dem Markt und macht das RR zum heimlichen Star des Line-ups.
Darüber rangiert das Zendit RR S für 10.500 Euro. Hier kommen die neue Fox Podium GRIPX2 Gabel, DT Swiss HX 1700 Laufräder und SRAM X0/GX Komponenten zum Einsatz. Das Topmodell Zendit XR kostet stolze 12.500 Euro und lässt mit Fox Podium, Float X2 Dämpfer, Carbon-Laufrädern (DT HXC 1500) und SRAM X0 Transmission keine Wünsche offen.
| Zendit RR | Zendit RR S | Zendit XR | |
|---|---|---|---|
| Motor | Avinox M2S | Avinox M2S | Avinox M2S |
| Akku | Avinox FS800 | Avinox FS800 | Avinox FS800 |
| Gabel | Fox 38 Factory GripX2 | Fox Podium Factory GripX2 | Fox Podium Factory GripX2 |
| Dämpfer | Fox Float X Factory | Fox Float X Factory | Fox Float X2 Factory |
| Schaltung | Sram S1000 | Sram X0/GX T-Type | Sram X0 T-Type |
| Bremsen | Sram Maven Base | Sram Maven Silver | Sram Maven Ultimate |
| Laufräder | DT Swiss H1900 | DT Swiss HX1700 | DT Swiss HXC1501 |
| Stütze | Onoff Pija | Fox Transfer Factory | Sram Reverb AXS |
| Gewicht | 22,8 kg | 22,9 kg | 23,1 kg |
| Preis | 8.499 Euro | 10.499 Euro | 12.499 Euro |
Praxis-Test: Auf dem Trail mit dem Mondraker Zendit
Nachdem uns die Spezifikationen auf dem Papier bereits beeindruckt haben, musste das Zendit (in unserem Fall das Modell RR S) auf dem Trail beweisen, ob es den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Der erste Eindruck auf den Uphill-Passagen? Ungläubiges Kopfschütteln. Der Avinox M2S Motor entfaltet seine Kraft derart vehement, aber gleichzeitig extrem feinfühlig, dass selbst garstige, technische Anstiege ihren Schrecken verlieren. Was jedoch am meisten verblüfft, ist die schiere Geräuschlosigkeit. Die unbändige Kraftentfaltung ohne die übliche, laute Geräuschkulisse eines E-Motors zu erleben, bedarf fast schon einer kurzen Umgewöhnungszeit im Kopf.
Race-Gene statt Komfort-Sofa
Mit rund 23 Kilogramm Lebendgewicht und satten 170 mm Federweg könnte man ein behäbiges, bügelndes „Sofa“ erwarten. Weit gefehlt! Das Zendit kaschiert sein Gewicht im Gelände exzellent. Im Blindtest würden wir das Bike locker ein bis zwei Kilo leichter schätzen. Es präsentiert sich extrem lebendig, lässt sich willig abziehen und bietet erstaunlich viel „Pop“. Die Kehrseite der Medaille: Dieses Bike verlangt nach einer führenden, erfahrenen Hand.
Der Carbonrahmen ist ausgesprochen steif, was zu einer präzisen Lenkung führt. Zeigt das Vorderrad in ein Steinfeld, fährt das Zendit exakt dorthin. Es verwindet sich nicht und sucht sich keine „günstigeren“ Linien von selbst. Was für Racer und versierte Piloten ein Traum ist, könnte Anfänger, die einfach nur den Berg im Shuttle-Modus hinabrollen wollen, überfordern. Das Zendit ist eine waschechte Enduro-Maschine, die aktiv und mit Nachdruck gefahren werden will.
Das Zero Suspension Heck unterstreicht diesen Charakter. Es ist derart lebendig, dass wir den Rebound des Dämpfers etwas weiter schließen mussten, als es die Herstellerempfehlung oder unser übliches Setup vorgegeben hätten. Dann funktionierte der Hinterbau jedoch tadellos und bot massig Traktion und Durchschlagschutz.
Kritik im Detail
Trotz der überragenden Fahreigenschaften gibt es ein paar kleine Details, die Raum für Kritik lassen. Bauartbedingt ist die Einstecktiefe für die Sattelstütze durch den massiven Umlenkhebel begrenzt. In Rahmengröße L war die serienmäßige 210-mm-Stütze zwar völlig ausreichend, für Extrem-Aufbauten mit 240-mm-Droppern ist der Rahmen jedoch weniger geeignet.
Auch beim Rahmenschutz hätten wir uns etwas mehr Weitsicht gewünscht. Zwar ist die Kettenstrebe exzellent geschützt, doch die Sitzstrebe liegt blank, was an unserem Testrad bereits erste Spuren im Lack offenbarte. Ebenso fehlt ein klassischer Unterrohrschutz – bei einem derart potenten Bike in steinigem Gelände ist eine hochwertige Schutzfolie hier absolute Pflicht. Punkten kann das Design hingegen beim Platzangebot: Selbst in Rahmengröße L passt neben einer riesigen Trinkflasche problemlos noch eine Werkzeugtasche ins vordere Rahmendreieck.
Ein Ärgernis abseits des Trails offenbarte sich beim Laden des Akkus. Während das 12.500 Euro teure Topmodell XR mit einem ultraschnellen 12A-Ladegerät ausgeliefert wird (0-100% in 2h 25min), legt Mondraker unserem über 10.000 Euro teuren Testbike (RR S) lediglich den Standard-4A-Charger bei. Eine Mittagspause zum schnellen Zwischenladen wurde so unerwartet zum Geduldsspiel. In dieser Preisklasse ist diese Entscheidung des Herstellers schwer nachvollziehbar.






